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Adressat unbekannt von Kressmann Taylor

Taschenbuch von rororo
Preis bei Amazon: EUR 5,95, Angebote ab EUR 0,72

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3499230933, Erscheinungsdatum: Mai 2010, Auflage: 16
Zoom ± Produkt-Bild: Adressat unbekannt

4 Kundenrezensionen:

Ein kurzes, prickelndes & erschreckendes Buch zugleich.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich bin eigentlich nur durch Zufall zu diesem Buch gelangt, doch als ich es an der Hand hielt, war ich erst etwas enttäuscht. Ein 50 seitiges Buch, welches in einem Briefverkehr wiedergegeben worden ist, indem zu erst ein Vorwort wiederzufinden ist, bevor es eigentlich erst beginnt, kann so etwas gut gehen? Doch eins möchte an dieser Stelle vorweg gesagt werden. Bitte lest nicht zuerst das Vorwort, da ihr sonst schon die Novelle kennt und ihr garantiert nicht mehr so gefesselt von der Dramatik seit. Wie schnell aus Freundschaft, Feindschaft werden kann, erkennt man in diesem Buch sehr schnell von Max und Martin.

Obwohl es ein sehr kurzes Buch ist, welches man locker in einer halben Stunde durchlesen kann, ist es an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Leider gibt es aber eins zu kritisieren. Warum hat die Autorin im Vorwort die Geschichte schon erläutert? Hätte die Buchhändlerverkäuferin im Laden mir nicht gesagt, dass man dies nicht beachten soll, bevor man es liest, so hätte ich es glatt zuerst gelesen. Als Nachwort wäre dies für mich durchaus angebrachter, anstatt zu Beginn der Geschichte.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass dieses Buch in keinem Buchregal fehlen darf. Trotz dieser kleinen Kritik von mir, bekommt dieses Buch fünf Sterne!
literarisches Highlight,brilliant,beklemmende Dramatik,erhellend
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Adressat unbekannt stammt aus der Feder einer leider in Deutschland weithin unbekannten us-amerikanischen Autorin.Catherine Kressmann Taylor, die ihr Brot als Werbetexterein verdiente, hat dieses spannende kleine Meisterwerk und Zeitzeugnis erstmals 1938 in der Zeitscdhrift "Story" veröffentlicht.
Mit dem Stilmittel eines fiktiven Briefwechsels zwischen dem Juden Max Eisenstein und seinem deutschen Geschäftspartner und langjährigem Freund
beschreibt die Autorin in spannend wachsender Dramatik wie der todbringende Virus des NS Rassismus nicht nur die Freundschaft zweier Menschen zerstört und ermordet.
Lesenswert
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Anfangs fand ich das Buch etwas langweilig, erst in der Mitte, bis hin zum Schluss fand ich es spannend.
Empfehlenswert ist es aufjedenfall.
Wenige Seiten, die schnell durchgelesen sind.
Mal eine ganz neue Seite...
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Bei "Adressat unbekannt" von Kathrine Kressmann Taylor handelt es sich um ein kleines aber feines Büchlein in dem man einen ganz besonderen Briefwechsel verfolgen kann, der überraschende Wendungen nimmt, zumindest wenn man nicht schon vorher zu viel vom inhalt erfahren hat.
Max (er lebt in Amerika) und sein sehr guter Freund Martin (ist mit seiner Familie von Amerika nach Deutschland zurückgekehrt) sind Geschäftspartner und im können durch den Verkauf von hauptsächlich Gemälden ein sehr wohlhabendes Leben führen. Beide stehen stets in Briefkontakt, um über die Geschäfte, aber auch die Familie zu sprechen. Sie bezeichnen sich als Brüder.
Mit der Nazi-Ideologie ändert sich jedoch so einiges und der Briefwechsel nimmt einige Wendungen bzw. findet bald von Martins Seite kaum noch statt.
Das Ende lässt Platz für Spekulationen.

Mich hat besonders die Figur des Max an diesem kleinen Büchlein fasziniert. Sein starker Wille und die Tatsache, dass es nicht einfach aufgibt und der Inhalt seiner folgenden Briefe machen dieses Buch zu etwas ganz besonderem.

Mehr möchte ich nicht verraten - auf jeden Fall selbst lesen!
Das Vorwort von Elke Heidenreich regt auch dazu an.
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Brief einer Unbekannten von Stefan Zweig

Taschenbuch von Fischer (Tb.), Frankfurt
Preis bei Amazon: EUR 4,95, Angebote ab EUR 2,99

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3596130247, Erscheinungsdatum: Januar 1996, Auflage: 11
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4 Kundenrezensionen:

Einfach toll!!!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Zweig bringt es auch diesmal auf den Punkt. So schnell habe ich selten ein Buch verschlungen und selten war ich so gerührt. Wie gekonnt Zweig innere Vorgänge beschreiben kann, eine tolle Sprache, kein Wort zu viel oder zu wenig. Auch wenn ich die Gefühle der Unbekannten zu Anfang fast als manisch empfand wurde ihr Verhalten im Verlauf der Geschichte doch völlig verständlich. Mich hat die Novelle sehr ergriffen und das Buch zählt seitdem zu einem meiner absoluten Libelingsbücher.
Zu meiner Schande (Achtung Vorurteile, Herr Ustinov!) muss ich gestehen, dass ich verwundert war, dass ein Mann so ein Buch schreiben kann. Asche auf mein Haupt!
Es war mein Schicksal im Leben, es sei es auch in meinem Tod.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Nur dieses eine Mal musste ich sprechen zu dir dann gehe ich wieder stumm in mein Dunkel zurück, wie ich immer
stumm neben dir gewesen."....Zeilen die berühren,erschüttern und einen aufmerksam lesen lassen.
Brief einer unbekannten? Ein Briefroman in dessen eine Frau sich zu Wort meldet, und eine Lebensgeschichte preisgibt die ganz und gar der Liebe zu einen Mann gewidmet ist.
Absolut lesenswert....man legt das Buch beiseite und begibt sich auf eine Gedankenreise, zwischen diesen zwei Figuren und der eigenen Auffassung der Liebe.
Gibt es sowas? Die Meinungen gehen da auseinander und ich denke, man vermag nicht zu urteilen, wozu Liebe fähig ist.
Ich glaubte die Zärtlichkeit gelte nur mir, nur mir allein..."( Stefan Zweig : Brief einer Unbekannten),
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der bekannte Romanschriftsteller R., ein offensichtlich sehr attraktiver Mann, erhält einen Brief von einer Unbekannten, die ihm auf diese Weise mitteilt, dass sie einen gemeinsamen Sohn hatten, der wenige Stunden bevor die Schreiberin die Zeilen verfasste, verstorben ist.
Die namenlose Schreiberin sieht aufgrund des Todes ihres Kindes keinen Sinn mehr im Leben und plant ihren Selbstmord. Zuvor allerdings möchte sie R., den sie seit ihrer Kindheit angeblich liebt, von ihrem gemeinsamen Sohn, hauptsächlich wohl von sich selbst berichten, möchte, dass er sie vor ihrem Tod noch ein wenig kennenlernt, denn offenbar weiß er von der Mutter seines toten Sohnes nichts.
In den Augen der Schreiberin, die von großer Schönheit ist, war R. ein heißer, leichtlebiger, ganz dem Spiel und dem Abenteuer hingegebener Junge, der gleichwohl in seiner Kunst unerbittlich ernst, pflichtbewusst, unendlich belesen und gebildet war.
Als 13 jährige verliebt sie sich - damals in Wien lebend - in den jungen Mann. R wird, ohne es zu wissen, ihr Backfischschwarm. Er wohnt im selben Haus wie die Schreiberin und ihre Mutter.
Um für den schönen Schriftsteller interessant zu sein, beginnt das Mädchen zu lesen und verschlingt in den kommenden Jahren eine halbe Bibliothek. Die Verliebte steigert sich immer mehr in ihre Schwärmerei, obgleich sie mittlerweile gemeinsam mit der Mutter Wien verlassen hat. Sie kann R. nicht vergessen.
Als junge Frau begegnet sie dem Schriftsteller erneut und lässt sich von ihm bereitwillig deflorieren. Drei Tage dauert die Affäre an, dann geht er auf Lesereise und vergisst sie. Die hübsche Frau ist für ihn eine unter vielen. Sie wird schwanger, hält die Schwangerschaft vor ihm geheim und entschließt sich, nachdem sie Mutter eines Sohnes geworden ist, die Geliebte wohlhabender Männer zu werden, um auf diese Weise ihrem Sohn ein gutes Leben zu ermöglichen.
So lebt sie 10 Jahre lang bis R. ihr abermals begegnet, sie erneut begehrt, ohne in ihr allerdings die einstige Geliebte zu erkennen. Wiederum schläft er mit ihr bei. Diesmal bezahlt er sie wie eine Hure. Für eine solche hält er sie nämlich.....

Die Geschichte ist packend erzählt, aber ist sie auch glaubhaft? Ist es möglich, dass eine gebildete, schöne Frau über Jahrzehnte unsterblich in einen Mann verliebt sein kann, der ihre Liebe nicht erwidert?
Ist es möglich, dass eine solche Frau diesem Mann, der sich für sie, wenn überhaupt nur kurzfristig sexuell interessiert, ihre Zukunft opfert?
Ist es möglich, dass eine schöne, gebildete Frau sich dauerhaft so demütigt, wie die in der Novelle beschriebene?
Wie soll man die hier dargestellte, einseitige Fixierung benennen? Ist das Liebe?
Ist es möglich, dass ein Mann, der drei Tage mit einer sehr schönen, noch dazu liebevollen Frau im Bett verbringt sich an diese nach 10 Jahren absolut nicht mehr erinnern kann?
Ich möchte an dieser Stelle die Fragen nicht beantworten. Sondern hoffe, dass man diese in den Kommentarzeilen gemeinsam erörtern wird.

