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Unser Jahrhundert: Ein Gespräch von Helmut Schmidt, Fritz Stern

Gebundene Ausgabe von C.H. Beck
Preis bei Amazon: EUR 21,95, Angebote ab EUR 15,49

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3406601324, Erscheinungsdatum: Februar 2010, Auflage: 1
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Nicht schon wieder! Gibt es denn außer Helmut Schmidt (oder Richard von Weizsäcker) wirklich niemanden, der kompetent und umfassend über das 20. Jahrhundert Auskunft zu geben vermag? Bei aller Wertschätzung ist der Altkanzler doch nun wirklich im vergangenen Jubeljahr anlässlich seines Neunzigsten mehr als ausführlich zu Wort gekommen. Doch gemach! Schließlich hat da ja noch ein Anderer am Gesprächstisch gesessen. Und was für einer.
Nicht ganz so alt an Jahren zwar, aber was Weisheit und Lebenserfahrung angeht, seinem Gesprächspartner in jeder Hinsicht ebenbürtig. Zudem als Sprössling einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie und als führender US-Historiker sozusagen qua Geburt und Profession Experte für alles, was das zurückliegende Jahrhundert an Leben, Leiden und Lehren bereithielt. Dementsprechend handelt es sich bei dem Gespräch, das hier dokumentiert wird, um alles andere als um den Austausch von Höflichkeiten und das Schwelgen zweier Greise in den Erinnerungen an gute wie schlechte, alte Zeiten. Zwar ist Fritz Stern seinem unverhohlen bewunderten Gegenüber seit über drei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden. Doch die Beziehung der Beiden ist nicht zuletzt aufgrund der geographischen Distanz dann doch nicht so innig, als dass der Eine den Anderen ohnehin in- und auswendig kennt. Davon kann der Leser profitieren. Denn so entspinnt sich eine äußerst lebhafte Diskussion, weit davon entfernt, sich gegenseitig nur mit Stichworten zu bedienen. Hier sitzen sich zwei Persönlichkeiten auf Augenhöhe gegenüber. Gleichermaßen belesen und eloquent, scheuen sie auch nicht davor zurück, dem Anderen Paroli zu bieten oder sogar in die Parade zu fahren ? was sich ja insbesondere in Anbetracht der berühmt berüchtigten Apodiktik Helmut Schmidts in einem echten Disput kaum vermeiden lässt. Geradezu rührend andererseits, wie Fritz Stern in solchen Fällen den Freund behutsam aber bestimmt auf den Boden zurückholt, wenn sich der einmal verstiegen hat: wenn er beispielsweise das Hohelied auf den Keynesianismus des NS-Chefökonomen Hjalmar Schacht anstimmt oder über die genetische Disposition der Deutschen zum Massenmord sinniert.
Insgesamt eine ebenso spannende wie lehrreiche Geschichtsstunde, in der nicht nur die Vergangenheit Revue passiert, sondern auch die Probleme der Gegenwart nicht zu kurz kommen. ? Arnold Abstreiter
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5 Kundenrezensionen:

Ein Gewaltmarsch durch die Geschichte unseres Jahrhunderts
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Die Helmut Schmidt Welle rollt weiter und jedes Apercu des hanseatischen Altkanzlers hat mittlerweile Offenbarungscharakter. Nach Erfolgstiteln wie "Außer Dienst" und den "Zigarettengesprächen" mit Giovanni di Lorenzo sieht sich deshalb auch der Beck Verlag in der unternehmerischen Pflicht, die Galionsfigur der politischen Öffentlichkeit noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Die fühlt sich in den Verlagsräumen als Mitherausgeber einer historischen Reihe ohnehin heimisch. Und so überrascht es kaum, dass sich "Unser Jahrhundert" mittlerweile seit Wochen hartnäckig in den Bestsellerlisten hält. Für dieses Projekt hat sich der beliebteste Kettenraucher und Aufklärer der Republik einen würdigen Gesprächspartner eingeladen. Der renommierte Historiker Fritz Stern wurde 1926 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Breslau geboren und emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten. An der Columbia University avancierte er zur Koryphäe auf dem Gebiet der Neueren Geschichte.
Die Versuchsanordnung ist ebenso einfach wie einträglich: Bewaffnet mit einigen Notizen fanden sich die Freunde im Sommer 2009 in der Schmidtschen Residenz am Brahmsee ein. Es folgte ein dreitägiger Gesprächsmarathon, der auf Anraten der Journalisten Nina Grunenberg aufgezeichnet wurde. Hieraus entstanden knapp dreihundert Seiten mit dem ebenso lakonischen wie ehrgeizigen Titel Unser Jahrhundert.
Mit epikureischer Weitsicht begeben sich die beiden Weltbeobachter auf einen Gewaltmarsch durch die Geschichte, der seinesgleichen sucht. So spannen sie einen Bogen vom Scheitern der Weimarer Republik über die Rolle der USA beim Wiederaufbau Europas bis hin zur deutschen Wiedervereinigung. Ganz nebenbei thematisieren sie unter anderem die Finanzierung des Sozialstaats, erörtern die Dimensionen der Finanzkrise und spekulieren über die Rolle der Deutschen in der EU. Im Vordergrund steht dabei immer das Verhältnis zwischen deutscher und amerikanischer Politik, so etwa beim Vergleich der amerikanischen Verfassung mit dem deutschen Grundgesetz. Die immense Sach- und Personenkenntnis der beiden sind bisweilen so gewaltig, dass sich der schwindelige Lesern gern an seinem Brockhaus festklammern möchte. Von Montesquieu bis Ahmadinedschad, von Alexander dem Großen zu "Wie heißt er noch?"- Guido Westerwelle, hier wird einem jeden sein Platz zugeteilt. Angesichts der aufwendigen Ausstattung des Buches wäre ein Glossar aber wohl nicht zu viel verlangt gewesen.

Sowohl der Pragmatiker Schmidt als auch der Theoretiker Stern machen keinen Hehl daraus, dass ihre Urteile nicht bis ins Letzte begründet sind und dass der Text keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Insofern ist Unser Jahrhundert kein Geschichtsbuch, sondern ein Plädoyer für Geschichtsbewusstsein. Hier debattieren zwei Zeitzeugen, die um Ihre Erfolge und Fehler wissen und auch nicht davor zurückscheuen, mit sich selbst und anderen hart ins Gericht zu gehen. So offenbart Schmidt: "Es gehört zum politischen Handwerk, das man über Lügen hinwegpfuscht." Stern: "Haben Sie das auch getan?" Schmidt: "Natürlich. Nur Professoren haben das nicht nötig."
Entsprechend authentisch und sympathisch wirken die beiden Monumente ihrer Zeit, wenn sie auch vor heiklen Themen nicht die Augen verschließen und ihrerseits nach Antworten ringen. Gab es einen spezifisch deutschen Antisemitismus? Wie war der Holocaust mitten in Europa überhaupt möglich? Diese Fragen bilden den Kern des Gesprächs und führen den Leser tief hinein in die deutsche Geschichte von Preußen nach Weimar, vom Primat des Militärischen bis zum Versailler Vertrag. Der Politiker und der Historiker liefern verschiedenste Erklärungsversuche, geraten in Dissens über die Mitwisserschaft der Deutschen an den nationalsozialistischen Verbrechen und müssen schließlich doch vor der Nichterklärbarkeit kapitulieren. Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse fällt auch auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ein neues Licht. In Abgrenzung zur amtierenden Regierung betont Schmidt, dass Deutschland keine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. Zwar scheut er sich nicht vor ignoranten Anfeindungen, weiß aber um die politische Brisanz und schlägt vor: "Lassen Sie uns das Thema verlassen, Fritz, da kommt nichts Positives mehr raus."
Auch wenn sich hinter dieser und ähnlichen Äußerungen eine gewisse Resignation vermuten ließe wird deutlich, dass man hier keiner Elegie eines Kulturpessimisten lauscht. Aus seinem Geschichtsbewusstsein heraus betont Schmidt geradezu die Neugierde auf die Gegenwart und seine Lust an der Einmischung. Wenn diese hier und da einmal zu plakativ daherkommt, wagt es der Historiker auch schon einmal, der Schmidt-Show Einhalt zu gebieten, was der Qualität des Gesprächs zu Gute kommt.
Zum Untertitel "Ein Gespräch" liest man im Nachwort: "Alles aber was ein lebendiges Gespräch ausmacht, das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte wurde so weit wie möglich beibehalten; das gleiche gilt für den Sprachduktus." Weiterhin heißt es, dass man sich entschlossen habe "[...] die spontane Antwort und das frei gesprochene Wort im Zweifelsfall stehen zu lassen und den Text weder durch gelehrte Nachbesserung noch durch die Regeln der Hochsprache ins Prokrustesbett zu zwängen." Alle Authentizitätsbekundungen sollten allerdings nicht über den artifiziellen Charakter des Gesprächs hinwegtäuschen. Schmidt: "Wir dürfen in unserem Buch nicht Stunden über Henry reden." Stern: "Sie denken doch nicht etwa schon an das Buch?" Schmidt: "Selbstverständlich." Die beiden Gesprächspartner sind sich ihrer Kunst im Dienste des Lesers also durchaus bewusst.
Aus Zutaten von historischen Episoden, politischen Diskursen und lebhaften Anekdoten, garniert mit einer gehörigen Prise Selbstironie mischen die beiden Freunde einen Aperitif, der den historischen Durst keineswegs zu stillen vermag, aber erfrischend lesbar ist und Lust auf mehr macht. Dazu gehört auch, dass sie sich und dem Leser hier und da eine Pause verordnen, um sich in der Kneipe nebenan zu erholen.
Lebensweisheit und gelebte Geschichte
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Drei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen.
Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist.

Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation.
Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen.

Vom "Maulhelden" Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart.
Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen.

Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament.
Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil.

Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist.
Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem "Gewusst haben müssen" der Deutschen der damaligen Zeit.

Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber.
Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird.

Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil.

Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich.
Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten.
Geschichte life
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Geschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden.
Fesselnder Dialog zur Zeitgeschichte
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Dieses Buch soll und kann kein Abriss der Geschichte des 20. Jahrhunderts sein. Es berührt nicht alle wichtigen Aspekte und geht auch nicht immer allzu sehr in die Tiefe, aber selbst wenn ein Thema nur flüchtig gestreift wird, fesselt es doch, wie der Politiker und der Historiker, beide auch auf dem Berufsfeld des jeweils anderen sehr bewandert, einander elegant Bälle zuwerfen.
Stern und Schmidt sind aus politischer Sicht keine Gegenpole, sodass es nicht zu einem erbitterten Schlagabtausch kommt, sondern höchstens um Details gefochten wird - mit dem Florett, sehr charmant, wenngleich vor allem Schmidt gern nachdrücklich auftritt. Immer zeigt sich die Wertschätzung zwischen den Dialogpartnern.
Beide Autoren pflegten über die Jahrzehnte Kontakte zu bedeutenden internationalen Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Kultur und Religion, die nun in den verschiedensten Anekdoten auftreten. Dennoch verlieren Schmidt und Stern nicht den roten Faden, und so entsteht auch keine Langeweile.
Nicht zuletzt, wenn die Rede auf aktuelle Ereignisse kommt, was bei einer Betrachtung des 20. Jahrhunderts unvermeidlich ist - haben die damaligen Entwicklungen doch die Weichen für das jetzige Jahrhundert gestellt -, zeigt sich, dass die Autoren nicht nur in puncto Geschichte, sondern auch in Bezug auf die Tagespolitik bestens informiert sind. Sie nehmen Stellung zu Themen wie dem Türkeibeitritt zur EU und grundsätzlichen Problemen der EU-Erweiterung, zur derzeitigen Finanzkrise und deren Hintergründen und vielen anderen Aspekten.
Man mag ein wenig Schmidt-müde geworden sein angesichts der vielen Veröffentlichungen des Altkanzlers und seines häufigen Auftretens als moralische Instanz, aber dieses Buch weckt Interesse an der Zeitgeschichte und begeistert sicher nicht nur Schmidts politische Gesinnungsgenossen, zumal sich Schmidt keineswegs nur kritisch über frühere Gegner oder ausschließlich lobend über die SPD äußert, sondern abwägt. Und Fritz Stern, der keineswegs rein distanzierte Historiker, bildet einen sympathischen Konterpart. Es kommt bei Meinungsverschiedenheiten nicht immer zum Konsens, aber gerade das gefällt an diesem Buch: Widersprüche werden nicht mit Gewalt aufgelöst.
Die beiden Sprecher vermitteln gut die Atmosphäre, die während des Gesprächs geherrscht haben muss, das gelegentliche eifrige Ins-Wort-Fallen, kurze Denkpausen, Schmidts Ermahnung an Stern, nicht so schnell zu sprechen, spontaner Widerspruch. So wirkt das Gespräch in der Hörbuchfassung besonders lebendig. Der Hörer wird auch den erwähnten Auszug aus dem originalen Mitschnitt zu schätzen wissen.
Sehr empfehlenswerte, auch von der Aufmachung her attraktive "Audio-Lektüre" für politisch und zeitgeschichtlich Interessierte jeden Alters!
Infotainment, das bildet!
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Das Konzept dieses Buches geht auf. Der Historiker und der Politiker werfen sich gegenseitig die Bälle zu und lassen den Leser an der untrennbaren Verquickung von Geschichte und Politik - mit dem Fokus 1945 bis heute - teilhaben. Unaufdringlich, in klarer Sprache, ohne syntaktische Verrenkungen; zum Teil auch etwas (zu) speziell, wenn privat-geschäftliche Bindungen ausgelotet werden, immer jedoch mit klarer Stellungnahme, interessanten Fragen und präzisen Konklusionen. Und nicht zuletzt: geistreichen Bonmots.