Empfehlenswert.
Mit einem einzigen Brief kann man keine Meisternovelle erschaffen? - Man kann!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der "Brief einer Unbekannten" erschien erstmals 1922 in der Sammlung "Amok. Novellen einer Leidenschaft". Und wahrlich, mit Leidenschaften kannte sich Stefan Zweig bestens aus. Er besaß sie nicht nur, er beobachtete sie, formte sie in seinem Innern und bannte sie wie wohl kein Zweiter in stilistisch feinster Manier auf Papier.

Leidenschaften reißen mit, aber sie bergen auch den Kontrollverlust in sich. Der Mensch läuft Gefahr, seiner Leidenschaft dergestalt ausgeliefert zu sein, dass sie sein Leben willkürlich lenkt.
Und eine solche Form der Leidenschaft entblättert sich in dieser Novelle vor dem Leser eines Briefes. Er, ein berühmter, oberflächlicher und durchaus libidinöser Schriftsteller, liest die Zeilen einer Verehrerin. Dabei tritt nicht nur die hingebungsvolle Passion einer jungen Frau, sondern auch das damit im Zusammenhang stehende menschliche Versagen zutage.

"(...) Was war mir Freundschaft, was meine Existenz gegen die Ungeduld, wieder einmal Deine Lippen zu fühlen, dein Wort weich gegen mich gesprochen zu hören. So habe ich Dich geliebt, nun kann ich es dir sagen, da alles vorbei ist und vergangen. Und ich glaube, riefest Du mich von meinem Sterbebette, so käme mir plötzlich die Kraft, aufzustehen und mit Dir zu gehen."

Diese Form der leidenschaftlichen Liebe, die in ihrer Absolutheit und Unbedingtheit, wie sie die Protagonistin vorträgt, etwa an die zwischen Catherine und Heathcliff in Emily Brontes "Stürmhöhe" erinnert, trägt nur ein Manko: Sie blieb einseitig.
"Dir, der du mich nie gekannt" lautet die Überschrift des Briefs. Und in der Tat muss der Leser des Briefes - wie auch der Leser der Novelle - am Ende eine zweite Form falscher Leidenschaftlichkeit erkennen: oberflächliche.

Fazit: Die Form der Psychologisierung, die Zweig seinen Novellen einzuhauchen wusste, fesselt den Leser auch heute noch. Sein Stil, fließende und kunstvolle Satzgebilde, ist überragend. Die im Brief angelegte stufenweise Entblößung stellt einen kleinen Kunstgriff dar, eingeklammert mit den Reaktionen des Schriftstellers vor und nach dem Öfnnen des Briefes. Ohne Zweifel reiht sich "Brief einer Unbekanntem" nahtlos in die großen Novellenschöpfungen Zweigs ein.
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Produkt-Bild: Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere

Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere von Frank Schätzing

Broschiert von Fischer (Tb.), Frankfurt
Preis bei Amazon: EUR 9,95, Angebote ab EUR 4,50

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3596176743, Erscheinungsdatum: Mai 2009, Auflage: Nachdruck.
Zoom ± Produkt-Bild: Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere

Aus der Amazon.de-Redaktion


Frank Schätzing? Das ist doch der von Der Schwarm werden einige sagen. Andere erinnern sich an seine Krimis. Nun hat der gefeierte Bestsellerautor wieder einmal das Genre gewechselt und ein Sachbuch geschrieben. Er bringt uns Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eines zeigt auch dieses Buch: Schätzing, Autor aus Leidenschaft, bleibt neugierig.
Diese Neugierde steckt an, und man folgt dem Autor gerne, wenn es diesmal heißt, den Blick unter die Meeresoberfläche zu richten und eine Zeitreise bis zu den Anfängen unserer Welt zu machen. Meere bedecken den größten Teil der Erdoberfläche -- unser Wissen darüber ist allerdings noch immer sehr spärlich. So leger die Sprache von Schätzing daherkommt ("Flott vergingen neun Milliarden Jahre."), so sehr hat er sich doch bemüht, alle Behauptungen wissenschaftlich zu fundieren.
Schätzing schlüpft in diesem Buch in die Rolle eines Kapitän Nemo. Bevor es allerdings auf große Tauchfahrt geht, unternehmen wir mal eben noch eine kurzweilige Zeitreise durch die Evolution. Fans von Der Schwarm können mit Nachrichten aus einem unbekannten Universum ihr Wissen vertiefen. Und all die, die noch nichts von Frank Schätzing gelesen haben, lernen einen Autor kennen, bei dem man nicht so genau weiß, was als Nächstes kommt. Vielleicht eine Oper? Schließlich komponiert der Tausendsassa Schätzing ja auch und vertont seine Bücher. Auch hierauf dürfen wir gespannt sein. -- Mathias Voigt, Literaturtest

Amazon.de Hörbuch-Rezension


Für seinen Bestseller Der Schwarm hat Frank Schätzing derart fleißig recherchiert, dass ihm so viel Stoff übrig blieb, um daraus ein voluminöses Sachbuch über eine Zeitreise durch die Meere zu machen -- von der Entstehung der Ozeane, über die Entwicklung des Lebens aus dem Wasser bis hin zur ökologischen Zukunft der Meere. Ein Buch für alle, die von seinem maritimen Ökothriller neugierig gemacht wurden, oder jene, die bisher einen großen Bogen um jedes naturwissenschaftliche Sachbuch gemacht haben. Gleich im Vorwort beruhigt der Autor: "Dies ist kein Lehrbuch. Kein Manifest. Es trägt keine Botschaften vor sich her. Es ist ein Thriller. Nachrichten aus einem unbekannten Universum will eigentlich nur eines: unterhalten und Lust machen auf mehr."
Das mit der Unterhaltung steht auch beim Hörbuch ganz im Vordergrund, die Reise zu den geheimnisvollen Tiefen der Ozeane ist akustisch noch beeindruckender. Das liegt vor allem an der Vortragskunst Frank Schätzings. Als gelernter Kommunikationswissenschaftler weiß er auch seine angenehme Stimme effektvoll einzusetzen, auch wenn seine Sprache manchmal arg flapsig ist und er keinem Gag aus dem Weg geht ("Gruppen junger, erfolgreicher Cyanobakterien, trendy und angesagt, zogen durch die Flachgewässer, feierten Vermehrungsparties im Sonnenlicht und schmissen mit Sauerstoff nur so um sich."). Und dann ist da auch noch dieser Soundtrack, vom Autor selbst komponierte und eingespielte Musik, die den Thrillercharakter dieses Unterwasserabenteuers noch verstärkt, auch wenn sie vielleicht nicht dem Geschmack eines jeden Hörers entsprechen wird.
Was auch nicht jedem gefallen wird: Von den über 40 Kapiteln des Buches haben es nur 9 auf das Hörbuch geschafft. Da hätten es schon gerne ein oder zwei CDs mehr sein können. Die ausgewählten Kapitel können zwar für sich stehen, aber die Zeitreise wirkt dadurch etwas sprunghaft und besagte "Lust auf mehr" bleibt bei dieser stark gekürzten Fassung unbefriedigt. --Christian Stahl
Spieldauer: ca. 135 Minuten, 2 CDs, gekürzte Lesefassung
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4 Kundenrezensionen:

Chapeau für diesen literarischen Stern am Himmel des Infotainment, Herr Schätzing!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Man kann sich das Leben aber auch unnötig schwer machen - so des Lesers erster Eindruck beim Einstieg in das Vorwort der "Nachrichten aus einem unbekannten Universum". Nicht dass der Autor Frank Schätzing etwa einem höchst akademischen Schreibstil frönen würde - mitnichten! - doch gesteht er hier frei heraus, dass die Würfel für dieses Werk beim netten Plausch unter Freunden fielen, um genauer zu sein: Eines dieser Versprechen, die man "nur morgens um vier in einer Bar geben kann." Arbeitsreiche Monate für den Autor und schmökervolle Stunden für den Leser später wissen wir: Es hat sich mehr als gelohnt! "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" ist eine bunte Reise durch die nasse Geschichte unserer Erde, lehrreich, ohne jedoch dabei belehrend zu wirken.

Eingeteilt in drei Großkapitel, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des nassen Elementes und seiner Bewohner beleuchten, nimmt uns Frank Schätzing an der Hand und führt uns an Orte, die in ihrer Exotik und ihrer Kuriosität geradewegs einem Jules Verne Roman zu entspringen scheinen - mit dem kleinen Unterschied, dass diese real sind, oder es zumindest bis vor einigen Millionen Jahren waren. Von den ersten Reptilien, die die Weltmeere in grauer Vorzeit bewohnten, bis zu den gejagten Jägern der Ozeane, den bei unseren asiatischen Freunden als Suppen-Ingredienzien geschätzten Haien, zieht sich der rote Faden durch die "Nachrichten aus einem unbekannten Universum". Frank Schätzing geht in den verschieden Kapiteln ebenso auf Flora und Fauna ein, wie er auch chemisch-reaktionäres und den biologischen Unterbau anschaulich und mit Blick auf die weniger naturwissenschaftlich Bewanderten unter uns erläutert.

Überhaupt der Autor: Einfach toll, wie es Frank Schätzing gelingt, selbst komplizierte Zusammenhänge gekonnt zu vermitteln. Da staunt dann auch der Laie und der Fachmann, nun ja, der wundert sich bekanntlich auch gerne mal. So wartet Frank Schätzing mit ganz eigenen Thesen zum Geschlechtsverkehr auf ("...schweißtreibend, frustrierend, mitunter brutal, man investiert teure Abendessen...!") leitet dann aber - dies ist schließlich kein Schmuddelroman - gekonnt zum biologischen Alibi für die vielleicht schönste Nebensache der Welt über: Sex als Möglichkeit zur Diversifizierung von Erbmaterialien und damit als Mittel zu einer optimalen Ausnutzung des Lebensraumes. Dieses kleine Beispiel aus der Entwicklung des Lebens vom Ein- zum Vielzeller ist eines von unzähligen, mit denen "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" aufwartet, und die den Reiz dieses Buches ausmachen: Viele Informationen überaus kurzweilig für den Leser aufbereitet, ergänzt durch einen umfangreichen Anhang bestehend aus Glossar und Zeittafel für alle, die es ganz genau wissen wollen.

"Nachrichten aus einem unbekannten Universum": Chapeau für diesen literarischen Stern am Himmel des Infotainment, Herr Schätzing!
sehr informativ
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein sehr inhaltsreiches Buch zum Thema Leben im Meer.
Frank Schätzing schafft es, "trockenen" Stoff lebhaft und anhand von Beispielen zu vermitteln.
Die ca. 600 Seiten lesen sich verhältnismäßig schnell.
Etwas zu plauderhaft
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Viel ist zu erfahren, in dem Buch. Und es wird auch im allgemeinen gut und für Normalsterbliche verständlich erklärt.
Genauso wie bei seinen Romanen, kommt man gut mit den Buch voran (die 600+ Seiten sollten einen also nicht abschrecken).
Allerdings sind mache Abschnitte zu "plauderhaft", einige Vergleiche zu platt. Und wenn der Autor zu umstrittenen Themen seine eigene Meinung sagt (sei es, dass man diese teilt oder nicht), stösst er weniger zum Nachdenken an, sondern weckt Zweifel.
Ich habe mir vom Buch mehr versprochen, daher nur 3 von 5 Sternen.
Unangenehmer Schreibstil
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Schuster bleib bei deinen Leisten .... und Sie, Herr Schätzing bei Ihren Romanen. Ihr Ausflug in die populärwissenschaftliche Literatur ging mächtig in die Hose!

Ich glaubte den Lobpreisungen, die diesem Werk voran gingen, den angeblich so umfangreichen Recherchen und der Verwertung des wissenschaftlichen "Abfalls" aus dem "Schwarm". Ich freute mich auf die Wissensvermittlung und auf einen für interessierte Laien aufbereiteten Inhalt.

Und was kam? Die "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" waren allenfalls oberflächliche Kurznachrichten. Nur ein Teil der über 500 Seiten befasste sich mit den Meeren, der Großteil mehr oder weniger mit Randgebieten, die, so schien es mir, oft an den Haaren herbei gezogen waren. Es waren durchaus auch interessante, erhellende und überraschende Ausführungen dabei - nur deswegen kaufte ich das Buch nicht, ich wollte über die Meere mehr erfahren.

Nun gut, das ließ sich alles noch verschmerzen, aber das WIE, wie das Wenige vermittelt wurde grenzt an Verarschung. Sind wir Interessierte denn alle Idioten oder Kindergartenkinder? Ist diese dümmliche Flapsigkeit wirklich von Nöten? Nach den ersten paar Seiten grinst man, nach den nächsten wird ein gequältes Lächeln daraus, dann Ärgernis und dann nur noch Frust! Ich war dauernd hin- und hergerissen, das Buch in die Ecke zu feuern oder es doch weiter zu lesen - war ja stellenweise wirklich interessant. Aber ganz zu Ende schaffte ich das Buch doch nicht.

Statt manchen unnötigen, ärgerlichen, seitenfüllenden "Ausschweifungen" wären einige Skizzen, Bilder, evtl. sogar kleinere Tabellen wesentlich erhellender gewesen. Wie heißt es doch: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Aber die Schwarte musste dick werden und ein Bildchen und schon gar ein Tabellchen wären wohl des intellektuellen Touch zu viel gewesen und womöglich dadurch ein paar Leser weniger geworden.

Ich kann das Buch nicht empfehlen.
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Produkt-Bild: Der Sauerteig - das unbekannte Wesen

Der Sauerteig - das unbekannte Wesen von Martin Pöt Stoldt

Ringeinband von Monsenstein und Vannerdat
Preis bei Amazon: EUR 21,90

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3865829643, Erscheinungsdatum: November 2009, Auflage: 1. Aufl.
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4 Kundenrezensionen:

Sauerteigherstellung und -führung prima, Rezepte nicht optimal
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Sowohl die Definitionen zum Thema Sauerteig, als auch dessen Herstellung, Führung und Aufbewahrungsmöglichkeiten sind sehr gut beschrieben und leicht für den Laien nachvollziehbar. Das Ansetzen des Sauerteiges klappt auf Anhieb und führt auch zu optimalen Backergebnissen. Die in diesem Buch enthaltenen Rezepte lassen keine Wünsche offen, erfordern jedoch zum Teil eigene Erfahrungswerte im Umgang mit Sauerteigen.
Man kanns auch umsonst haben!
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Ein bischen enttaeuscht, hatte mehr erwartet, weil all die Information in diesem Buch (und VIEL mehr) auch umsonst im Sauerteig forum erhaeltlich ist. Zusaeztlich kann man da auch mal nachfragen wenn irgendwas nicht klar ist.
Sauerteig: Altbekanntes unter neuem Titel
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Die Infos über den Sauerteig sind für mich nichts neues. In allen Brotbackbüchern steht wie Sauerteig angesetzt wird und behandelt werden muß. Also keine neuen Erkenntnisse. Die Brotrezepte unterscheiden sich nur geringfügig von Brotrezepten in anderen Brotbackbüchern. Deshalb nur 3 Sterne
Gutes Brot backt man besser selbst
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Gerade als ein im Ausland lebender Deutscher wird man schon bald ein einzigartiges Lebensmittel aus der Heimat vermissen:
Brot

Jeder Deutsche, der schonmal eine längere Zeit im Ausland geweilt hat, kennt mit Sicherheit das frustriert, belustigte Gefühl, wenn man ein sogenanntes 'dunkles Vollkornbrot' mit fast schwarzer Kruste aufgeschnitten hat und wieder ein helles, gobporiges, viel zu weiches, fluffiges Brot in Händen hält, das man in Deutschland vielleicht gerade eben nicht mehr zu einem reinen Schneeweißbrot deklassiert hätte. ÄTZEND!!

In jedem Land der Welt gibt es eine gigantische Vielfalt von Weißbroten, hellen Broten und toastbrotähnlichen Sandwichpappen.
Die meisten davon sind sehr grobporig, fast alle hell bis weiß und fast immer viel zu weich, als daß man da vernünftig Butter drauf schmieren könnte.
Denn dafür sind diese Brote in der Regel ja auch nicht gedacht.
Sondern um als Beilage anstatt Kartoffeln, Nudeln oder Reis gegessen oder in Saucen getunkt zu werden.

Yufka, Ciabatta, Pita, Baguette, Nan, Ruchbrot, Paillasse.... sind alle lecker.
Es lässt sich aber aus keinem von denen eine AMTLICHE STULLE herstellen!

Denn ein belegtes Brot ist was Urdeutsches und entsprechend gibt's auch nur dort ein dafür brauchbares Brot:
Sauerteigbrote mit hohem Roggen- oder Gersten- und vor allem Vollkornmehl- und/oder Schrotanteil.

Daher ein Tipp an alle in Deutschland, die Verwandte oder Freunde im Ausland besuchen wollen und sich die Frage stellen:
"Was mitbringen?"
Brot!

Auch den 'Anderen', die gutes Brot (noch) kennen und daher schätzen und vermissen, weil es keinen authentischen Bäcker mehr in ihrer Nähe gibt, sondern nur noch die Frischbackstationen in den
Supermärkten, die mitlerweile oftmals sogar weniger schlechte Zementbrötchen oder Pappbrote als die uniformen Backshopketten aus den tiefgefrorenen Industrieteiglingen fabrizieren, wird das
Selbstbacken von Brot eine Alternative bieten.

Abgesehen davon, daß selbstgebackenes Brot besser schmeckt, bekömmlicher, unter Umständen sogar gesünder und evtl. auch billiger als die Industriepappe ist, macht es mehr Spass, weil es selbstgemacht ist, und es bleibt auf jeden Fall länger frisch.
Selbst, wenn's sich dabei 'nur' um eine Fertigbackmischung handelt.

Nachdem ich aus oben geschilderter Unzufriedenheit heraus beschlossen habe, nun (dann auch) selbst Brot zu backen, und begonnen hatte, mich im Internet schlau zu lesen, blieben mir trotzdem immer wieder Fragen offen, die für einen erfahrenen Bäcker wohl kein Thema darstellen, für einen totalen Frischling wie mich aber schon.
"Natursauerteig, spontane Gärung, ohne Zusätze.... - Uiuiuiuiui!! Was da wohl alles schief laufen kann, was man vielleicht nicht merkt... Nachher back ich womöglich Brot aus Schimmelpilzen anstatt mit Hefe...."
Der erfahrene Brotbäcker darf jetzt ruhig schmunzeln.
Aber ich denke, das sind genau die Punkte, die viele Neueinsteiger vor dem Thema Natursauerteig abschrecken.

Dann stiess ich auf
Martin Pöt Stoldts Buch "Der Sauerteig - das unbekannte Wesen"
und hab's mir im Internet bestellt.