Das Werk ersetzt kein Geschichtsbuch. Fragen werden behandelt - ohne dass die der Frage zugrunde liegenden (vorgelagerten) Ereignisse rekapituliert werden. Der Leser sollte also in Politik und Geschichte einigermaßen firm sein und Zusammenhänge der Weltgeschichte kennen.

Wundern darf sich der Leser trotzdem. Wie die beiden Gesprächspartner, die keine Erklärung für Hitlers Kriegserklärung an die USA finden. "Unverständlich!" - "Absolut".

Heikle Fragen, wie die Politik Israels (auch Antisemitismus in Deutschland und Europa vor den beiden Weltkriegen) und die Reaktionen darauf von amerikanischer und deutscher Seite, werden erörtert. Ob Deutschland eine "besondere" Verantwortung gegenüber Polen hat. Wie der bedeutende Historiker Tocqueville prophetisch voraussah, dass es zu einem Zweikampf der Ideologien/Großmächte zwischen Amerika und Russland kommen würde. Was die beiden Bushs unterscheidet.

Jedenfalls viel Stoff zum Nach- und Überdenken. Auch zum Staunen, weil man die eine oder andere Aussage/Situation/Reaktion so klar bisher noch nicht gesehen hat.
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Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt von Helmut Schmidt, Giovanni DiLorenzo

Gebundene Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch Verlag
Preis bei Amazon: EUR 16,95, Angebote ab EUR 6,64

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3462040650, Erscheinungsdatum: Februar 2009, Auflage: 1
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5 Kundenrezensionen:

Egal ob jung oder alt...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
...Helmut Schmidt hat etwas geschafft, dass nur wenigen gelang; er spricht nicht nur aus was unzählige Menschen denken, sondern er tut das generationenübergreifend. Ein Politiker wie man ihn heute vergebens sucht gibt Einblicke in unterschiedlichste Bereiche seines Lebens. Das faszinierende bei diesem angenehm vertraut geführten Interview sind vor allem die Dinge die dem Leser zwischen den Zeilen mitgegeben werden. Ein Buch von dem man sich wünscht, dass es eine Fortsetzung gäbe, auch wenn dies kaum zu erwarten ist. Schon aus diesem Grund: zugreifen!
Helmut Schmidt - eine große deutsche Persönlichkeit
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Helmut Schmidt hatte mich schon immer fasziniert. Wenn er Interviews im Fernsehen gab, konnte ich nie umschalten. Er zog einen mit seiner Art einfach in den Bann. Dementsprechend musste ich mir auch dieses Buch kaufen.

"Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt" ist eine Sammlung von Interviews , die hauptsächlich Giovanni di Lorenzo für die "Zeit" machte. Abgehandelt werden dabei so gut wie alle Themenbereiche. Ob nun Privatleben oder Politik. Die Fragen beantwortet Herr Schmidt wie immer in seiner ruhigen hanseatischen Art, meist kurz und prägnant.

Allerdings hätte man sich manchmal einiges ausführlicher gewünscht. Aber manche Bereiche sind halt einfach zu komplex.
Vielleicht sollte man sich dann noch andere Bücher von Helmut Schmidt kaufen um mehr zu erfahren. Gibt ja auch einige.

Wer etwas über einen der größten deutschen Politiker unserer Zeit erfahren möchte, sollte hier auf jedenfall zugreifen. Den Typen kann man eigentlich auch nur sympathisch finden.
Sein Allgemeinwissen ist fast schon furchterregend hoch und gerade deshalb ist es auch so interessant ihm zu zuhören.

ein tolles Buch!
Zum Schmökern
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Das Buch ist ideal zum Schmökern zum Beispiel kurz vor dem Einschlafen oder beim Fernsehen, wenn man keine Zeit und Energie hat, etwas längerwieriges oder Anspruchvolles zu lesen. Die kurzen Kapitel sind amüsant und abwechslungsreich. Bei Helmut Schmidt kommt mit zunehmenden Alter das kauzig-knorrige, aber auch das humorvolle hervor.
Helmut Schmidt pur...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe selten ein so amüsantes, kurzweiliges und gleichzeitig hochgradig tiefgründiges Buch lesen dürfen. der Chefredakteur der Zeit, Giovanni di Lorenzo trifft Helmut Schmidt zum tete à tete, dabei wird vom Altkanzler eine Menthol Zigarette geraucht, starker Kaffee getrunken und gleichzeitig Schnupftabak degoustiert. Beste Voraussetzungen für gehaltvolle Kurzgespräche. Helmut Schmidt plaudert dabei aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen, teils lakonisch, teils belehrend und manchmal auch selbstironisch werden Statements zu den relevanten Themen des Lebens abgegeben, dabei reicht das Spektrum von Atomkrieg bis zur individuellen Körperhygiene. Es wird also fast nichts ausgeklammert...Helmut Schmidt strahlt eine Souveränität und Gelassenheit aus, wie so wohl nur wenigen Menschen gegeben ist. Auch wenn Helmut Schmidt letztendlich nicht der bedeutenste Kanzler der Republik gewesen ist, bleibt er doch mit Abstand der intellektuell herausragendste und talentierteste Politiker seiner Epoche. Bei aller Erhabenheit, kommt der Mensch Helmut Schmidt nicht zu kurz, der sich nicht zu Schade gewesen ist, in seinem Leben auch Toiletten repariert zu haben. Wenn das kein Anzeichen von wahrer Größe ist.
Auf eine Zigarette
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch noch nicht alles gelesen aber bis jetzt lese ich es gern. Das Kapitals sind kurz, amüsant and sehr lesbar
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Außer Dienst: Eine Bilanz von Helmut Schmidt

Taschenbuch von Pantheon Verlag
Preis bei Amazon: EUR 14,95, Angebote ab EUR 8,90

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3570551032, Erscheinungsdatum: März 2010, Auflage: 2
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5 Kundenrezensionen:

Ein wunderbares Buch. Ein Muß für jeden, der sich etwas ploitisch interesiert.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich lese dieses Buch mit Genuß. Herr Schmidt hat eine schöne Art und Weise zu erzählen. Es ist informativ, spannend und über haupt nicht aufdringlich.
Konventionelle Antworten
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Dieses Buch ist ein Kommentar zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen von einem konservativen Sozialdemokraten. Die wiederkehrenden Themen des Buchs lauten Militär, Wirtschaft und Religion.

Schmidt erklärt, damals "nichts von den schweren Verbrechen der Nazis gewusst" zu haben (Seite 290) - doch er war Wehrmachtsoffizier an der Ostfront. Schmidt meint, Willy Brandt habe mit dem Kniefall vor dem Warschauer Ghettodenkmal ein pauschales "Bekenntnis zur deutschen Schuld" abgegeben (S. 333). Brandt sah das vermutlich anders, denn er hatte in der Nazizeit sein Leben im Kampf gegen die Nazis riskiert, und besagtes Denkmal ist nicht einer Schuld gewidmet, sondern dem Aufstand.

Um 1980 war Schmidt eine treibende Kraft hinter der Aufrüstung Westdeutschlands mit Atomraketen. Dass er dies sogar gegen Jimmy Carter durchsetzen konnte, erfüllt ihn heute noch "mit Genugtuung" (S. 165). Die Atomrüstung im Kalten Krieg war ein Irrsinn, der leicht zur Katastrophe hätte führen können. Immerhin ist Schmidt heute gegen militärische Abenteuer der Bundeswehr im Ausland (183).

In Sachen Wirtschaft meint Helmut Schmidt, Überalterung und eine zu niedrige Erwerbsquote machten Hartz IV notwendig (228). Er ignoriert die Tatsache, dass im Laufe der Jahrzehnte das Bruttosozialprodukt stärker wächst als die Erwerbsquote sinkt. Menschen in armen Ländern sind auch nicht fleißiger (247), sondern sie müssen fürs gleiche Geld mehr arbeiten, weil ihre Wirtschaft weniger produktiv ist. Die Zukunft der Wirtschaft sind laut Schmidt Dienstleistungen (224). Günter Dueck argumentiert dagegen in seinem Buch AUFBRECHEN!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen für eine Knowhow-Gesellschaft, d.h. die Bildung wäre entscheidend zu verbessern.

Zur Religion. Schmidt glaubt an eine "Seele" (300), aber an keinen richtigen Gott. Zur Klärung solcher Fragen hätte sich Schmidt mit Ludwig Feuerbach, Bertrand Russell oder Richard Dawkins auseinandersetzen können. Der Religionskritik weicht er jedoch aus. In Sachen Islam fordert Schmidt, dem Islam den gleichen Respekt wie den christlichen Religionen entgegen zu bringen (184). Das ist anerkennenswert, doch später meint er, dass Muslime den "inneren Frieden" gefährdeten (236). Das Olympia-Attentat von 1972 nennt er gar "palästinensisch-islamistisch" (169).

Fazit: Das Buch ist flüssig geschrieben und ansprechend gestaltet. Im Gegensatz zu Persönlichkeiten wie Willy Brandt oder Nelson Mandela berücksichtigt Schmidt jedoch keine langfristige gesellschaftliche Perspektive. Deshalb ist das Buch eher tagespolitisch wie eine Zeitung. Für die Fragen des 21. Jahrhunderts hat es wenig zu bieten.
Einer der besten, die wir hatten...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch schon lange auf meiner Wunschliste gehabt. Helmut Schmidt gehört , für mich, seit langem zu den besten Politikern, die wir hatten.

Er erklärt in diesem Buch, wie schwierig es sein kann, in Deutschland zu regieren. Es sind viele Nuancen zu beachten. Es gibt viele Lobbys, viele Strömungen.
Er erklärt viele Zusammenhängen, plaudert teils aus (vergangenen) Nähkästchen.

Herr Schmidt gehört leider zu einer aussterbenden Art von Politikern. Heuer stehen Politiker im Rampenlicht, wo ich mich frage; Warum?

In vielen Themen bin ich natürlich nicht involviert, dafür fehlt mir auch Hintergrundwissen, welches aber meiner Meinung die wenigsten haben.