Wer Brot von Grundauf selbst backen will, sollte sich dieses Buch zulegen.
Ich kann's nur wärmstens empfehlen.

Ohne langatmig oder zu weit auszuholen, wird kurzweilig und knapp auf wenigen, kurzen, kleinen Seiten ein historisches und biochemisches Grundwissen vermittelt, um verstehen zu können, was da passieren wird, um unnötige Ängste zu nehmen und ein grundlegendes Grundverständnis zu schaffen, auf dem dann weiter aufgebaut werden kann.

Schritt für Schritt wird der Leser in klarer und verständlicher Sprache an der Hand zu seinem ersten Anstellgut, seinem ersten Natursauerteig und seinem ersten eigenen Brot geführt.

Der Autor geht ausführlich aber nicht ausschweifend auf die verschiedenen Mehltypen und deren Eigenschaften unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bezeichnungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein.

Schliesslich legt er dem Leser nicht nur einen weit umfassenden Querschnitt an Rezepten zum Nachbacken von Broten über Brötchen bis zum Kuchen vor, sondern ermuntert seinen Leser vielmehr dazu, das anhand der Beispiele Erlernte zum Experimentieren für eigene Kreationen anzuwenden.
Letzlich trumpft das Buch auch durch seine klare, einfache, aber nie banale Sprache und dem Anspruch ein Lehrbuch statt einer reinen Rezeptsammlung zu sein, auf.

Der Autor lässt den Leser wissen, daß nicht alles auf Anhieb klappen kann, gibt aber jede Menge Tipps, die zu einem guten Gelingen beitragen.

Zitat:
"Letztendlich jedoch muss jedem Hobbybäcker klar sein, dass auch Fachleuten mitunter etwas misslingt. [...]
Übrigens: Wer behauptet, dass ihm immer jedes Brot gelingt, der sagt die Unwahrheit."

Ferner unterhält der Autor ein eigenes Forum, in welchem sowohl Fragen von blutigen Anfängern, als auch Experimente von erfahrenen Leuten behandelt werden.
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Produkt-Bild: Die unbekannte Mitte der Welt: Globalgeschichte aus islamischer Sicht

Die unbekannte Mitte der Welt: Globalgeschichte aus islamischer Sicht von Tamim Ansary

Gebundene Ausgabe von Campus Verlag
Preis bei Amazon: EUR 24,90, Angebote ab EUR 19,90

3,5 Punkte.
3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3593388375, Erscheinungsdatum: Februar 2010, Auflage: 1
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3 Kundenrezensionen:

Das Lesen der Einleitung verhindert so manche Missverständnisse ...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
... und etwaige Fehleinschätzungen dieses Buches.

Grundlegend, um mit ein paar Worten auf einen Vorgängerrezensenten zu antworten:

- Der Autor ist kein Historiker und betont dies eingangs auch. (S. 20)
- In der Einleitung weist der Autor zudem daraufhin, dass er "die Geschichte im Sinne von Erzählung [wiedergibt], denn dieses Buch ist kein Schulbuch und keine wissenschaftliche Abhandlung. Es ist eher das, was ich [der Autor] Ihnen in einem Café erzählen würde, wenn Sie mich fragen würden, was es denn mit dieser parallelen Weltgeschichte auf sich hat." (S. 19).
- Auch auf die Quellen geht der Autor auf Seite 20 ein und schreibt, dass er sich über die Problematik der "Glaubwürdigkeit muslimischer Quellen für Akademiker" sehr wohl bewusst ist, aber die Geschichte so erzählen will, wie sie aus muslimischer Sicht und Vorstellung gesehen wird. Jedoch bedeutet das alles nicht, dass ein Autor, der sich auf muslimische Quellen bezieht zum Erfinder wird oder faktisch Falsches verbreitet, nur weil er sich nicht auf die in Europa anerkannten Quellen beschränkt!

Wirklich "fahrlässig, wenn nicht gar manipulativ" (nur, um die Wortwahl eines Rezensenten zu gebrauchen) ist es m.E. - in anbetracht dieser Klarstellungen auf den ersten Seiten - Bücher zu rezensieren und potenziell Interessierte davor zu warnen oder gar abzuschrecken, wenn man offensichtlich nicht einmal das Vorwort gelesen hat.

Zum Buch selbst:
Meine Entscheidung, zu diesem Buch zu greifen und es lesen lag darin begründet, dass ich einen Blick "von der anderen Seite" haben wollte. "Wir" lernen und kennen Geschichte - logischerweise - von dem Standpunkt der Europäer. Auch "wir" erleben diese Geschichte aktiv, nicht nur aus Lehrbüchern voller Fakten. Fakten kann man sich in unzähligen Publikationen zur Gemüte führen, aber wo bleibt da das persönliche, menschliche? Gerade der Islam, dem "wir" täglich begegnen -nicht in der Theorie, sondern in der Praxis! -, der "uns" aber dennoch so fremd scheint, verdient ein Buch, das "uns" helfen könnte, "die andere Seite" zu verstehen.

Genau das habe ich hiermit auch gefunden, ein informatives Buch, das selbst nie den Anspruch erhebt, in wissenschaftliche und akademische Titel eingereiht zu werden, aber dennoch einen interessanten Über- und Einblick gewährleistet und zudem noch amüsant und unterhaltsam - eben erzählerisch - geschrieben ist.

Jedem, der sich - wie ich selbst auch - in einem Zwiespalt zwischen "ich würde mich so gerne über geschichtliche Themen informieren" und "ich verliere schnell das Interesse, wenn mir der Text zu langatmig ist obwohl das Thema an sich interessant ist" befindet, kann ich dieses Buch durchaus empfehlen.
Ein außergewöhnliches Buch, das viele Lichter aufsetzt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Dieses Buch hat mich sehr begeistert. Der Autor Tamim Ansary schafft es, das in der Regel europäisch geprägte Weltbild des Lesers zu verrücken, indem er einem "die Brille des Islam" aufsetzt. Statt wie wir es gewohnt sind die Geschichtsschreibung aus Sicht der römisch-griechisch-zentrierten Welt zu betrachten, verschiebt er den Fokus wortwörtlich, nämlich nach Osten, und erzählt die Geschichte der letzten 1300 Jahre so, wie sie in der muslimischen Welt gelesen, gelehrt und verstanden wird. Mich persönlich hat das ebenso überrascht wie fasziniert und mir beim Lesen viele Lichter aufgesetzt. Dank Ansary versteht man zum Beispiel viel besser, wie das Selbstverständnis der islamischen Welt aussieht, warum es dort keine vergleichbare Aufklärung und Säkularisation gab, und wo viele unserer heutigen Konflikte, von Nahost bis Afghanistan und darüber hinaus ihre Wurzeln haben.

Eine großer Teil des Frusts und des Unverständnisses zwischen "dem Westen" und "dem Islam" heute kommt nämlich, wie Tamim Ansary glaubt, genau aus der weit verbreiteten Unkenntnis der jeweils anderen Geschichte. Auf der einen Seite die postkoloniale Überlegenheitshaltung des Westens, die sich auch heute noch in der (wenn auch oft unbewussten) Missachtung der islamischen Geschichte niederschlägt, und auf islamischer Seite als Reaktion darauf eine Konfrontationshaltung, die wiederum idealen Nährboden für antiwestliche Propaganda bildet. Ich teile die Meinung des Autors, dass wir nur dann an den aktuellen Problemen werden arbeiten können, wenn wir ihre Hintergründe verstehen und die Perspektive des anderen kennen (und anerkennen) - und dazu leistet sein Buch einen wertvollen Beitrag.

Aber dieses Buch schafft noch mehr als "nur" den Perspektivwechsel. Es profitiert zudem davon, dass der Autor versierter Schriftsteller ist und einfach richtig gut erzählen kann: Er macht aus über 1000 Jahren Geschichte eine unterhaltsame, emotionale und mitreißende Lektüre.

Wer Weltgeschichte aus einem anderen Blickwinkel als dem üblichen sehen will, wer authentisch und spannend von den alten Großreichen der Perser, Moguln, Abassiden, Umayyaden und Osmanen lesen will, wer mehr über die Wurzeln der Konflikte im Nahen Osten erfahren und wer verstehen will, wieso Diskussionen über "den Islam" heutzutage so oft ins Leere laufen und die ewige Konfrontationshalten "wir vs. die" zu nichts führt, dem kann ich "Die unbekannte Mitte der Welt" nur empfehlen.
Gute Idee - gescheiterte Ausführung
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Die Idee schien gut: Eine Globalgeschichte zu schreiben, die eine andere als die übliche Perspektive einnimmt, die das historische Weltgeschehen nicht von Athen, Rom, Frankfurt oder Wien aus betrachtet, sondern von Bagdad, Damaskus, Kairo und Istanbul, eine Geschichte, die die Ereignisse der Vergangenheit von diesen Standorten aus anders gewichtet und bewertet. Die Idee schien gut, die Ausführung ist gescheitert.
Wer einen neuen Blickwinkel auf die Geschichte erwartet, wird enttäuscht sein, ja schlimmer: Weite Teile des Buches (fast das gesamte erste Drittel) können nicht einmal als Historiographie bezeichnet werden, sie sind schlicht Hagiographie. Ohne jede Quellenkritik wird die Frühgeschichte des Islam, das Leben Mohammeds und der vier ersten "rechtgeleiteten" Kalifen in einer an Heiligenverehrung erinnernden Form erzählt. Hier begegnen uns Männer ohne Fehl und Tadel. Der dritte Kalif, Othman, ein "Gigant der Güte" (S.74), die vier "rechtgeleiteten" Kalifen waren "fromme Männer, die nicht gewagt hätten, die Anweisungen Gottes anzurühren. Gerade ihre Bescheidenheit war es, die ihre Größe ausmachte." (S.107)
Als Quellen dienen allein die bekannten islamischen Überlieferungen: Koran, Hadithe und die frühen islamischen Schriftsteller wie etwa Ibn Ishaq (704-768). Es wird der Eindruck erweckt, als sei all das zeitnah aufgeschrieben worden, was historisch nicht zu beweisen bzw. schlicht falsch ist. Ansary behauptet etwa, der Koran sei unter Othman in seine bis heute verbindliche Form gebracht worden. Die ältesten uns bekannten Ausgaben stammen jedoch erst aus dem 9. Jahrhundert, sind also etwa 200 Jahre nach dem Tod Mohammeds verfasst worden. Das Werk des erwähnten Ibn Ishaq, das erst 100 Jahre nach Mohammeds Tod entstand, ist zum größten Teil verloren gegangen und nur noch in Auszügen in den Werken späterer Schriftsteller enthalten, so etwa im Geschichtswerk von Ibn Yazid at-Tabaris aus der Zeit um 915.
Fahrlässig, wenn nicht gar manipulativ, ist Ansarys Einordnung oder Bewertung der Hadithen als historische Quelle. Er möchte uns glauben machen, diese seien unmittelbar nach dem Tod Mohammeds zusammengetragen und ihre jeweilige Herkunft und Überlieferungsgeschichte genauestens überprüft worden - Ansary spricht in diesem Zusammenhang sogar von der "hochentwickelten Disziplin der kritischen Geschichtsschreibung" und führt als Gewährsmann den Gelehrten al-Buchari an, von dem die berühmteste der Hadithen-Sammlungen stammt. Dieser habe zur Überprüfung eines Hadith persönlich Kontakt mit dem dritten Mann der Überlieferungskette nach Mohammed aufgenommen. Al-Buchari wurde erst im Jahr 810 geboren, konnte also frühestens 200 Jahre nach Mohammeds Tod mit dem Sammeln der Hadithe beginnen. Es ist schlicht unmöglich, dass er mit dem dritten Mann der Kette Kontakt aufgenommen hat, außer er konnte mit Toten reden. Was Ansary hier betreibt, hat mit kritischer Geschichtsschreibung nichts zu tun.
Leider ist auch der Rest des Buches am ehesten als Verherrlichungsgeschichte des Islam zu bezeichnen. Bei der Erzählung der arabischen Eroberungen bekommt man den Eindruck, die arabischen Heere wären mit Blumen und schönen Worten ausgezogen und nicht mit Schwertern und Lanzen. Die "ungläubigen" Herrscher, so Ansary, besteuerten ihre Untertanen, "bis ihre Schatzkammern überliefen; dann traten die Muslime auf den Plan, verjagten die Herrscher, befreiten die Untertanen von ihrer Gier und nahmen die Schätze mit. Die befreiten Völker freuten sich und die Muslime wurden reich: Alle profitierten, mit Ausnahme der vertriebenen Herrscher." (S.90)
Zeitgenössische Chroniken beider Seiten, der Eroberten wie der Eroberer, zeigen ein anderes Bild: Gewaltsame Eroberungen, Massaker, Versklavungen und die Verheerung einst blühender Landschaften, kurz, die übliche Vorgehensweise kriegführender Parteien jener Zeit. Kritik am Vorgehen islamischer Eroberer leuchtet bei Ansary nur auf, wo es gilt, die islamische Uneinigkeit zu bemängeln, durch die Niederlagen und Rückeroberungen wie etwa jene der Kreuzritter erst möglich wurden. Etwas peinlich mutet der beinahe kindliche Glauben des Verfassers an, die islamischen Eroberungen verkörperten in Mittel und Ziel stets das Gute, wo hingegen jegliche anderen Eroberungen als brutal beschrieben werden. Kreuzfahrer oder Mongolen eroberten blutig, metzelten Einwohner hin, vergewaltigten und versklavten Frauen und Kinder, ja selbst das Horrormärchen der kannibalistischen Kreuzfahrer ist Ansary nicht zu peinlich. Als Historiker sollte ihm bekannt sein, dass es sich um psychologische Kriegsführung gehandelt hat, als Fürst Bohemund seinen Männern befahl, erschlagene Türken über dem Feuer zu braten, als würden sie eine Mahlzeit vorbereiten, damit diese Schreckenstat als Gerücht im feindlichen Lager umgeht. (Nach dem Bericht des Wilhelm von Tyrus, in: Pernoud, Régine (Hg.), Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten, Düsseldorf 1977, S. 77)
Selbst historisch verbürgte blutige Eroberungen und nachfolgende Massaker der islamischen Heere werden ausgespart, von Sklaverei ist an keiner Stelle zu lesen. Im Gegenteil, Ansary behauptet, das südlich der Sahara gelegene Afrika spiele für die Geschichte der "Welt der Mitte" keine Rolle und begründet damit, ihm keine Beachtung schenken zu müssen. Die Millionen Menschen, die im Laufe von 1300 Jahren aus diesem Gebiet als Sklaven in die islamische Welt verbracht wurden, werden schlicht unterschlagen. Die islamischen Reiche werden als Hort der Toleranz beschrieben, insbesondere Cordoba und Istanbul - auf die diskriminierenden Bestimmungen, denen Christen und Juden unterworfen waren, geht der Autor ebenso wenig ein, wie darauf, dass der Einzelne im Staat gegenüber dem Sultan keinerlei Rechte besaß, dass wir es bei all den beschriebenen islamischen Reichen mit Despotien zu tun haben.
Einzig die historische Einordnung der Kreuzzüge ist dem Verfasser gelungen, zeigt er doch, dass die Kreuzzüge zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr oder Katastrophe für den Islam waren und ihre Bedeutung kaum über das verhältnismäßig kleine betroffene Gebiet hinausging, im Gegensatz zu den Mongolen, die mit ihren mächtigen Heeren die Existenz des Islam an sich bedrohten.
Nun handelt es sich bei dem Autor des Buches nicht um einen Schriftsteller, sondern um einen Historiker. Solcherart Märchenstunde und Hofberichterstattung sollte in der modernen Geschichtswissenschaft nichts zu suchen haben. Wie gesagt, die Idee war gut, aber die Ausführung ist leider mehr als mangelhaft.
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Die unbekannte Macht: Der Armageddon Zyklus, Bd. 1 von Peter F. Hamilton

Taschenbuch von Bastei Lübbe GmbH & Co.KG (Bastei Verlag)
Preis bei Amazon: EUR 9,99, Angebote ab EUR 1,17

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3404232216, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 1
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Der Engländer Peter F. Hamilton hat sich mit der Night's-Dawn-Trilogie (Die Tage der Apokalypse 1. Die unbekannte Macht, Die Tage der Apokalypse 2. Fehlfunktion, The Neutronium Alchemist: Conflict, The Neutronium Alchemist: Consolidation und demnächst The Naked God aufgemacht, eine Spitzenposition in der internationalen Science-fiction zu erobern.
Nach seinen drei Romanen um Greg Mandel, einem Psi-Spezialisten, der in einem post-sozialistischen England im 21. Jahrhundert als Privatdetektiv agiert (Die Spinne im Netz, Das Mord-Paradigma und Die Nano-Blume) hat er sich nun die Milchstraße als Schauplatz ausgesucht. Und der Weltraum ist bei Hamilton angefüllt mit fremden Welten, unterschiedlichsten Kulturen und faszinierenden Charakteren. Nano- und Biotechnologie sind im alltäglichen Einsatz, und die Menschheit selbst beginnt sich zu verändern.
Im 26. Jahrhundert brechen noch immer Menschenmassen von der übervölkerten Erde auf, um fremde Welten zu besiedeln. Auch der Planet Lalonde wird wöchentlich von Transportern angeflogen, die voller tatenhungriger Menschen sind, die froh sind, den Mammutstädten und der Umweltzerstörung auf der Erde entflohen zu sein. Dort, mitten im Dschungel, versuchen sie mit harter, ehrlicher Arbeit und Schweiß sich ein Paradies zu schaffen -- doch der Teufel ist nicht weit und seine Zeit scheint gekommen zu sein.
Beim Lesen von Die Tage der Apokalypse 1. Die unbekannte Macht fällt gleich zu Beginn positiv auf, daß sich Peter F. Hamilton tatsächlich sehr gut überlegt hat, wie er seine Geschichte erzählen will und wie sie im dritten Band enden soll. Ähnlich Dan Simmons' Hyperion treffen wir schon zu Beginn eine ganze Reihe von Charakteren, und es werden zahlreiche Erzählstränge unabhängig voneinander aufgebaut. So begegnen wir u.a. dem jungen, charismatischen Draufgänger Joshua Calvert, riesigen biotechnologischen Raumstationen, erleben die Geburt eines lebenden Raumschiffs und ihrer Kapitänin und werden mit dem Rätsel einer untergegangenen außerirdischen Rasse konfrontiert. Selten wurde eine Space Opera so intelligent, konsistent und spannend erzählt! Hamilton gehört mit diesem Werk ohne Zweifel zu den wichtigsten SF-Autoren der 90er Jahre.
Die Gefahr, die von den seltsamen Begebenheiten auf Lalonde ausgeht, läßt sich am Ende des Buchs nur erahnen, aber da dies nur der erste Teil des Romans ist, sollte man am besten direkt im Anschluß Teil 2 Fehlfunktion lesen. --Florian Breitsameter
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4 Kundenrezensionen:

Einfach genial
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Vielleicht mag man den ersten Teil nicht, wenn man die 5 (fünf!!) Folgebände nicht gelesen hat. Sollte man sich aber darauf einlassen, diese zu lesen, bekommt man ein Space Opera Gesamtkunstwerk, was seines Gleichen sucht. Lassen Sie sich in eine atembraubende Galaxie entführen!!
Bester Lesestoff
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Es ist kein literarisches Highlight, aber Lesestoff, von dem ich nicht mehr loskam. Der beste erste Absatz, der ein mitten ins Geschehen katapultiert. Extrem kurzweilig mit Entzugsgefahr, wenn der nächste Teil nicht rechtzeitig auf dem Tisch liegt.
Gute Unterhaltung
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Der Armageddon-Zyklus bietet gute Unterhaltung. Über das Niveau lässt sich streiten. Es kommt darauf an, welche Erwartungen man hat.
Besonders im ersten Band hat mich gestört, dass Joshua ständig mit irgendwelchen Frauen ins Bett gehüpft ist. Nichts gegen erotische Elemente in SF-Romanen, doch das war übertrieben dargestellt. Als warteten sämtliche Frauen der Galaxis nur auf ihn. Zum Glück lässt das in den Nachfolgebänden nach.
Hier handelt es sich um keine klassische Science Fiction, sondern eine Mischung aus SciFi und Horror, da die Seelen der Toten zurückkehren und in die Körper der Lebenden schlüpfen können. Auf diese Weise gelingt es ihnen, immer mehr Planeten zu besetzen und eine Bedrohung für die restlichen normalen Menschen zu werden.
Gleichzeitig wird ein Relikt gefunden mit einer alten Technologie und Botschaften, die es zu entschlüsseln gilt. Teilweise kommt das ganze etwas langatmig daher, ist jedoch dennoch flüssig zu lesen. Die Spannung wird kontinuierlich gesteigert und die Situation immer dramatischer. Die ganze Zeit denkt man: Diese Probleme kann der Autor am Schluß gar nicht mehr lösen.
Konnte er auch nicht. Daher gibt es eine "Deus ex Machina"-Lösung, die selbst für mich als Fantasy-Leser zu abgehoben war. Das war das, was mich hauptsächlich am ganzen Zyklus gestört hat.
Trotzdem ist das Werk sehr lesenswert und unterhaltsam.
Aller Anfang ist schwer...
3 Punkte 3 von 5 Punkten
...und dieser Anfang dauert halt leider 800 Seiten. Durch die muss man irgendwie durch. Erst am Ende wird das Buch richtig spannend, gerade genug, dass ich es nochmal riskiert habe mir noch das zweite zu kaufen (beide sind im Orginal in einem Band).

Ich habe es nicht bereut! Der Zyklus als ganzes ist mit das beste, was ich je gelesen habe; konnte die Bände praktisch gar nicht mehr aus der Hand legen. Nur der Anfang, der ist eine echte Geduldsprobe.
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Brief einer Unbekannten von Stefan Zweig

Audio CD von Hörbuch Hamburg
Preis bei Amazon: EUR 19,95, Angebote ab EUR 16,41

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3899036123, Erscheinungsdatum: März 2009
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4 Kundenrezensionen:

Einfach toll!!!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Zweig bringt es auch diesmal auf den Punkt. So schnell habe ich selten ein Buch verschlungen und selten war ich so gerührt. Wie gekonnt Zweig innere Vorgänge beschreiben kann, eine tolle Sprache, kein Wort zu viel oder zu wenig. Auch wenn ich die Gefühle der Unbekannten zu Anfang fast als manisch empfand wurde ihr Verhalten im Verlauf der Geschichte doch völlig verständlich. Mich hat die Novelle sehr ergriffen und das Buch zählt seitdem zu einem meiner absoluten Libelingsbücher.
Zu meiner Schande (Achtung Vorurteile, Herr Ustinov!) muss ich gestehen, dass ich verwundert war, dass ein Mann so ein Buch schreiben kann. Asche auf mein Haupt!
Es war mein Schicksal im Leben, es sei es auch in meinem Tod.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Nur dieses eine Mal musste ich sprechen zu dir dann gehe ich wieder stumm in mein Dunkel zurück, wie ich immer
stumm neben dir gewesen."....Zeilen die berühren,erschüttern und einen aufmerksam lesen lassen.
Brief einer unbekannten? Ein Briefroman in dessen eine Frau sich zu Wort meldet, und eine Lebensgeschichte preisgibt die ganz und gar der Liebe zu einen Mann gewidmet ist.
Absolut lesenswert....man legt das Buch beiseite und begibt sich auf eine Gedankenreise, zwischen diesen zwei Figuren und der eigenen Auffassung der Liebe.
Gibt es sowas? Die Meinungen gehen da auseinander und ich denke, man vermag nicht zu urteilen, wozu Liebe fähig ist.
Ich glaubte die Zärtlichkeit gelte nur mir, nur mir allein..."( Stefan Zweig : Brief einer Unbekannten),
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der bekannte Romanschriftsteller R., ein offensichtlich sehr attraktiver Mann, erhält einen Brief von einer Unbekannten, die ihm auf diese Weise mitteilt, dass sie einen gemeinsamen Sohn hatten, der wenige Stunden bevor die Schreiberin die Zeilen verfasste, verstorben ist.
Die namenlose Schreiberin sieht aufgrund des Todes ihres Kindes keinen Sinn mehr im Leben und plant ihren Selbstmord. Zuvor allerdings möchte sie R., den sie seit ihrer Kindheit angeblich liebt, von ihrem gemeinsamen Sohn, hauptsächlich wohl von sich selbst berichten, möchte, dass er sie vor ihrem Tod noch ein wenig kennenlernt, denn offenbar weiß er von der Mutter seines toten Sohnes nichts.
In den Augen der Schreiberin, die von großer Schönheit ist, war R. ein heißer, leichtlebiger, ganz dem Spiel und dem Abenteuer hingegebener Junge, der gleichwohl in seiner Kunst unerbittlich ernst, pflichtbewusst, unendlich belesen und gebildet war.
Als 13 jährige verliebt sie sich - damals in Wien lebend - in den jungen Mann. R wird, ohne es zu wissen, ihr Backfischschwarm. Er wohnt im selben Haus wie die Schreiberin und ihre Mutter.
Um für den schönen Schriftsteller interessant zu sein, beginnt das Mädchen zu lesen und verschlingt in den kommenden Jahren eine halbe Bibliothek. Die Verliebte steigert sich immer mehr in ihre Schwärmerei, obgleich sie mittlerweile gemeinsam mit der Mutter Wien verlassen hat. Sie kann R. nicht vergessen.
Als junge Frau begegnet sie dem Schriftsteller erneut und lässt sich von ihm bereitwillig deflorieren. Drei Tage dauert die Affäre an, dann geht er auf Lesereise und vergisst sie. Die hübsche Frau ist für ihn eine unter vielen. Sie wird schwanger, hält die Schwangerschaft vor ihm geheim und entschließt sich, nachdem sie Mutter eines Sohnes geworden ist, die Geliebte wohlhabender Männer zu werden, um auf diese Weise ihrem Sohn ein gutes Leben zu ermöglichen.
So lebt sie 10 Jahre lang bis R. ihr abermals begegnet, sie erneut begehrt, ohne in ihr allerdings die einstige Geliebte zu erkennen. Wiederum schläft er mit ihr bei. Diesmal bezahlt er sie wie eine Hure. Für eine solche hält er sie nämlich.....

Die Geschichte ist packend erzählt, aber ist sie auch glaubhaft? Ist es möglich, dass eine gebildete, schöne Frau über Jahrzehnte unsterblich in einen Mann verliebt sein kann, der ihre Liebe nicht erwidert?
Ist es möglich, dass eine solche Frau diesem Mann, der sich für sie, wenn überhaupt nur kurzfristig sexuell interessiert, ihre Zukunft opfert?
Ist es möglich, dass eine schöne, gebildete Frau sich dauerhaft so demütigt, wie die in der Novelle beschriebene?
Wie soll man die hier dargestellte, einseitige Fixierung benennen? Ist das Liebe?
Ist es möglich, dass ein Mann, der drei Tage mit einer sehr schönen, noch dazu liebevollen Frau im Bett verbringt sich an diese nach 10 Jahren absolut nicht mehr erinnern kann?
Ich möchte an dieser Stelle die Fragen nicht beantworten. Sondern hoffe, dass man diese in den Kommentarzeilen gemeinsam erörtern wird.

Empfehlenswert.
Mit einem einzigen Brief kann man keine Meisternovelle erschaffen? - Man kann!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Der "Brief einer Unbekannten" erschien erstmals 1922 in der Sammlung "Amok. Novellen einer Leidenschaft". Und wahrlich, mit Leidenschaften kannte sich Stefan Zweig bestens aus. Er besaß sie nicht nur, er beobachtete sie, formte sie in seinem Innern und bannte sie wie wohl kein Zweiter in stilistisch feinster Manier auf Papier.

Leidenschaften reißen mit, aber sie bergen auch den Kontrollverlust in sich. Der Mensch läuft Gefahr, seiner Leidenschaft dergestalt ausgeliefert zu sein, dass sie sein Leben willkürlich lenkt.
Und eine solche Form der Leidenschaft entblättert sich in dieser Novelle vor dem Leser eines Briefes. Er, ein berühmter, oberflächlicher und durchaus libidinöser Schriftsteller, liest die Zeilen einer Verehrerin. Dabei tritt nicht nur die hingebungsvolle Passion einer jungen Frau, sondern auch das damit im Zusammenhang stehende menschliche Versagen zutage.