Herr Schmidt kritisiert zum Teil auch richtig, die Massenmedien, welche mal gerne eine Massenhysterie bewirken, z.B. die Bild, aber auch höherwertige Publikationen wie FAZ, TAZ usw. Natürlich gibt es auch Hinweise auf seine Zeit bei der ZEIT.

Ich finde das Buch sehr interessant, wenn ich es lese, kann ich nicht so schnell aufhören, ich merke, hier ist einer der Ahnung hat. Einer der was im Kopf hat und dabei menschlich geblieben ist.

Positiv für mich, Herr Schmidt räumt eigene Fehler und Versäumnisse ein. Sicher macht jeder Fehler, dadurch hat jeder seinen Lerneffekt. Nur ein Politiker in hoher Position macht nicht nur den Fehler für sich, sondern für Millionen von Menschen.

Sicher kann niemand alle zufrieden stellen, aber hier wird Intellekt geboten.
Selbst wenn man kein SPD Wähler ist, kann sich der Leser hier informieren. Ich gestehe, die eine oder andere These kann der Leser kritisch hinterfragen. Es darf auch gestritten werden. Aber das zeichnet ein gutes Werk aus!

Hut ab vor Herrn Schmidt.
Der Udo Lattek der deutschen Politik hält Hof
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Helmut Schmidts neuestes Buch "Außer Dienst" überzeugt mich nicht. Das mag vor allem daran liegen, dass ich mit einem hohen Anspruch an dieses Buch herangegangen bin, haben mich doch frühere Bücher Schmidts, insbesondere "Menschen und Mächte", sehr begeistert. "Außer Dienst" ist eine 330seitige tour de force quer durch alle aktuellen innen- wie außenpolitischen Problemfelder, angereichert durch historische Rückbezüge und andeutungsweise durchzogen vom roten Faden der Weberschen Verantwortungsethik. In der Breite der behandelten Themen liegt zugleich die Schwäche des Werkes: Nur zu selten verweilt Schmidt länger bei einem Thema, präsentiert scheinbar einleuchtende und verlockend einfache Lösungsvorschläge, gegenläufige Argumentationen blendet er allerdings genauso aus wie die Mühen der politischen Ebene, die einer etwaigen Verwirklichung im Wege stehen könnten. Schnell wird deutlich, dass Schmidt inzwischen weit mehr Publizist denn realer Politiker ist. Kritisiert er selber an einer Stelle des Buches die Professoren, die Lösungsvorschläge vom universitären Katheter herab verkündigen ohne sich um Realisierungsmöglichkeiten zu scheren, erliegt Schmidt in "Außer Dienst" leider allzu häufig genau dieser Verlockung.

Unerfreulicherweise ist das erste von sechs Kapitel sogleich das insgesamte schwächste. Unter dem Obertitel "Erfahrungen verändern Maßstäbe" präsentiert Schmidt ein weitgehend zusammenhangloses Konvolut aus eigenen Erfahrungsschnipseln, eingestreuten politischen Allgemeinplätzen und seltsam uninspirierten Aufzählungen von Personen, von denen er im Laufe seines Lebens gelernt hat. Leider läßt Schmidt nur zu selten den Leser teilhaben, worin die besonderen Erkenntnisse dieser Begegnungen bestanden haben. Am Ende dieses Kapitels stellt sich somit die Frage, ob der Autor sich mittels der Erinnerung an eigene Lebensstationen und -leistungen und dem Vorzeigen eines sehr eindrucksvollen Inventars an Freunden und Bekannten einen Sockel zimmert, von dem herab er dann in den folgenden Kapiteln seine Ansichtungen verkünden möchte.

Auch Kapitel 2 ("Aus der Geschichte lernen") erfüllt nur teilweise die im Titel begründeten Erwartungen: Eine durchaus gelungene Beschreibung des politischen Reifungsprozeß der Bundesrepublik wird gefolgt von einer sehr einseitigen Diskussion des Prozesses der deutschen Einheit. Seine These, dass die Erlangung der deutschen Einheit ein primärer Verdienst der USA und nicht der deutschen Politik sei, scheint nicht unwesentlich von der wenig ummantelten Mißgunst, mit der Schmidt seine politischen Nachfolger betrachtet, geprägt zu sein. Ferner fällt auf, dass Schmidt hart damit zu kämpfen hat, dass die Schaffung des EU Binnenmarktes und die Einführung des Euro weniger seinen eigenen Weichenstellungen als vielmehr der Politik seines Nachfolgern zugute geschrieben wird. Schmidts These, dass vielen Politikern die notwendigen Kenntnisse zur Kultur und Geschichte der Nachbarländer fehlen, wird zwar sehr oberlehrerhaft vorgetragen, ist im Kern aber ohne Zweifel richtig. Dass er sich dazu hinreißen läßt, eine Art Wissenskanon für Berufspolitiker aufzuzählen, bleibt besser unkommentiert, spricht hier doch ein seit 25 Jahren hauptberuflich durch die Welt reisender Wissenssammler.

In Kapitel 3 und 4 kehrt Schmidt von den schnellen Themenwechseln ab, was dem Buch sehr zu gute kommt. Ein interessanter Rückblick auf das Ende seiner Kanzlerschaft enthält bemerkenswerte Ausführungen zu seinem Verhältnis zu Willy Brandt. Die außenpolitischen Betrachtungen in Kapitel 4 sind im typischen Schmidtstil sprachlich prägnant auf den Punkt gebracht, auch wenn man sicherlich nicht mit jeder Schlußfolgerung übereinstimmen muss. Dass Schmidt jeglicher Form deutscher Beteiligung an militärischen UN-Friedensmissionen eine Absage erteilt und darüberhinaus der deutschen Außenpolitik auch die diplomatische Nichteinmischung in wesentliche außenpolitische Konfliktfelder empfielt, dürfte für den ein oder anderen Leser schwer verdaulich sein.

Kapitel 5 ist aus meiner Sicht der Teil des Buches mit der größten Sprengkraft. Ist das Schmidtsche Hohelied auf den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft noch mit Vorsicht zu genießen, folgt eine sozialpolitische Abrechnung deren geforderte Grausamkeiten noch der CDU-Sozialministerin die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Man würde sich wünschen, dass Schmidt mit diesen Ansichten den Hügel der Publizistik verlassen und in den Ebenen seiner Partei Überzeugungsarbeit leisten würde, bewegt sich diese doch im Besitz der neugewonnenen Oppositionsfreiheiten in eine entgegengesetzte Richtung.

In Kapitel 6 setzt sich Schmidt sehr nachdrücklich mit christlichen und ethischen Grundfesten auseinander sowie deren Eignung als politische Wegweiser. Der überzeugte und überzeugende Demokrat Schmidt argumentiert für den politischen Streit und für den politischen Kompromiß als das Wesen der Demokratie.

Insgesamt enthält dieses Buch aus meiner Sicht zu wenige wirklich originelle neue Denkansätze. Schmidt vermag es sich und seine Ansichten jenseits parteipolitischer Vereinnahmungen zu artikulieren. Vieles klingt überzeugend, geradezu ernüchternd einfach. Man versteht gar nicht, warum die so offensichtlichen Lösungsansätze nicht schon längst in die Tat umgesetzt worden sind. Vielleicht liegt genau diese Nichtumsetzung aber auch daran, dass die Welt und insbesondere die Politik nicht annähernd so einfach ist, wie es dem Leser in diesem Buch suggeriert wird. Da haben wir es dann wieder: Schmidt ist in erster Linie Publizist und nicht mehr Tagespolitiker. Insofern ist "Außer Dienst" publizistisch vielleicht gelungen und wird als solches auch erfolgreich sein, politisch bleibt das Buch aber erstaunlich oberflächlich und wird daher keinerlei bleibende Spuren hinterlassen.
7 Hörbuchstunden, die sich lohnen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Helmut Schmidt, früherer Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Mitherausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT, ist einer der elder statesmen mit nach wie vor großer Strahlkraft. Viel wurde über ihn geschrieben, viel von ihm selbst. Stets war es bewundernswert, mit welcher Klarheit und Überzeugungskraft der mittlerweile 90-Jährige seine Gedanken ausgebreitet hat. Gleichzeitig fasziniert auch nach seiner Zeit als aktiver Politiker sein ungebrochenes Interesse an der gegenwärtigen Politik und der Zukunft Deutschlands.

In dem vorliegenden Werk, das der Schauspieler Hanns Zischler in einer gekürzten Fassung so markant wie professionell als Hörbuch eingelesen hat, gibt der Altkanzler nun Einblick in das, was er glaubt, im Laufe der Jahrzehnte politisch gelernt zu haben. Dazu beschreibt Schmidt die umwälzenden historischen Entwicklungen seit dem Ende Kalten Krieges, das besondere Verhältnis der Deutschen zu ihren Nachbarn und all die Lehren und Erfahrungen, die er auf historischem, politischem und wirtschaftlichem Terrain in seinen verschiedenen Ämtern im Laufe seines Lebens gemacht hat. Gleichzeitig lässt er uns aber auch an seinen Kriegserfahrungen teilhaben und scheut sich nicht, über eigene Fehler und Versäumnisse, seine Einstellung zu Religion und Glauben und das Lebensende offen zu sprechen.

Es ist immer wieder lehrreich und bereichernd, den Überlegungen des Bundeskanzlers a.D. zu lauschen. Dies gilt um so mehr, als es Schmidt als gelernter Volkswirt schafft, komplizierte wirtschaftliche Sachverhalte mit einfachen treffenden Worten dazustellen. Beispiel hierfür sind etwa seine Ausführungen über die US-amerikanische Subprime-Problematik, die eine weltweite Bankenkrise auslöste, die bekanntermaßen von den westlichen Staaten nur um den Preis einer überhöhten Staatsverschuldung zumindest vorläufig gemeistert wurde. Schmidt analysiert nicht nur, er gibt auch Anstöße zu neuen Sichtweisen. Sein Buch sollte von jungen Politikern und Politikerinnen gelesen und gehört werden, benennt es doch sehr genau, was jeder angehende Politiker als geistiges Rüstzeug mitbringen sollte.

Fazit: Das aus 6 CDs bestehende, ca. 7 stündige Hörbuch kann nur nachhaltig empfohlen werden. Es beinhaltet die Bilanz eines außergewöhnlichen Lebens und das politische Vermächtnis eines großen Staatsmannes.
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Produkt-Bild: Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt

Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt von Helmut Schmidt, Giovanni DiLorenzo

Broschiert von Kiepenheuer & Witsch
Preis bei Amazon: EUR 8,95

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3462042157, Erscheinungsdatum: August 2010, Auflage: 1., Auflage
Zoom ± Produkt-Bild: Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt

5 Kundenrezensionen:

Egal ob jung oder alt...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
...Helmut Schmidt hat etwas geschafft, dass nur wenigen gelang; er spricht nicht nur aus was unzählige Menschen denken, sondern er tut das generationenübergreifend. Ein Politiker wie man ihn heute vergebens sucht gibt Einblicke in unterschiedlichste Bereiche seines Lebens. Das faszinierende bei diesem angenehm vertraut geführten Interview sind vor allem die Dinge die dem Leser zwischen den Zeilen mitgegeben werden. Ein Buch von dem man sich wünscht, dass es eine Fortsetzung gäbe, auch wenn dies kaum zu erwarten ist. Schon aus diesem Grund: zugreifen!
Helmut Schmidt - eine große deutsche Persönlichkeit
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Helmut Schmidt hatte mich schon immer fasziniert. Wenn er Interviews im Fernsehen gab, konnte ich nie umschalten. Er zog einen mit seiner Art einfach in den Bann. Dementsprechend musste ich mir auch dieses Buch kaufen.

"Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt" ist eine Sammlung von Interviews , die hauptsächlich Giovanni di Lorenzo für die "Zeit" machte. Abgehandelt werden dabei so gut wie alle Themenbereiche. Ob nun Privatleben oder Politik. Die Fragen beantwortet Herr Schmidt wie immer in seiner ruhigen hanseatischen Art, meist kurz und prägnant.

Allerdings hätte man sich manchmal einiges ausführlicher gewünscht. Aber manche Bereiche sind halt einfach zu komplex.
Vielleicht sollte man sich dann noch andere Bücher von Helmut Schmidt kaufen um mehr zu erfahren. Gibt ja auch einige.

Wer etwas über einen der größten deutschen Politiker unserer Zeit erfahren möchte, sollte hier auf jedenfall zugreifen. Den Typen kann man eigentlich auch nur sympathisch finden.
Sein Allgemeinwissen ist fast schon furchterregend hoch und gerade deshalb ist es auch so interessant ihm zu zuhören.

ein tolles Buch!
Zum Schmökern
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Das Buch ist ideal zum Schmökern zum Beispiel kurz vor dem Einschlafen oder beim Fernsehen, wenn man keine Zeit und Energie hat, etwas längerwieriges oder Anspruchvolles zu lesen. Die kurzen Kapitel sind amüsant und abwechslungsreich. Bei Helmut Schmidt kommt mit zunehmenden Alter das kauzig-knorrige, aber auch das humorvolle hervor.
Helmut Schmidt pur...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe selten ein so amüsantes, kurzweiliges und gleichzeitig hochgradig tiefgründiges Buch lesen dürfen. der Chefredakteur der Zeit, Giovanni di Lorenzo trifft Helmut Schmidt zum tete à tete, dabei wird vom Altkanzler eine Menthol Zigarette geraucht, starker Kaffee getrunken und gleichzeitig Schnupftabak degoustiert. Beste Voraussetzungen für gehaltvolle Kurzgespräche. Helmut Schmidt plaudert dabei aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen, teils lakonisch, teils belehrend und manchmal auch selbstironisch werden Statements zu den relevanten Themen des Lebens abgegeben, dabei reicht das Spektrum von Atomkrieg bis zur individuellen Körperhygiene. Es wird also fast nichts ausgeklammert...Helmut Schmidt strahlt eine Souveränität und Gelassenheit aus, wie so wohl nur wenigen Menschen gegeben ist. Auch wenn Helmut Schmidt letztendlich nicht der bedeutenste Kanzler der Republik gewesen ist, bleibt er doch mit Abstand der intellektuell herausragendste und talentierteste Politiker seiner Epoche. Bei aller Erhabenheit, kommt der Mensch Helmut Schmidt nicht zu kurz, der sich nicht zu Schade gewesen ist, in seinem Leben auch Toiletten repariert zu haben. Wenn das kein Anzeichen von wahrer Größe ist.
Auf eine Zigarette
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch noch nicht alles gelesen aber bis jetzt lese ich es gern. Das Kapitals sind kurz, amüsant and sehr lesbar
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Außer Dienst: Eine Bilanz von Helmut Schmidt

Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
Preis bei Amazon: EUR 22,95, Angebote ab EUR 6,49

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3886808637, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 15
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Eine kürzliche Umfrage ergab, dass, wäre der Mann nicht definitiv zu alt, sich 80 Prozent aller Deutschen Helmut Schmidt als idealen Kanzler vorstellen könnten. Wenn dies, 25 Jahre nach dem Rückzug aus allen politischen Ämtern, keine Auszeichnung ist! Der Altkanzler, dessen unglaublicher 90. Geburtstag bevorsteht, rangiert im Bewusstsein der Deutschen immer noch als Staatsmann par excellence. Und eine solch hochrangige Persönlichkeit erlaubt es sich, eine ?außerdienstliche? Bilanzierung seines politischen Erfahrungsschatzes vorzulegen. ?Denn?, so Schmidt verschmitzt bescheiden, ?vielleicht könnte doch einer von den Jüngeren daraus einen Nutzen ziehen.? -- Nichts wäre mehr zu wünschen, Herr Bundeskanzler!
Eines vorab: Es handelt sich hier nicht um die autobiografische Rückblende auf ein politisches Lebens- und Gesamtwerk. Im Gegenteil. Schmidt, der Pragmatiker, möchte seine in aktiver Zeit gewonnenen Erfahrungen angesichts einer völlig veränderten politischen Weltlage zur Verfügung stellen. Immer im Gepäck, die großen philosophischen Fragen: Welchen Leitbildern sollten wir folgen? Was lässt sich aus Geschichte lernen? Im Spiegel gerade dieser Frage reflektiert der Altkanzler über die Unvorstellbarkeit eines Auslandseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan noch zu seinen Zeiten. Gelegenheit für einen historischen Ausflug und die noch immer problematische Stellung Deutschlands im politisch-militärischen Weltgefüge.
Natürlich holt der Wirtschaftsfachmann Schmidt zu einem satten Referat über die Finanzmärkte aus. Beklagt wird die verschlafene ?Modernisierung unseres zerklüfteten Bankensystems?, gewarnt wird vor Spekulantentum und Heuschreckenflügen. Betrauert die große Zeit des von der RAF ermordeten Freundes Herrhausen und seiner Deutschen Bank. Institutionen, so Schmidt, an die sich eine Bundesregierung in ökonomischen Fragen noch vertrauensvoll wenden konnte. Wie anders heute. Der Kanzler wird (in Maßen) privat. Erstaunt vernehmen wir, dass Schmidt die ?Guillaume-Affäre? als Rücktrittsgrund Willy Brandts im Mai 1974 völlig inakzeptabel fand und ihm die eigene künftige Kanzlerschaft große Sorgen bereitete. Risiken und Chancen der Globalisierung. Der ?Sonderfall? der Neuen Bundesländer. Die radikal veränderte Rentensituation, die ebenso radikal veränderte Maßstäbe verlangt. Ein kleiner Seitenhieb auf Lafontaine und seine ?Sekundärtugenden?. Eine Schulung bei den antiken Rhetorikern. Spurensuche nach eigenen Fehlern. In einem der letzten Sätze seiner klugen Reflexion appelliert der Altkanzler mit einer römischen Weisheit an die heutige Politikerkaste: Im Zweifelsfalle sei das Gemeinwohl höherzustellen als die eigene Karriere. Um schließlich witzelnd, aber nicht ohne Wehmut festzustellen: ?Die meisten meiner Weggefährten haben schon endgültig ihre Adresse gewechselt.? - Das können Sie sich aus dem Kopf schlagen, Herr Bundeskanzler. Die Republik braucht Sie noch! ?Ravi Unger
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5 Kundenrezensionen:

Was die Welt zusammenhält
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Zugegeben, mein politischer Freund war Helmut Schmidt in seiner aktiven Zeit als Politiker nicht. Und als Sozialminister würde ich mir auch heute keinen Helmut Schmidt wünschen. Doch als Fachmann für volkswirtschaftliche und geostrategische Fragen ist er eine Koryphäe.

Auch wer bisher möglicherweise dachte, die Zusammenhänge von Ökonomie und Demokratie durchschaut zu haben, wird eines Besseren belehrt: Der diskrete Charme der Demokratie wird in kaum einen anderen Buch so deutlich wie in diesem. Erst jüngst ist ein Horst Köhler an den ungeschriebenen Regeln der Politik im Amt als Bundespräsident verzweifelt und hernach gescheitert - für ihn gilt möglicher- und skurriler Weise die neue Gattungsbezeichnung "politikunfähig".

"Wer von der Geschichte nichts weiß, kann seine Gegenwart nicht verstehen", ist die immer wiederkehrende Hauptmaxime Schmidts Erkenntnis.

Denn das politische Geschäft besteht, wie Helmut Schmidt schreibt, aus einer "öffentlichen und einer veröffentlichen Meinung". Auch über diesen Unterschied schreibt der Kanzler a.D. Dezent plaudert er aus dem Bonner Nähkästchen: "Erich Honecker erregte mehrfach beinahe mein Mitleid."

"Demokratie", schrieb neulich der Journalist Christian Nürnberger im SZ-Magazin, "das ist ja nur ein Verfahren, den Kampf aller gegen alle gewaltfrei und nach Regeln zu organisieren." Treffender kann man das kaum schreiben - auch wenn Autor Schmidt das so nicht formulieren würde. Er sagt es auf seine Weise: "Demokratie ist Menschenwerk" - und damit fehlbar. Schmidt nimmt sich da nicht aus und reflektiert offen über eigenes Versagen.

In seinem Bild von Staat und Gesellschaft spielen vor allem "Netzwerke" (ja, Helmut Schmidt nennt die so) eine Rolle, die einen "ewgen Bund flechten". Die Freiheit von Amt und Aufgabe erlaubt es Schmidt auch, rücksichtslos abweichende Meinungen zu formulieren, wie etwa die: "Die politische Kultur der Demokratie, der Gewaltenteilung und des Rechtsstaates ist nur schwer zu verpflanzen." So weit zu den Bemühungen der USA als Weltpolizei.

Die für mich entscheidendste Erkenntnis dieses Buches ist die dezidierte Meinung Schmidts, dass unser "eigentliches außenpolitisches Feld (..) in Europa (liegt), nicht aber im Kaukasus, im Nahen und Mittleren Osten, nicht in Asien oder Afrika (...) Unser Feld sind unsere Nachbarn in Europa, mit denen wir in gutem Frieden leben wollen." Und: "Der islamische Terrorismus kann mit militärischen Mitteln kaum wirksam beendet werden."

Schon Voltaire ließ im Alter seinen Candide sagen "Il faut cultiver notre jardin." Denn: "(...) wo Menschen eng beieinander leben, ist eine gewisse Ordnung nötig."

Ein hochinteressantes Buch, vielleicht ein epochales Werk, auch wenn man nicht alle Einschätzungen teilen möchte. Doch zum Verständnis der Bundesrepublik Deutschland trägt es bei wie kein anderes. Schmidt ist denn auch wohl einer der letzten großen Politiker, denen das Amt eine vom Volk auf Zeit verliehene Aufgabe war. Ihm nimmt man ab, dass es ihm - bei aller narzisstischen Selbstdarstellung und kritischen Distanz zur christlichen Zusatzformel - mit seinem Amtseid ernst war:

"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
sehr informativ
5 Punkte 5 von 5 Punkten
hallo an alle
dieses buch kann man nur allen empfehlen
gut geschrieben man kann richtig" mitgehen"
es ist auch für absolut jedes alter verständlich,
mit großer u.wachsender begeisterung gelesen.
und auch hier wieder das wohl unvermeidliche lob an amazon(wie davor schon erwähnt)
schon beschrieben)
gruß sabine
Peter Ustinov der Politik
5 Punkte 5 von 5 Punkten
In diesem Buch teilt uns Helmut Schmidt seine Sicht der politischen Bühne der Vergangenheit und Gegenwart mit. Man muss mit seinen Ansichten (z.B. Atompolitik, multikulturelle Gesellschaftsentwicklung) nicht immer konform gehen, der offene und pragmatische Umgang mit sozialen, wirtschaftlichen und weltpolitischen Fragen machen Helmut Schmidt mit seinen Kommentaren auch nach seinem Ausstieg aus der aktiven Politik zu einem wichtigen und wertvollen Teil der Öffentlichkeit. Beeindruckend ist auch die Eigenschaft, eigene Fehler einzugestehen und die Analyse mit interessierten Lesern und Zuhörern zu teilen. Das Buch geht, wie in anderen Rezensionen bereits beschrieben, nicht in die Tiefe, gibt aber einen guten Überblick über viele Fragen, die politisch interessierte Menschen beschäftigen. Für mich ist das Werk ein fundierter Beitrag zur persönlichen Meinungsbildung.
Schmidt at its best...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Die Bilanz eines langen Politikerlebens. Das Buch zeigt, dass bei Helmut Schmidt die grauen Zellen auch mit über 90 noch bestens funktionieren. Lesenswert!
Bilanz und Ausblick
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Vorneweg: Bei Helmut Schmidts neuestem Werk "Außer Dienst" handelt es sich nicht um eine Biografie, sondern eher um lose verknüpfte Erinnerungen mit Betrachtungen der Zukunft. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist "Außer Dient" eines der lesenswertesten politischen Bücher der letzten Jahre.
Dabei ermahnt Schmidt die heutige Politikergeneration zur Moral, wirft einen Blick auf die Mächte der Zukunft USA und China. Vergisst dabei aber nicht die EU. Und immer wieder gelingt dem Altkanzler der kluge Rückblick auf die Vergangenheit und deren Verflechtungen mit den heutigen Herausforderungen.
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Vertiefungen: Neue Beiträge zum Verständnis unserer Welt