"(...) Was war mir Freundschaft, was meine Existenz gegen die Ungeduld, wieder einmal Deine Lippen zu fühlen, dein Wort weich gegen mich gesprochen zu hören. So habe ich Dich geliebt, nun kann ich es dir sagen, da alles vorbei ist und vergangen. Und ich glaube, riefest Du mich von meinem Sterbebette, so käme mir plötzlich die Kraft, aufzustehen und mit Dir zu gehen."

Diese Form der leidenschaftlichen Liebe, die in ihrer Absolutheit und Unbedingtheit, wie sie die Protagonistin vorträgt, etwa an die zwischen Catherine und Heathcliff in Emily Brontes "Stürmhöhe" erinnert, trägt nur ein Manko: Sie blieb einseitig.
"Dir, der du mich nie gekannt" lautet die Überschrift des Briefs. Und in der Tat muss der Leser des Briefes - wie auch der Leser der Novelle - am Ende eine zweite Form falscher Leidenschaftlichkeit erkennen: oberflächliche.

Fazit: Die Form der Psychologisierung, die Zweig seinen Novellen einzuhauchen wusste, fesselt den Leser auch heute noch. Sein Stil, fließende und kunstvolle Satzgebilde, ist überragend. Die im Brief angelegte stufenweise Entblößung stellt einen kleinen Kunstgriff dar, eingeklammert mit den Reaktionen des Schriftstellers vor und nach dem Öfnnen des Briefes. Ohne Zweifel reiht sich "Brief einer Unbekanntem" nahtlos in die großen Novellenschöpfungen Zweigs ein.
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Produkt-Bild: Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere

Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere von Frank Schätzing

Gebundene Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 1,99

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3462036904, Erscheinungsdatum: März 2006, Auflage: 1., Aufl.
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Frank Schätzing? Das ist doch der von Der Schwarm werden einige sagen. Andere erinnern sich an seine Krimis. Nun hat der gefeierte Bestsellerautor wieder einmal das Genre gewechselt und ein Sachbuch geschrieben. Er bringt uns Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eines zeigt auch dieses Buch: Schätzing, Autor aus Leidenschaft, bleibt neugierig.
Diese Neugierde steckt an, und man folgt dem Autor gerne, wenn es diesmal heißt, den Blick unter die Meeresoberfläche zu richten und eine Zeitreise bis zu den Anfängen unserer Welt zu machen. Meere bedecken den größten Teil der Erdoberfläche -- unser Wissen darüber ist allerdings noch immer sehr spärlich. So leger die Sprache von Schätzing daherkommt ("Flott vergingen neun Milliarden Jahre."), so sehr hat er sich doch bemüht, alle Behauptungen wissenschaftlich zu fundieren.
Schätzing schlüpft in diesem Buch in die Rolle eines Kapitän Nemo. Bevor es allerdings auf große Tauchfahrt geht, unternehmen wir mal eben noch eine kurzweilige Zeitreise durch die Evolution. Fans von Der Schwarm können mit Nachrichten aus einem unbekannten Universum ihr Wissen vertiefen. Und all die, die noch nichts von Frank Schätzing gelesen haben, lernen einen Autor kennen, bei dem man nicht so genau weiß, was als Nächstes kommt. Vielleicht eine Oper? Schließlich komponiert der Tausendsassa Schätzing ja auch und vertont seine Bücher. Auch hierauf dürfen wir gespannt sein. -- Mathias Voigt, Literaturtest

Amazon.de Hörbuch-Rezension


Für seinen Bestseller Der Schwarm hat Frank Schätzing derart fleißig recherchiert, dass ihm so viel Stoff übrig blieb, um daraus ein voluminöses Sachbuch über eine Zeitreise durch die Meere zu machen -- von der Entstehung der Ozeane, über die Entwicklung des Lebens aus dem Wasser bis hin zur ökologischen Zukunft der Meere. Ein Buch für alle, die von seinem maritimen Ökothriller neugierig gemacht wurden, oder jene, die bisher einen großen Bogen um jedes naturwissenschaftliche Sachbuch gemacht haben. Gleich im Vorwort beruhigt der Autor: "Dies ist kein Lehrbuch. Kein Manifest. Es trägt keine Botschaften vor sich her. Es ist ein Thriller. Nachrichten aus einem unbekannten Universum will eigentlich nur eines: unterhalten und Lust machen auf mehr."
Das mit der Unterhaltung steht auch beim Hörbuch ganz im Vordergrund, die Reise zu den geheimnisvollen Tiefen der Ozeane ist akustisch noch beeindruckender. Das liegt vor allem an der Vortragskunst Frank Schätzings. Als gelernter Kommunikationswissenschaftler weiß er auch seine angenehme Stimme effektvoll einzusetzen, auch wenn seine Sprache manchmal arg flapsig ist und er keinem Gag aus dem Weg geht ("Gruppen junger, erfolgreicher Cyanobakterien, trendy und angesagt, zogen durch die Flachgewässer, feierten Vermehrungsparties im Sonnenlicht und schmissen mit Sauerstoff nur so um sich."). Und dann ist da auch noch dieser Soundtrack, vom Autor selbst komponierte und eingespielte Musik, die den Thrillercharakter dieses Unterwasserabenteuers noch verstärkt, auch wenn sie vielleicht nicht dem Geschmack eines jeden Hörers entsprechen wird.
Was auch nicht jedem gefallen wird: Von den über 40 Kapiteln des Buches haben es nur 9 auf das Hörbuch geschafft. Da hätten es schon gerne ein oder zwei CDs mehr sein können. Die ausgewählten Kapitel können zwar für sich stehen, aber die Zeitreise wirkt dadurch etwas sprunghaft und besagte "Lust auf mehr" bleibt bei dieser stark gekürzten Fassung unbefriedigt. --Christian Stahl
Spieldauer: ca. 135 Minuten, 2 CDs, gekürzte Lesefassung
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4 Kundenrezensionen:

Chapeau für diesen literarischen Stern am Himmel des Infotainment, Herr Schätzing!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Man kann sich das Leben aber auch unnötig schwer machen - so des Lesers erster Eindruck beim Einstieg in das Vorwort der "Nachrichten aus einem unbekannten Universum". Nicht dass der Autor Frank Schätzing etwa einem höchst akademischen Schreibstil frönen würde - mitnichten! - doch gesteht er hier frei heraus, dass die Würfel für dieses Werk beim netten Plausch unter Freunden fielen, um genauer zu sein: Eines dieser Versprechen, die man "nur morgens um vier in einer Bar geben kann." Arbeitsreiche Monate für den Autor und schmökervolle Stunden für den Leser später wissen wir: Es hat sich mehr als gelohnt! "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" ist eine bunte Reise durch die nasse Geschichte unserer Erde, lehrreich, ohne jedoch dabei belehrend zu wirken.

Eingeteilt in drei Großkapitel, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des nassen Elementes und seiner Bewohner beleuchten, nimmt uns Frank Schätzing an der Hand und führt uns an Orte, die in ihrer Exotik und ihrer Kuriosität geradewegs einem Jules Verne Roman zu entspringen scheinen - mit dem kleinen Unterschied, dass diese real sind, oder es zumindest bis vor einigen Millionen Jahren waren. Von den ersten Reptilien, die die Weltmeere in grauer Vorzeit bewohnten, bis zu den gejagten Jägern der Ozeane, den bei unseren asiatischen Freunden als Suppen-Ingredienzien geschätzten Haien, zieht sich der rote Faden durch die "Nachrichten aus einem unbekannten Universum". Frank Schätzing geht in den verschieden Kapiteln ebenso auf Flora und Fauna ein, wie er auch chemisch-reaktionäres und den biologischen Unterbau anschaulich und mit Blick auf die weniger naturwissenschaftlich Bewanderten unter uns erläutert.

Überhaupt der Autor: Einfach toll, wie es Frank Schätzing gelingt, selbst komplizierte Zusammenhänge gekonnt zu vermitteln. Da staunt dann auch der Laie und der Fachmann, nun ja, der wundert sich bekanntlich auch gerne mal. So wartet Frank Schätzing mit ganz eigenen Thesen zum Geschlechtsverkehr auf ("...schweißtreibend, frustrierend, mitunter brutal, man investiert teure Abendessen...!") leitet dann aber - dies ist schließlich kein Schmuddelroman - gekonnt zum biologischen Alibi für die vielleicht schönste Nebensache der Welt über: Sex als Möglichkeit zur Diversifizierung von Erbmaterialien und damit als Mittel zu einer optimalen Ausnutzung des Lebensraumes. Dieses kleine Beispiel aus der Entwicklung des Lebens vom Ein- zum Vielzeller ist eines von unzähligen, mit denen "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" aufwartet, und die den Reiz dieses Buches ausmachen: Viele Informationen überaus kurzweilig für den Leser aufbereitet, ergänzt durch einen umfangreichen Anhang bestehend aus Glossar und Zeittafel für alle, die es ganz genau wissen wollen.