Gebundene Ausgabe von Siedler Verlag
Preis bei Amazon: EUR 22,95

ISBN: 3886809676, Erscheinungsdatum: Sept. 2010
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Produkt-Bild: Auf der Suche nach einer öffentlichen Moral: Deutschland vor dem neuen Jahrhundert

Auf der Suche nach einer öffentlichen Moral: Deutschland vor dem neuen Jahrhundert von Helmut Schmidt

Taschenbuch von Goldmann Verlag
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 4,88

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 344215071X, Erscheinungsdatum: April 2000
Zoom ± Produkt-Bild: Auf der Suche nach einer öffentlichen Moral: Deutschland vor dem neuen Jahrhundert

Aus der Amazon.de-Redaktion


Lügen strafft der Altbundeskanzler mit diesem Buch seine Kritiker, die ihm immer wieder unterstellt haben, Moral würde für diesen Technokraten der Macht nur aus der Vergötterung des Pragmatismus bestehen. Die Tiefe der Gedanken zeugt von einem frühen Beginn und einer sehr intensiven Suche nach einer öffentlichen Moral; die Vehemenz des Stils und seine zuweilen sarkastischen Urteile nicht nur gegen politische Gegner sind Ausweis der Unabhängigkeit eines elder statesman, dem schon zu seiner Amtszeit als Bundeskanzler parteipolitischer Opportunismus zuwider war.
Dementsprechend will Helmut Schmidt seine Streitschrift auch an die gesamte politische Klasse gerichtet wissen. Sie gehe nicht mehr voran, zeige keinen Willen zu politischer Führung, "Karrierestreben fördert Anpassung und Konformismus". Statt auf die Rückseite der Bürgerrechtsmedaille, nämlich auf die Pflichten hinzuweisen und diese einzufordern, wird sie selbst zum Beispiel dafür, daß im "öffentlichen Raum die Moral von den Rändern her zerbröselt". Die Folge ist der schleichende Zerfall der Moral insgesamt. Was abhanden komme, so Schmidt, "ist das schlechte Gewissen", die Fähigkeit, in Kategorien von Gerechtigkeit, Solidarität, Verantwortung und Gemeinwohl zu denken und zu handeln. Statt dessen ist es die Ideologie des rücksichtslosen Egoismus, die alle gesellschaftlichen Schichten ergreift.
Wohl gewählt ist der Rekurs auf Max Webers Unterscheidung zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Schmidt greift diese Differenzierung auf und verbindet sie mit dem erleuchtenden Hinweis, daß Verantwortungsethik nicht nur die Konsequenzen des Handelns berücksichtigen muß, sondern schon viel früher ansetze: bei der Formulierung der Zielsetzung.
Die schonungslose Analyse ist zugleich ein kraftvolles Plädoyer für die Reanimation eines moralischen Minimalkonsensus in unserer Gesellschaft und ein Appell zum Mut zur öffentlichen Moral am Ende des 20 Jahrhunderts. --Manfred Schwarzmeier
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5 Kundenrezensionen:

Pflichtlektüre
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich bin als Österreicher (und seiner Partei nicht Nahestehender) auf dieses Buch gestoßen.
Es müsste Pflichtlektüre in den Oberstufen der Schulen werden. Völlig erstaunt stelle ich fest, dass noch Personen leben, die man als Staatsmänner bezeichnen kann.
Was noch dazukommt: Ich lese das Buch mit fast 10 Jahren Verspätung (2008) und stelle seine visionären Fähigkeiten fest.
Also: Das Buch ist informativ, es regt zum Nachdenken an und ist an keiner Stelle langweilig (da schlägt wohl seine journalistische Vergangenheit durch). Es enthält keine Parteipolitik sondern nur die Gedanken eines großen Geistes.
Ich habe es schon Freunden in Österreich empfohlen und benutze es als Geschenk (endlich wieder ein schenkenswertes Buch).
Pflichtlektüre für jeden Deutschen!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es hat seine 5 Sterne verdient!

Zwar wurde das Buch schon 1998 geschrieben, hat aber überraschenderweise nichts an Aktualität verloren. Dies ist ein Beleg dafür, dass Helmut Schmidt schon vor 10 Jahren recht genau analysieren konnte, welche zukünftigen Probleme in Deutschland und der Welt vorherrschen werden. Zudem gibt er vielmehr der politischen bzw. elitären Klasse Lösungsvorschläge, wie man es in Zukunft besser machen sollte.

Im Grunde genommen ist es ein Buch über Deutschland, dass sich in einer globalisierenden Welt behaupten muss. Wie es das schaffen kann, dass erfährt man durch den einfach zu lesenden Schreibstil eines Helmut Schmidts, der auch durch seine langjährige politische Erfahrung komplexe Sachverhätnisse präzise darstellen kann, ohne unnötig abschweifen oder hochgestochen schreiben zu müssen!
Das halte ich ihm zu gute, da zu viele (vorwiegend deutsche) Autoren meinen ihr geschriebenes Werk wäre schon dann erstklassig, wenn sie hochgestoche seitenlange Sätze aneinanderreihen.
Nichts als die Wahrheit
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Helmut Schmidt stellt in diesem Buch die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Missstände in der unseren Zeit realistisch und deutlich dar. Er macht klar wer gegen wen kämpft und mahnt unsere sogenannten Eliten, mit der ihnen anvertrauten oder rein durch ihre Stellung gegebene Macht, moralisch konform, nach dem Vorbild vergangener Zeiten, umzugehen. Selbstverständlich klagt Helmut Schmidt nicht nur an, sondern zeigt Lösungswege aus der Misere. Ein wunderbares Buch der Wahrheit, leicht zu lesen und verständlich!
Recht hat er!
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wer viele der heutigen Politiker dem vermeintlichen Wählerwillen hinterher hetzen sieht, wer Diskussionen über die Farbe der Krawatten beim Kanzler-Duell verfolgt, wen es ebenso wenig interessiert, ob die Schröders sich nun streiten oder er sich gar die Haare färben lässt, dem ist dieses Buch Balsam auf die verwundete politisch-demokratische Seele.
In klar verständlicher, gleichwohl vortrefflich formulierter Sprache zeigt Helmut Schmidt Wege zu einer durch Vernunft, Verantwortung und Moral gekennzeichneten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In ganz und gar wohltuender hanseatischen Bescheidenheit und Nüchternheit beschreibt Schmidt ebenso vergangene und gegenwärtige Verfehlungen wie auch Handlungsmaximen für eine "vernünftige" Zukunft. Dass er viele Passagen in der "Wir"-Form schreibt, macht das Buch umso sympathischer, zumal sich hieraus manch -geradezu groteske- Bescheidenheit seitens des Autors ergibt. Das "Wir" steht jedoch auch für den Appell, den Schmidt an jeden einzelnen von uns richtet und der mich oft hat anhalten und nachdenken lassen. Das Buch vermittelt jedem Leser, der noch einen Sinn für das Wohl der Gemeinschaft hat, dass er nicht allein in einem "Heer von Egoisten" lebt, dass er mit seiner Lebenseinstellung kein törichter Narr oder gar verachtenswerter "Gutmensch" (Achtung: Unwort!) ist.
So wie Helmut Schmidt uns Jugendlichen zu seiner Kanzlerschaft ein gradliniges "Beispiel" gegeben hat, so gibt er uns heute wieder Impulse zum erneuten Innehalten, zur Besinnung auf unveräußerliche Tugenden und zur weiteren Persönlichkeitsentwicklung bzw.-festigung.
Wer der heutigen "Kakophonie" und den verzweifelten Rufen nach Kanzler-Machtworten lauscht, möchte manchem Politiker die Lektüre dieses Buches dringlichst empfehlen.
Wer es damals nicht bereut hat, dass Schmidt gestürzt wurde, der wünscht ihn sich spätestens nach dieser Lektüre zurück...
Kein SPD-Ideologe ...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
"Ist und Deutschen die Moral ausgegangen?" Schmidt's Einleitung stellt direkt am Anfang eine Frage, die er zwar sofort verneint, aber noch im ganzen Buch erläutert. Nein, sie ist uns nicht ausgegangen, aber so kann es nicht weitergehen! Schmidt wagt einen Rundumschlag: Mutig kritisiert er Funktionseliten, ob politische oder wirtschaftliche, spricht die Bedeutung der Wirtschaft für unsere Gesellschaft an und entwirft eine Zukunftsvision. Er fordert Mut zur Moral, Mut zum Wandel. Mit vielen Vorstellungen setzt er sich erfreulicherweise auf überparteiliche Ebenen, eben so, wie man es von dem Ex-Kanzler gewohnt ist. Bravo, Herr Schmidt! Mein Kauftip!
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Helmut Schmidt: Die Biographie von Hans-Joachim Noack

Gebundene Ausgabe von rowohlt BERLIN
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 7,04

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3871345660, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: 4
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Aus der Amazon.de-Redaktion


Zunächst wundert man sich ? gelinde gesagt. Helmut Schmidts Leben, abgehandelt auf mageren 300 Seiten, während sein schwergewichtiger Nachfolger aus der Pfalz bereits am vierten Erinnerungsband werkelt? Wie geht so etwas? Nun ja, auch hier zeigt sich eben der gewaltige Unterschied. Dort die ausufernde Selbstbetrachtung- und beweihräucherung, das Festklammern an jedem noch so bedeutungslosen Fitzelchen im politischen Wirken. Hier hingegen ein gestandener Journalist und Schmidt-Vertrauter wie Hans-Joachim Noack, der ? in dieser Hinsicht dem Altkanzler nicht unähnlich - auf schmückendes Beiwerk verzichtet und die Eckpfeiler eines politischen Lebens einrammt. Ohne dabei unscharf zu werden. Eine Verknappung, die an Größe gewinnen lässt.
Klar, ein Fast-Jahrhundert an Lebenszeit derart einzudampfen, fordert Abstriche. Allein die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977 und das Dramenfeld Mogadischu ? Schleyer ? Stammheim. Über diesen Strudel, der den damaligen Kanzler fast an den Rand des moralischen und politischen Kollapses brachte, hätte man gerne mehr gelesen. Zu diesem Zeitpunkt hat Noack bereits eine beträchtliche Wegstrecke hinter sich gebracht. Die ?Jugend und Soldatenzeit? des 1918 Geborenen. Der preußisch zugeknöpfte Vater. Mitschülerin Lokis unterprivilegiertes Elternhaus, das erste Gerechtigkeitsfragen in Schmidt aufkeimen lässt. Hamburg im Zeitkolorit der Weimarer Republik, ein Bild, das Noack meisterlich skizziert. Schließlich der Zweite Weltkrieg und die frühe Erkenntnis einer unschlagbaren ?Weltkoalition?, die sich dem Machtrausch der Nazis in den Weg stellen würde. Gedanken eines (noch) Unpolitischen.
Erste Weihen dann, als ein Hamburger Innensenator sich während der großen Sturmflut 1962 zum Krisenmanager emporschwang. Fortan genießt der Allerweltsname Schmidt bundesweit Gültigkeit. Die Troika Wehner-Brandt-Schmidt. Der Rücktritt Brandts, Lichtgestalt der Ostpolitik und (deswegen?) ewiger Dorn im Auge Schmidts, der sich im eigenen Lande stets unterbewertet fühlte. Die moralisch kaum fassbare Entscheidung des Kanzlers Schmidt, Schleyer zu opfern. Der NATO-Doppelbeschluss, der ihn in den eigenen Reihen am Ende fast zur Unperson werden ließ. Noack liefert das Porträt eines Workaholics, der in seiner aktiven Laufbahn als arroganter Besserwisser verschrieen war. Doch trotz besten Willens und Kenntnisreichtums will es auch ihm nicht gelingen, zum innersten Kern dieses notorisch Verschlossenen vorzudringen. Eines Menschen, Politikers und gesegneten Rauchers namens Schmidt, den Partei und Volk erst relativ spät verstehen und lieben lernten ? und die ihn heute schmerzlich vermissen. ?Ravi Unger
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5 Kundenrezensionen:

Etwas enttäuschend
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Der Versuch einer Biographie des wohl beliebtesten Politikers Deutschlands enttäuscht etwas. Zum einen ist einfach die Sprache nicht so vergnünglich zu lesen, wie beispielsweise eine Biographie von Christian Graf von Krockov.
Andererseits ist das Buch, mit Ausnahme der letzten beiden Kapitel vielleicht, eine Aufzählung von Fakten. Hierin liegt denn wohl auch der Hauptnutzen des Buches: Für jemanden, der mit diesem Teil deutscher Geschichte nicht sehr vertraut ist (zu denen gehöre ich)ist es eine flüssige Erzählung dieser Jahre.

Msn ist nach der Lektüre etwas enttäuscht: Ist das wirklich ALLES, was es an interessantem über diese Persönlichkeit zu berichten gibt? Man glaubt es nicht, das Buch überzeugt nicht.
Ich denke, dem Author fehlt einfach, was ein guter Biograph können sollte, nämlich sich in die Persönlichkeit des Subjekt hineindenken zu können. Als Journalist mag er dafür keine Zeit haben.
sehr empfehlenswert
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Sehr empfehlenswert, auch wenn es hanseatisch nüchtern ist, es liest sich sehr angenehm und genau darum geht es neben den vorhandenen ebenfalls sehr interessanten Informationen.
TOP Buch
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Das Buch ist fantastisch und ich habe es buisher 3 mal gelesen,... sehr gut geschrieben
Der Einblick ist grobkörnig und oberflächlich
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Eine Biografie soll ein Leben dokumentieren. Helmut Schmidt ist eine der schillerndsten deutschen Figuren der letzten 100 Jahre, so dass man viel erwartet von einer Biografie über ihn. Hans-Joachim Noacks vollkommen unangemessen als "Die Biografie" - tituliertes Buch erreicht diesen Anspruch bei weitem nicht.

Auf etwas mehr als 300 Seiten wird von dem Weggefährten Schmidts zumeist nur Altbekanntes präsentiert. Es beschäftigt sich fast ausschließlich mit der politischen Seite des Alt-Kanzlers und hier vor allem mit der Zeit an der SPD-Spitze zwischen 1965 und 1982. Basis dieser Biografie sind zumeist nur dokumentierte Medienberichte, Reden oder Biografien von Weggefährten, die der Autor zumeist im Konjunktiv zu interpretieren versucht. Eigene Interviews mit Zeitgenossen, Freunden oder Bekannten hat der Autor anscheinend nicht geführt. So entsteht zwar ein stark zusammengefasstes Abbild von Helmut Schmidts Schaffen, aber ein Einblick in die Person Helmut Schmidt erreicht man so nicht. Die Beschreibungen bleiben insgesamt grobkörnig und oberflächlich. Dazu kommt ein Schreibstil, der zu altbackenen Fremdwörtern neigt.

Das private Leben von Helmut Schmidt bleibt fast vollkommen außen vor. Seine Frau Loki beispielsweise wird nur in Nebensätzen erwähnt, seine Tochter Susanne in einem Bild und sonst so gut wie gar nicht. Erst im letzten der 10 Kapitel will der Autor "Zur Person" kommen und sich vor allem mit Fragen, die sich mit dem Seelenleben Schmidts beschäftigen, befassen. Doch außer stereotyper Einordnungen und unangemessene Analogien zur griechischen Mythologie (Loki und Helmut Schmidt werden in einem Halbsatz mit Philemon und Baucis verglichen, ohne auch nur einen weiteren Satz der Erklärung) erfährt der enttäuschte Leser nichts.

Vorliegendes Buch ist keine Biografie im eigentlichen Sinne sondern eher ein stark zusammen gerafftes Abbild der politischen und öffentlichen Person Helmut Schmidt.
informativ, nichts beschönigend
4 Punkte 4 von 5 Punkten
habe das buch mit großem interesse gelesen. es ist mein erstes überhaupt zum thema helmut schmidt. ich bin nicht enttäuscht. der autor schreibt mit viel kenntnis und journalistischem können über eine der politischen lichtgestalten des nachkriegsdeutschlands. schwerpunkt dabei ist das politische wirken schmidts- in groben zügen nur (sonst hätte dies buch bestimmt weniger leser). und für einen ersten, gut zu lesenden gesamtüberblick taugt dies buch wirklich. dabei wird nicht unkritisch geschrieben, wenn auch mit einigem ehrfürchtigen abstand stellenweis. doch bekommt man schon einen eindruck davon, wie unbequem für seine mitmenschen der politiker schmidt einst war. weiterführende literatur gib es zur genüge.

wer über den menschen helmut schmidt, sein privatleben, seine familie, mehr wissen willwird hier aber enttäuscht. dieses thema ist nur gelegentlich angerissen. vielleicht hilft ja das buch seiner ehefrau da weiter.
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Außer Dienst: Eine Bilanz von Helmut Schmidt

Audio CD von Random House Audio
Preis bei Amazon: EUR 14,95, Angebote ab EUR 6,65

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3866049331, Erscheinungsdatum: Sept. 2008, Auflage: gekürzte Lesung.
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5 Kundenrezensionen:

Ein wunderbares Buch. Ein Muß für jeden, der sich etwas ploitisch interesiert.
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich lese dieses Buch mit Genuß. Herr Schmidt hat eine schöne Art und Weise zu erzählen. Es ist informativ, spannend und über haupt nicht aufdringlich.
Konventionelle Antworten
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Dieses Buch ist ein Kommentar zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen von einem konservativen Sozialdemokraten. Die wiederkehrenden Themen des Buchs lauten Militär, Wirtschaft und Religion.

Schmidt erklärt, damals "nichts von den schweren Verbrechen der Nazis gewusst" zu haben (Seite 290) - doch er war Wehrmachtsoffizier an der Ostfront. Schmidt meint, Willy Brandt habe mit dem Kniefall vor dem Warschauer Ghettodenkmal ein pauschales "Bekenntnis zur deutschen Schuld" abgegeben (S. 333). Brandt sah das vermutlich anders, denn er hatte in der Nazizeit sein Leben im Kampf gegen die Nazis riskiert, und besagtes Denkmal ist nicht einer Schuld gewidmet, sondern dem Aufstand.

Um 1980 war Schmidt eine treibende Kraft hinter der Aufrüstung Westdeutschlands mit Atomraketen. Dass er dies sogar gegen Jimmy Carter durchsetzen konnte, erfüllt ihn heute noch "mit Genugtuung" (S. 165). Die Atomrüstung im Kalten Krieg war ein Irrsinn, der leicht zur Katastrophe hätte führen können. Immerhin ist Schmidt heute gegen militärische Abenteuer der Bundeswehr im Ausland (183).

In Sachen Wirtschaft meint Helmut Schmidt, Überalterung und eine zu niedrige Erwerbsquote machten Hartz IV notwendig (228). Er ignoriert die Tatsache, dass im Laufe der Jahrzehnte das Bruttosozialprodukt stärker wächst als die Erwerbsquote sinkt. Menschen in armen Ländern sind auch nicht fleißiger (247), sondern sie müssen fürs gleiche Geld mehr arbeiten, weil ihre Wirtschaft weniger produktiv ist. Die Zukunft der Wirtschaft sind laut Schmidt Dienstleistungen (224). Günter Dueck argumentiert dagegen in seinem Buch AUFBRECHEN!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen für eine Knowhow-Gesellschaft, d.h. die Bildung wäre entscheidend zu verbessern.

Zur Religion. Schmidt glaubt an eine "Seele" (300), aber an keinen richtigen Gott. Zur Klärung solcher Fragen hätte sich Schmidt mit Ludwig Feuerbach, Bertrand Russell oder Richard Dawkins auseinandersetzen können. Der Religionskritik weicht er jedoch aus. In Sachen Islam fordert Schmidt, dem Islam den gleichen Respekt wie den christlichen Religionen entgegen zu bringen (184). Das ist anerkennenswert, doch später meint er, dass Muslime den "inneren Frieden" gefährdeten (236). Das Olympia-Attentat von 1972 nennt er gar "palästinensisch-islamistisch" (169).

Fazit: Das Buch ist flüssig geschrieben und ansprechend gestaltet. Im Gegensatz zu Persönlichkeiten wie Willy Brandt oder Nelson Mandela berücksichtigt Schmidt jedoch keine langfristige gesellschaftliche Perspektive. Deshalb ist das Buch eher tagespolitisch wie eine Zeitung. Für die Fragen des 21. Jahrhunderts hat es wenig zu bieten.
Einer der besten, die wir hatten...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ich habe dieses Buch schon lange auf meiner Wunschliste gehabt. Helmut Schmidt gehört , für mich, seit langem zu den besten Politikern, die wir hatten.

Er erklärt in diesem Buch, wie schwierig es sein kann, in Deutschland zu regieren. Es sind viele Nuancen zu beachten. Es gibt viele Lobbys, viele Strömungen.
Er erklärt viele Zusammenhängen, plaudert teils aus (vergangenen) Nähkästchen.

Herr Schmidt gehört leider zu einer aussterbenden Art von Politikern. Heuer stehen Politiker im Rampenlicht, wo ich mich frage; Warum?

In vielen Themen bin ich natürlich nicht involviert, dafür fehlt mir auch Hintergrundwissen, welches aber meiner Meinung die wenigsten haben.

Herr Schmidt kritisiert zum Teil auch richtig, die Massenmedien, welche mal gerne eine Massenhysterie bewirken, z.B. die Bild, aber auch höherwertige Publikationen wie FAZ, TAZ usw. Natürlich gibt es auch Hinweise auf seine Zeit bei der ZEIT.

Ich finde das Buch sehr interessant, wenn ich es lese, kann ich nicht so schnell aufhören, ich merke, hier ist einer der Ahnung hat. Einer der was im Kopf hat und dabei menschlich geblieben ist.

Positiv für mich, Herr Schmidt räumt eigene Fehler und Versäumnisse ein. Sicher macht jeder Fehler, dadurch hat jeder seinen Lerneffekt. Nur ein Politiker in hoher Position macht nicht nur den Fehler für sich, sondern für Millionen von Menschen.

Sicher kann niemand alle zufrieden stellen, aber hier wird Intellekt geboten.
Selbst wenn man kein SPD Wähler ist, kann sich der Leser hier informieren. Ich gestehe, die eine oder andere These kann der Leser kritisch hinterfragen. Es darf auch gestritten werden. Aber das zeichnet ein gutes Werk aus!