"Nachrichten aus einem unbekannten Universum": Chapeau für diesen literarischen Stern am Himmel des Infotainment, Herr Schätzing!
sehr informativ
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein sehr inhaltsreiches Buch zum Thema Leben im Meer.
Frank Schätzing schafft es, "trockenen" Stoff lebhaft und anhand von Beispielen zu vermitteln.
Die ca. 600 Seiten lesen sich verhältnismäßig schnell.
Etwas zu plauderhaft
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Viel ist zu erfahren, in dem Buch. Und es wird auch im allgemeinen gut und für Normalsterbliche verständlich erklärt.
Genauso wie bei seinen Romanen, kommt man gut mit den Buch voran (die 600+ Seiten sollten einen also nicht abschrecken).
Allerdings sind mache Abschnitte zu "plauderhaft", einige Vergleiche zu platt. Und wenn der Autor zu umstrittenen Themen seine eigene Meinung sagt (sei es, dass man diese teilt oder nicht), stösst er weniger zum Nachdenken an, sondern weckt Zweifel.
Ich habe mir vom Buch mehr versprochen, daher nur 3 von 5 Sternen.
Unangenehmer Schreibstil
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Schuster bleib bei deinen Leisten .... und Sie, Herr Schätzing bei Ihren Romanen. Ihr Ausflug in die populärwissenschaftliche Literatur ging mächtig in die Hose!

Ich glaubte den Lobpreisungen, die diesem Werk voran gingen, den angeblich so umfangreichen Recherchen und der Verwertung des wissenschaftlichen "Abfalls" aus dem "Schwarm". Ich freute mich auf die Wissensvermittlung und auf einen für interessierte Laien aufbereiteten Inhalt.

Und was kam? Die "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" waren allenfalls oberflächliche Kurznachrichten. Nur ein Teil der über 500 Seiten befasste sich mit den Meeren, der Großteil mehr oder weniger mit Randgebieten, die, so schien es mir, oft an den Haaren herbei gezogen waren. Es waren durchaus auch interessante, erhellende und überraschende Ausführungen dabei - nur deswegen kaufte ich das Buch nicht, ich wollte über die Meere mehr erfahren.

Nun gut, das ließ sich alles noch verschmerzen, aber das WIE, wie das Wenige vermittelt wurde grenzt an Verarschung. Sind wir Interessierte denn alle Idioten oder Kindergartenkinder? Ist diese dümmliche Flapsigkeit wirklich von Nöten? Nach den ersten paar Seiten grinst man, nach den nächsten wird ein gequältes Lächeln daraus, dann Ärgernis und dann nur noch Frust! Ich war dauernd hin- und hergerissen, das Buch in die Ecke zu feuern oder es doch weiter zu lesen - war ja stellenweise wirklich interessant. Aber ganz zu Ende schaffte ich das Buch doch nicht.

Statt manchen unnötigen, ärgerlichen, seitenfüllenden "Ausschweifungen" wären einige Skizzen, Bilder, evtl. sogar kleinere Tabellen wesentlich erhellender gewesen. Wie heißt es doch: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Aber die Schwarte musste dick werden und ein Bildchen und schon gar ein Tabellchen wären wohl des intellektuellen Touch zu viel gewesen und womöglich dadurch ein paar Leser weniger geworden.

Ich kann das Buch nicht empfehlen.
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Produkt-Bild: Unbekanntes Freiburg: Spaziergänge zu den Geheimnissen einer Stadt

Unbekanntes Freiburg: Spaziergänge zu den Geheimnissen einer Stadt von Astrid Fritz, Bernhard Thill

Gebundene Ausgabe von Rombach
Preis bei Amazon: EUR 15,30, Angebote ab EUR 10,50

ISBN: 3793008797, Erscheinungsdatum: Mai 2005, Auflage: 4. Auflage.
Zoom ± Produkt-Bild: Unbekanntes Freiburg: Spaziergänge zu den Geheimnissen einer Stadt
Produkt-Bild: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht

Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht von Harald Jahn, Isabella Ackerl

Gebundene Ausgabe von Pichler Verlag, Wien
Preis bei Amazon: EUR 24,95, Angebote ab EUR 18,41

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3854315139, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 1., Erstauflage
Zoom ± Produkt-Bild: Unbekanntes Wien: Verborgene Schönheit. Schimmernde Pracht

2 Kundenrezensionen:

Wien unbekannt - und bekannt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Isabella Hackel ist die Autorin von "Unbekanntes Wien" (Pichler Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt 2010) und Harald A. Jahn der Fotograf von wunderbaren Ansichten Wiens. Ich meine wunderbare und nicht unbekannte Ansichten deshalb, da sowohl die Kapitel als auch die Fotos zwar eine Fülle des unbekannten Wiens mit all den Geheimnissen, aber auch viel Bekanntes beschreiben und zeigen. In XVI Kapiteln wird faszinierenden Schauplätzen textlich und bildlich nachgegangen. In jedem Kapitel werden mehrere unbekannte (und bekannte) Sehenswürdigkeiten vorgestellt. Das I. Kapitel ist dem Thema "Von den Römern in die Neuzeit" gewidmet. Stichwörter dazu sind das Basiliskenhaus ("Der Drache im Hausbrunnen"), der Regensburger Hof ("Nobelabsteige für den Ungarnkönig Matthias Corvinus") oder Schloß Neugebäude in Simmering ("Ein Lustschloß mit Tiergarten"). Das II. Kapitel befaßt sich mit Kirchen und Sakralbauten, wobei u.a. die Elisabethkapelle ("Zur Erinnerung an die Vermählung"), die Wiener Moschee ("Minarette an der Donau") und die Wotruba-Kirche ("Der Bildhauer als Architekt") behandelt werden. Barocker Glanz und Lebensfreude stehen im Mittelpunkt des III. Kapitels u.a. mit den Redoutensälen ("Wie Nestroy in die Hofburg kam") und dem Palais Auersperg ("Das Rosenkavalier-Palais als Widerstandszentrum"). Der Hofpavillon und das Kaiserstöckl in Hietzing werden im IV. Kapitel "Im Dunstkreis von Schönbrunn" behandelt. Dem "Bauboom der Gründerzeit" und den "Prachtbauten der Wiener Ringstraße" sind das V. und das VI. Kapitel gewidmet. Ausführlich werden im VII. Kapitel anhand der Ankeruhr ("Ein Reigen österreichischer Geschichte"), der französischen Botschaft ("Die Legende von den vertauschten Bauplänen"), der Fillgraderstiege ("Europas viertschönste Treppe") und vielen anderen Sehenswürdigkeiten "Juwelen des Jugendstils" dargestellt. Das VIII. Kapitel befaßt sich unter dem Sammeltitel "Das Jahrhundert der Stadterneuerung" u.a mit dem Karl Marx-Hof ("Flaggschiff des Austromarxismus"). Auf "Relikte des Dritten Reichs" wird im IX. Kapitel eingegangen. "Kaffeehäuser mit Tradition" sind das Thema des X. Kapitels (u.a. mit dem Café Central, dem Café Dommayer und dem Café Griensteidl. Insbesonders für Kinder aber auch für Erwachsene dürfte das XI. Kapitel "Freizeitparadiese und Vergnügungsstätten" von Interesse sein (u.a. mit der Freudenau, dem Böhmischen Prater, dem Gänsehäufel, dem Palmenhaus oder dem Botanischen Garten). Das XII. Kapitel geht auf die gestrigen und heutigen Verkehrsmittel, das XIII. Kapitel auf außergewöhnliche Friedhöfe (erwähnt seien hier der Friedhof St. Marx und der Friedhof der Namenlosen) und das XIV. Kapitel auf Museen, die es nicht in jeder Stadt gibt, ein. Unvollständig ist die Behandlung der "Denkmäler mit Geschichte und Geschichten" im XV. Kapitel und undurchsichtig die Struktur des XVI. Kapitels "Hell und dunkel", wo u.a. das Wiener Kanalsystem ("Die Unterwelt des Harry Lime") beschrieben werden. Aber das tut der Qualität des Bandes keinen Abbruch. In einer 2. Auflage kann hier vielleicht etwas ergänzt bzw. klarer strukturiert werden. Alles was beschrieben ist, ist auch ganz hervorragend bebildert. Ja und so erfreut man sich am bekannten Wien und noch mehr am Wien, das einem bislang mehr oder weniger unbekannt war. Allerdings stellt man sich nach dem Lesen der Beiträge und dem Betrachten der Bilder die Frage, ob es nicht noch andere verborgene Schönheiten in Wien gibt.
Wien von seinen ungewohnten Seiten
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Schon die Zacherlfabrik am Einband von UNBEKANNTES WIEN verrät, die Bundeshauptstadt hat an Sehenswürdigkeiten doch mehr zu bieten als bloß Prater, Hofburg, Stephansdom und Schönbrunn. Etwa auch die eben erwähnte Zacherlfabrik, mit ihrem orientalischen Flair. Errichtet vom Insektenschutzmittelproduzenten Johann Zacherl, der noch in der Donaumonarchie mit seinem Zacherin ein Vermögen verdiente.

Doch die Zacherlfabrik ist nicht das einzige so gar nicht mit dem typischen Wien-Bild assoziierte Bauwerk, das in UNBEKANNTES WIEN eine Plattform zur Darstellung gefunden hat. So gibt es etwa mit der Griechengasse auch etwas mediterranes Flair. Ja sogar ein Stück Niederösterreich findet sich in Wien, das Niederösterreichische Landhaus.

Isabella Ackerls und Harald Jahns UNBEKANNTES WIEN ist eine Faszination an sich. Man hat nicht bloß das typische Allerlei an Sehenswürdigkeiten aufgesucht und abgelichtet, sondern wirklich nach dem Besonderen im Wiener Stadtbild gesucht. Und es auch gefunden. Wodurch der daraus hervorgegangene Bildband einem wirklich ungewohnte und unerwartete Seiten der Hauptstadt zeigt.

Fazit:
In aller Kürze, ein Bildband der besonderen Art, die selbst für Österreicher so manche Überraschung birgt und zu einer faszinierenden Stadtrundreise einlädt.
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