Hut ab vor Herrn Schmidt.
Der Udo Lattek der deutschen Politik hält Hof
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Helmut Schmidts neuestes Buch "Außer Dienst" überzeugt mich nicht. Das mag vor allem daran liegen, dass ich mit einem hohen Anspruch an dieses Buch herangegangen bin, haben mich doch frühere Bücher Schmidts, insbesondere "Menschen und Mächte", sehr begeistert. "Außer Dienst" ist eine 330seitige tour de force quer durch alle aktuellen innen- wie außenpolitischen Problemfelder, angereichert durch historische Rückbezüge und andeutungsweise durchzogen vom roten Faden der Weberschen Verantwortungsethik. In der Breite der behandelten Themen liegt zugleich die Schwäche des Werkes: Nur zu selten verweilt Schmidt länger bei einem Thema, präsentiert scheinbar einleuchtende und verlockend einfache Lösungsvorschläge, gegenläufige Argumentationen blendet er allerdings genauso aus wie die Mühen der politischen Ebene, die einer etwaigen Verwirklichung im Wege stehen könnten. Schnell wird deutlich, dass Schmidt inzwischen weit mehr Publizist denn realer Politiker ist. Kritisiert er selber an einer Stelle des Buches die Professoren, die Lösungsvorschläge vom universitären Katheter herab verkündigen ohne sich um Realisierungsmöglichkeiten zu scheren, erliegt Schmidt in "Außer Dienst" leider allzu häufig genau dieser Verlockung.

Unerfreulicherweise ist das erste von sechs Kapitel sogleich das insgesamte schwächste. Unter dem Obertitel "Erfahrungen verändern Maßstäbe" präsentiert Schmidt ein weitgehend zusammenhangloses Konvolut aus eigenen Erfahrungsschnipseln, eingestreuten politischen Allgemeinplätzen und seltsam uninspirierten Aufzählungen von Personen, von denen er im Laufe seines Lebens gelernt hat. Leider läßt Schmidt nur zu selten den Leser teilhaben, worin die besonderen Erkenntnisse dieser Begegnungen bestanden haben. Am Ende dieses Kapitels stellt sich somit die Frage, ob der Autor sich mittels der Erinnerung an eigene Lebensstationen und -leistungen und dem Vorzeigen eines sehr eindrucksvollen Inventars an Freunden und Bekannten einen Sockel zimmert, von dem herab er dann in den folgenden Kapiteln seine Ansichtungen verkünden möchte.

Auch Kapitel 2 ("Aus der Geschichte lernen") erfüllt nur teilweise die im Titel begründeten Erwartungen: Eine durchaus gelungene Beschreibung des politischen Reifungsprozeß der Bundesrepublik wird gefolgt von einer sehr einseitigen Diskussion des Prozesses der deutschen Einheit. Seine These, dass die Erlangung der deutschen Einheit ein primärer Verdienst der USA und nicht der deutschen Politik sei, scheint nicht unwesentlich von der wenig ummantelten Mißgunst, mit der Schmidt seine politischen Nachfolger betrachtet, geprägt zu sein. Ferner fällt auf, dass Schmidt hart damit zu kämpfen hat, dass die Schaffung des EU Binnenmarktes und die Einführung des Euro weniger seinen eigenen Weichenstellungen als vielmehr der Politik seines Nachfolgern zugute geschrieben wird. Schmidts These, dass vielen Politikern die notwendigen Kenntnisse zur Kultur und Geschichte der Nachbarländer fehlen, wird zwar sehr oberlehrerhaft vorgetragen, ist im Kern aber ohne Zweifel richtig. Dass er sich dazu hinreißen läßt, eine Art Wissenskanon für Berufspolitiker aufzuzählen, bleibt besser unkommentiert, spricht hier doch ein seit 25 Jahren hauptberuflich durch die Welt reisender Wissenssammler.

In Kapitel 3 und 4 kehrt Schmidt von den schnellen Themenwechseln ab, was dem Buch sehr zu gute kommt. Ein interessanter Rückblick auf das Ende seiner Kanzlerschaft enthält bemerkenswerte Ausführungen zu seinem Verhältnis zu Willy Brandt. Die außenpolitischen Betrachtungen in Kapitel 4 sind im typischen Schmidtstil sprachlich prägnant auf den Punkt gebracht, auch wenn man sicherlich nicht mit jeder Schlußfolgerung übereinstimmen muss. Dass Schmidt jeglicher Form deutscher Beteiligung an militärischen UN-Friedensmissionen eine Absage erteilt und darüberhinaus der deutschen Außenpolitik auch die diplomatische Nichteinmischung in wesentliche außenpolitische Konfliktfelder empfielt, dürfte für den ein oder anderen Leser schwer verdaulich sein.

Kapitel 5 ist aus meiner Sicht der Teil des Buches mit der größten Sprengkraft. Ist das Schmidtsche Hohelied auf den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft noch mit Vorsicht zu genießen, folgt eine sozialpolitische Abrechnung deren geforderte Grausamkeiten noch der CDU-Sozialministerin die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Man würde sich wünschen, dass Schmidt mit diesen Ansichten den Hügel der Publizistik verlassen und in den Ebenen seiner Partei Überzeugungsarbeit leisten würde, bewegt sich diese doch im Besitz der neugewonnenen Oppositionsfreiheiten in eine entgegengesetzte Richtung.

In Kapitel 6 setzt sich Schmidt sehr nachdrücklich mit christlichen und ethischen Grundfesten auseinander sowie deren Eignung als politische Wegweiser. Der überzeugte und überzeugende Demokrat Schmidt argumentiert für den politischen Streit und für den politischen Kompromiß als das Wesen der Demokratie.

Insgesamt enthält dieses Buch aus meiner Sicht zu wenige wirklich originelle neue Denkansätze. Schmidt vermag es sich und seine Ansichten jenseits parteipolitischer Vereinnahmungen zu artikulieren. Vieles klingt überzeugend, geradezu ernüchternd einfach. Man versteht gar nicht, warum die so offensichtlichen Lösungsansätze nicht schon längst in die Tat umgesetzt worden sind. Vielleicht liegt genau diese Nichtumsetzung aber auch daran, dass die Welt und insbesondere die Politik nicht annähernd so einfach ist, wie es dem Leser in diesem Buch suggeriert wird. Da haben wir es dann wieder: Schmidt ist in erster Linie Publizist und nicht mehr Tagespolitiker. Insofern ist "Außer Dienst" publizistisch vielleicht gelungen und wird als solches auch erfolgreich sein, politisch bleibt das Buch aber erstaunlich oberflächlich und wird daher keinerlei bleibende Spuren hinterlassen.
7 Hörbuchstunden, die sich lohnen
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Helmut Schmidt, früherer Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Mitherausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT, ist einer der elder statesmen mit nach wie vor großer Strahlkraft. Viel wurde über ihn geschrieben, viel von ihm selbst. Stets war es bewundernswert, mit welcher Klarheit und Überzeugungskraft der mittlerweile 90-Jährige seine Gedanken ausgebreitet hat. Gleichzeitig fasziniert auch nach seiner Zeit als aktiver Politiker sein ungebrochenes Interesse an der gegenwärtigen Politik und der Zukunft Deutschlands.

In dem vorliegenden Werk, das der Schauspieler Hanns Zischler in einer gekürzten Fassung so markant wie professionell als Hörbuch eingelesen hat, gibt der Altkanzler nun Einblick in das, was er glaubt, im Laufe der Jahrzehnte politisch gelernt zu haben. Dazu beschreibt Schmidt die umwälzenden historischen Entwicklungen seit dem Ende Kalten Krieges, das besondere Verhältnis der Deutschen zu ihren Nachbarn und all die Lehren und Erfahrungen, die er auf historischem, politischem und wirtschaftlichem Terrain in seinen verschiedenen Ämtern im Laufe seines Lebens gemacht hat. Gleichzeitig lässt er uns aber auch an seinen Kriegserfahrungen teilhaben und scheut sich nicht, über eigene Fehler und Versäumnisse, seine Einstellung zu Religion und Glauben und das Lebensende offen zu sprechen.

Es ist immer wieder lehrreich und bereichernd, den Überlegungen des Bundeskanzlers a.D. zu lauschen. Dies gilt um so mehr, als es Schmidt als gelernter Volkswirt schafft, komplizierte wirtschaftliche Sachverhalte mit einfachen treffenden Worten dazustellen. Beispiel hierfür sind etwa seine Ausführungen über die US-amerikanische Subprime-Problematik, die eine weltweite Bankenkrise auslöste, die bekanntermaßen von den westlichen Staaten nur um den Preis einer überhöhten Staatsverschuldung zumindest vorläufig gemeistert wurde. Schmidt analysiert nicht nur, er gibt auch Anstöße zu neuen Sichtweisen. Sein Buch sollte von jungen Politikern und Politikerinnen gelesen und gehört werden, benennt es doch sehr genau, was jeder angehende Politiker als geistiges Rüstzeug mitbringen sollte.

Fazit: Das aus 6 CDs bestehende, ca. 7 stündige Hörbuch kann nur nachhaltig empfohlen werden. Es beinhaltet die Bilanz eines außergewöhnlichen Lebens und das politische Vermächtnis eines großen Staatsmannes.
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Unser Jahrhundert: Ein Gespräch von Helmut Schmidt, Fritz Stern

Audio CD von Der Audio Verlag, Dav
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4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3898139786, Erscheinungsdatum: März 2010
Zoom ± Produkt-Bild: Unser Jahrhundert: Ein Gespräch

Aus der Amazon.de-Redaktion


Nicht schon wieder! Gibt es denn außer Helmut Schmidt (oder Richard von Weizsäcker) wirklich niemanden, der kompetent und umfassend über das 20. Jahrhundert Auskunft zu geben vermag? Bei aller Wertschätzung ist der Altkanzler doch nun wirklich im vergangenen Jubeljahr anlässlich seines Neunzigsten mehr als ausführlich zu Wort gekommen. Doch gemach! Schließlich hat da ja noch ein Anderer am Gesprächstisch gesessen. Und was für einer.
Nicht ganz so alt an Jahren zwar, aber was Weisheit und Lebenserfahrung angeht, seinem Gesprächspartner in jeder Hinsicht ebenbürtig. Zudem als Sprössling einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie und als führender US-Historiker sozusagen qua Geburt und Profession Experte für alles, was das zurückliegende Jahrhundert an Leben, Leiden und Lehren bereithielt. Dementsprechend handelt es sich bei dem Gespräch, das hier dokumentiert wird, um alles andere als um den Austausch von Höflichkeiten und das Schwelgen zweier Greise in den Erinnerungen an gute wie schlechte, alte Zeiten. Zwar ist Fritz Stern seinem unverhohlen bewunderten Gegenüber seit über drei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden. Doch die Beziehung der Beiden ist nicht zuletzt aufgrund der geographischen Distanz dann doch nicht so innig, als dass der Eine den Anderen ohnehin in- und auswendig kennt. Davon kann der Leser profitieren. Denn so entspinnt sich eine äußerst lebhafte Diskussion, weit davon entfernt, sich gegenseitig nur mit Stichworten zu bedienen. Hier sitzen sich zwei Persönlichkeiten auf Augenhöhe gegenüber. Gleichermaßen belesen und eloquent, scheuen sie auch nicht davor zurück, dem Anderen Paroli zu bieten oder sogar in die Parade zu fahren ? was sich ja insbesondere in Anbetracht der berühmt berüchtigten Apodiktik Helmut Schmidts in einem echten Disput kaum vermeiden lässt. Geradezu rührend andererseits, wie Fritz Stern in solchen Fällen den Freund behutsam aber bestimmt auf den Boden zurückholt, wenn sich der einmal verstiegen hat: wenn er beispielsweise das Hohelied auf den Keynesianismus des NS-Chefökonomen Hjalmar Schacht anstimmt oder über die genetische Disposition der Deutschen zum Massenmord sinniert.
Insgesamt eine ebenso spannende wie lehrreiche Geschichtsstunde, in der nicht nur die Vergangenheit Revue passiert, sondern auch die Probleme der Gegenwart nicht zu kurz kommen. ? Arnold Abstreiter
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5 Kundenrezensionen:

Ein Gewaltmarsch durch die Geschichte unseres Jahrhunderts
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Die Helmut Schmidt Welle rollt weiter und jedes Apercu des hanseatischen Altkanzlers hat mittlerweile Offenbarungscharakter. Nach Erfolgstiteln wie "Außer Dienst" und den "Zigarettengesprächen" mit Giovanni di Lorenzo sieht sich deshalb auch der Beck Verlag in der unternehmerischen Pflicht, die Galionsfigur der politischen Öffentlichkeit noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Die fühlt sich in den Verlagsräumen als Mitherausgeber einer historischen Reihe ohnehin heimisch. Und so überrascht es kaum, dass sich "Unser Jahrhundert" mittlerweile seit Wochen hartnäckig in den Bestsellerlisten hält. Für dieses Projekt hat sich der beliebteste Kettenraucher und Aufklärer der Republik einen würdigen Gesprächspartner eingeladen. Der renommierte Historiker Fritz Stern wurde 1926 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Breslau geboren und emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten. An der Columbia University avancierte er zur Koryphäe auf dem Gebiet der Neueren Geschichte.
Die Versuchsanordnung ist ebenso einfach wie einträglich: Bewaffnet mit einigen Notizen fanden sich die Freunde im Sommer 2009 in der Schmidtschen Residenz am Brahmsee ein. Es folgte ein dreitägiger Gesprächsmarathon, der auf Anraten der Journalisten Nina Grunenberg aufgezeichnet wurde. Hieraus entstanden knapp dreihundert Seiten mit dem ebenso lakonischen wie ehrgeizigen Titel Unser Jahrhundert.
Mit epikureischer Weitsicht begeben sich die beiden Weltbeobachter auf einen Gewaltmarsch durch die Geschichte, der seinesgleichen sucht. So spannen sie einen Bogen vom Scheitern der Weimarer Republik über die Rolle der USA beim Wiederaufbau Europas bis hin zur deutschen Wiedervereinigung. Ganz nebenbei thematisieren sie unter anderem die Finanzierung des Sozialstaats, erörtern die Dimensionen der Finanzkrise und spekulieren über die Rolle der Deutschen in der EU. Im Vordergrund steht dabei immer das Verhältnis zwischen deutscher und amerikanischer Politik, so etwa beim Vergleich der amerikanischen Verfassung mit dem deutschen Grundgesetz. Die immense Sach- und Personenkenntnis der beiden sind bisweilen so gewaltig, dass sich der schwindelige Lesern gern an seinem Brockhaus festklammern möchte. Von Montesquieu bis Ahmadinedschad, von Alexander dem Großen zu "Wie heißt er noch?"- Guido Westerwelle, hier wird einem jeden sein Platz zugeteilt. Angesichts der aufwendigen Ausstattung des Buches wäre ein Glossar aber wohl nicht zu viel verlangt gewesen.

Sowohl der Pragmatiker Schmidt als auch der Theoretiker Stern machen keinen Hehl daraus, dass ihre Urteile nicht bis ins Letzte begründet sind und dass der Text keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Insofern ist Unser Jahrhundert kein Geschichtsbuch, sondern ein Plädoyer für Geschichtsbewusstsein. Hier debattieren zwei Zeitzeugen, die um Ihre Erfolge und Fehler wissen und auch nicht davor zurückscheuen, mit sich selbst und anderen hart ins Gericht zu gehen. So offenbart Schmidt: "Es gehört zum politischen Handwerk, das man über Lügen hinwegpfuscht." Stern: "Haben Sie das auch getan?" Schmidt: "Natürlich. Nur Professoren haben das nicht nötig."
Entsprechend authentisch und sympathisch wirken die beiden Monumente ihrer Zeit, wenn sie auch vor heiklen Themen nicht die Augen verschließen und ihrerseits nach Antworten ringen. Gab es einen spezifisch deutschen Antisemitismus? Wie war der Holocaust mitten in Europa überhaupt möglich? Diese Fragen bilden den Kern des Gesprächs und führen den Leser tief hinein in die deutsche Geschichte von Preußen nach Weimar, vom Primat des Militärischen bis zum Versailler Vertrag. Der Politiker und der Historiker liefern verschiedenste Erklärungsversuche, geraten in Dissens über die Mitwisserschaft der Deutschen an den nationalsozialistischen Verbrechen und müssen schließlich doch vor der Nichterklärbarkeit kapitulieren. Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse fällt auch auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ein neues Licht. In Abgrenzung zur amtierenden Regierung betont Schmidt, dass Deutschland keine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. Zwar scheut er sich nicht vor ignoranten Anfeindungen, weiß aber um die politische Brisanz und schlägt vor: "Lassen Sie uns das Thema verlassen, Fritz, da kommt nichts Positives mehr raus."
Auch wenn sich hinter dieser und ähnlichen Äußerungen eine gewisse Resignation vermuten ließe wird deutlich, dass man hier keiner Elegie eines Kulturpessimisten lauscht. Aus seinem Geschichtsbewusstsein heraus betont Schmidt geradezu die Neugierde auf die Gegenwart und seine Lust an der Einmischung. Wenn diese hier und da einmal zu plakativ daherkommt, wagt es der Historiker auch schon einmal, der Schmidt-Show Einhalt zu gebieten, was der Qualität des Gesprächs zu Gute kommt.
Zum Untertitel "Ein Gespräch" liest man im Nachwort: "Alles aber was ein lebendiges Gespräch ausmacht, das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte wurde so weit wie möglich beibehalten; das gleiche gilt für den Sprachduktus." Weiterhin heißt es, dass man sich entschlossen habe "[...] die spontane Antwort und das frei gesprochene Wort im Zweifelsfall stehen zu lassen und den Text weder durch gelehrte Nachbesserung noch durch die Regeln der Hochsprache ins Prokrustesbett zu zwängen." Alle Authentizitätsbekundungen sollten allerdings nicht über den artifiziellen Charakter des Gesprächs hinwegtäuschen. Schmidt: "Wir dürfen in unserem Buch nicht Stunden über Henry reden." Stern: "Sie denken doch nicht etwa schon an das Buch?" Schmidt: "Selbstverständlich." Die beiden Gesprächspartner sind sich ihrer Kunst im Dienste des Lesers also durchaus bewusst.
Aus Zutaten von historischen Episoden, politischen Diskursen und lebhaften Anekdoten, garniert mit einer gehörigen Prise Selbstironie mischen die beiden Freunde einen Aperitif, der den historischen Durst keineswegs zu stillen vermag, aber erfrischend lesbar ist und Lust auf mehr macht. Dazu gehört auch, dass sie sich und dem Leser hier und da eine Pause verordnen, um sich in der Kneipe nebenan zu erholen.
Lebensweisheit und gelebte Geschichte
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Drei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen.
Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist.

Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation.
Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen.

Vom "Maulhelden" Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart.
Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen.

Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament.
Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil.

Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist.
Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem "Gewusst haben müssen" der Deutschen der damaligen Zeit.

Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber.
Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird.

Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil.

Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich.
Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten.
Geschichte life
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Geschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden.
Fesselnder Dialog zur Zeitgeschichte
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Dieses Buch soll und kann kein Abriss der Geschichte des 20. Jahrhunderts sein. Es berührt nicht alle wichtigen Aspekte und geht auch nicht immer allzu sehr in die Tiefe, aber selbst wenn ein Thema nur flüchtig gestreift wird, fesselt es doch, wie der Politiker und der Historiker, beide auch auf dem Berufsfeld des jeweils anderen sehr bewandert, einander elegant Bälle zuwerfen.
Stern und Schmidt sind aus politischer Sicht keine Gegenpole, sodass es nicht zu einem erbitterten Schlagabtausch kommt, sondern höchstens um Details gefochten wird - mit dem Florett, sehr charmant, wenngleich vor allem Schmidt gern nachdrücklich auftritt. Immer zeigt sich die Wertschätzung zwischen den Dialogpartnern.
Beide Autoren pflegten über die Jahrzehnte Kontakte zu bedeutenden internationalen Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Kultur und Religion, die nun in den verschiedensten Anekdoten auftreten. Dennoch verlieren Schmidt und Stern nicht den roten Faden, und so entsteht auch keine Langeweile.
Nicht zuletzt, wenn die Rede auf aktuelle Ereignisse kommt, was bei einer Betrachtung des 20. Jahrhunderts unvermeidlich ist - haben die damaligen Entwicklungen doch die Weichen für das jetzige Jahrhundert gestellt -, zeigt sich, dass die Autoren nicht nur in puncto Geschichte, sondern auch in Bezug auf die Tagespolitik bestens informiert sind. Sie nehmen Stellung zu Themen wie dem Türkeibeitritt zur EU und grundsätzlichen Problemen der EU-Erweiterung, zur derzeitigen Finanzkrise und deren Hintergründen und vielen anderen Aspekten.
Man mag ein wenig Schmidt-müde geworden sein angesichts der vielen Veröffentlichungen des Altkanzlers und seines häufigen Auftretens als moralische Instanz, aber dieses Buch weckt Interesse an der Zeitgeschichte und begeistert sicher nicht nur Schmidts politische Gesinnungsgenossen, zumal sich Schmidt keineswegs nur kritisch über frühere Gegner oder ausschließlich lobend über die SPD äußert, sondern abwägt. Und Fritz Stern, der keineswegs rein distanzierte Historiker, bildet einen sympathischen Konterpart. Es kommt bei Meinungsverschiedenheiten nicht immer zum Konsens, aber gerade das gefällt an diesem Buch: Widersprüche werden nicht mit Gewalt aufgelöst.
Die beiden Sprecher vermitteln gut die Atmosphäre, die während des Gesprächs geherrscht haben muss, das gelegentliche eifrige Ins-Wort-Fallen, kurze Denkpausen, Schmidts Ermahnung an Stern, nicht so schnell zu sprechen, spontaner Widerspruch. So wirkt das Gespräch in der Hörbuchfassung besonders lebendig. Der Hörer wird auch den erwähnten Auszug aus dem originalen Mitschnitt zu schätzen wissen.
Sehr empfehlenswerte, auch von der Aufmachung her attraktive "Audio-Lektüre" für politisch und zeitgeschichtlich Interessierte jeden Alters!
Infotainment, das bildet!
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Das Konzept dieses Buches geht auf. Der Historiker und der Politiker werfen sich gegenseitig die Bälle zu und lassen den Leser an der untrennbaren Verquickung von Geschichte und Politik - mit dem Fokus 1945 bis heute - teilhaben. Unaufdringlich, in klarer Sprache, ohne syntaktische Verrenkungen; zum Teil auch etwas (zu) speziell, wenn privat-geschäftliche Bindungen ausgelotet werden, immer jedoch mit klarer Stellungnahme, interessanten Fragen und präzisen Konklusionen. Und nicht zuletzt: geistreichen Bonmots.

Das Werk ersetzt kein Geschichtsbuch. Fragen werden behandelt - ohne dass die der Frage zugrunde liegenden (vorgelagerten) Ereignisse rekapituliert werden. Der Leser sollte also in Politik und Geschichte einigermaßen firm sein und Zusammenhänge der Weltgeschichte kennen.

Wundern darf sich der Leser trotzdem. Wie die beiden Gesprächspartner, die keine Erklärung für Hitlers Kriegserklärung an die USA finden. "Unverständlich!" - "Absolut".

Heikle Fragen, wie die Politik Israels (auch Antisemitismus in Deutschland und Europa vor den beiden Weltkriegen) und die Reaktionen darauf von amerikanischer und deutscher Seite, werden erörtert. Ob Deutschland eine "besondere" Verantwortung gegenüber Polen hat. Wie der bedeutende Historiker Tocqueville prophetisch voraussah, dass es zu einem Zweikampf der Ideologien/Großmächte zwischen Amerika und Russland kommen würde. Was die beiden Bushs unterscheidet.

Jedenfalls viel Stoff zum Nach- und Überdenken. Auch zum Staunen, weil man die eine oder andere Aussage/Situation/Reaktion so klar bisher noch nicht gesehen hat.
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