|
| |
|
Ich kann jeder sagen: Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung (suhrkamp taschenbuch) von Robert MenasseTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,95 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518462059, Erscheinungsdatum: November 2010, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:Leben als Anhäufung zerronnener Hoffnung und Selbsttäuschungen 4 von 5 PunktenIch seinem neuen Erzählungsband lässt der 1954 geborene österreichische Schriftsteller Robert Menasse vierzehn Ich-Erzähler sich erinnern an Ereignisse aus ihrem Leben. Wie schon in seinen Romanen tut das Menasse, indem er Leben beschreibt als zerronnene Hoffnung, als eine Anhäufung von Selbsttäuschungen einer Generation, für die die Ideale von 1968 die beste aller Nachkriegsordnungen gewesen sind. Er formuliert das so: "Für Menschen wie mich, oder meine Generation oder meine Epoche, war das doch so, dass wir vollendet am Anfang waren. Wir haben gewusst, die Welt war so, nämlich scheiße. Es gibt eine Rettung, nämlich die durch unsere Befreiung. Wir wissen alles. Dank dem Marxismus. So haben wir begonnen und erst danach hat begonnen, dass wir frustriert wurden. Dass wir schwach wurden, dass wir müde wurden, dass es angefangen hat, dass uns Zipperlein plagen, und dann irgendwann einmal ist man einfach so vertrottelt, dass man nur, weil man so vertrottelt ist, irgendwie seinen Platz in der Gesellschaft findet und funktioniert." Die Hauptfiguren seiner Erzählungen erinnern sich an irgendein Ereignis der Geschichte und berichten, was sie an diesem Tag erlebt haben. Erlebnisse sind das von wichtiger Prägung für die Individuen, und so verschmilzt Geschichtsschreibung mit persönlichen Glück und Unglück. Meist ist es allerdings ( siehe das Zitat oben) nur ein kurzes, bescheidenes Glück. Immer wieder kommt das Selbstmitleid durch, wenn die Hauptpersonen erkennen, wieder einmal nur ein Zaungast der Weltgeschichte geblieben zu sein. Die Erzählungen berichten nur von kurzen Siegen, meistens jedoch von Niederlagen und Scheitern. Könnte es ein, dass dies damit zusammenhängt, dass der Autor und auch seine Protagonisten noch immer nicht begriffen haben, dass die Welt anders ist und funktioniert, als man es sich in seiner Jugend erträumt hat ? Könnte es sein, dass ein revolutions- und befreiungsnostalgisches Beharren in der Vergangenheit geradezu verhindert, dass man heute dort beharrlich sich einmischt, wo es angesagt wäre ? Könnte es sein, dass man so seinem eigenen möglichen Glück und einen durchaus erfüllten Leben mitten in einer sicher nicht vollkommenen Welt dauernd im Wege steht ? Könnte es ein, dass man deshalb reifes Erwachsenwerden und das Finden der Mitte mit Vertrotteltsein verwechselt ? |
|
|
Die Glasglocke (suhrkamp taschenbuch) von Sylvia PlathTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 4,95, Angebote ab EUR 3,94 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518393545, Erscheinungsdatum: Mai 1998, Auflage: 5 |
5 Kundenrezensionen:...aber nicht lesen bei Depressionen! 5 von 5 PunktenIm einzigen Roman der depressiven Autorin geht es im Wesentlichen ums Erwachsenenwerden und den Sinn im Leben. - Esther Greenwood ist erfolgreiche und pflichtbewußte College-Studentin. Ein Volontariat bei einer Modezeitschrift in New York läßt sie einen Blick auf die Banalitäten des Alltagslebens und auch der Interessen der anderen jungen Frauen, deren Leben sich nur zwischen Partys und Männerbekanntschaften abspielt, werfen. Als sie nach ihrer Rückkehr nicht in ihrem gewünschten Studiengang Literatur aufgenommen wird, bricht für sie eine Welt zusammen, und sie verbleibt völlig haltlos und ohne Ziel. Ich kannte Sylvia Plath nur dem Namen nach und habe leider keines ihrer Gedichte gelesen. Ich muß aber sagen, daß dieser Roman mir wirklich unter die Haut ging und mich stellenweise selbst depressiv gemacht hat - so plastisch wird die Krankheit Depression hier stellenweise geschildert. Es ist nicht überraschend, daß sich die Autorin kurz nach Veröffentlichung dieses Romans selbst das Leben nahm. Vermutlich hat sie hier eigene Erlebnisse und Empfindungen einfließen lassen. Fazit: Ein sehr gutes Buch, nachdam man mal über den "Jungmädchenerlebnisse-Anfang" hinausgelesen hat. Man sollte sich aber gut überlegen, wann man es liest - bitte nicht während einer Sinnkrise! Zeitloses Meisterwerk 5 von 5 PunktenManche Bücher sind ein etwas schwierig zu rezensieren, weil sie einem viel abverlangen, oder weil man durch sie mehr von sich preisgeben könnte, als man eigentlich möchte. "Die Glasglocke" ist ein solches Buch. Ich versuche es dennoch. Die "Geschichte" (eigentlich ist es in großen Teilen eine Autobiographie) spielt im spießigen Amerika der 50er Jahre, das unserer Zeit an manchen Stellen allerdings erschreckend ähnlich ist, und handelt von der Studentin Esther Greenwood, die ein Stipendium an einem angesehenen College hat. Zu Beginn des Buches weilt sie in New York und arbeitet dort für eine Zeitung. Als sie für den Sommer zurück nach Hause kommt, erwartet sie dort ein Brief; sie wurde für einen Sommerkurs nicht angenommen. Kurze Zeit später versucht sie sich das Leben zu nehmen und kommt in die Psychiatrie. Esthers Lebensweg scheint vorherbestimmt: College, nebenbei Steno und Maschineschreiben lernen, damit sie als Sekretärin arbeiten kann und dann ein Leben als brave Hausfrau und Mutter. Doch sie kann sich damit nicht anfreunden, überhaupt geht sie eher teilnahmslos durchs Leben. Sie schildert ihre Zeit in New York kühl und distanziert bis angeekelt. Die Partys, die anderen Mädchen mit denen sie von einem gesellschaftlichen Ereignis zum nächsten gejagt wird, all das ist nicht ihre Welt, all das erfüllt sie nicht. Die Frage was sie eigentlich will stellt sich häufiger, die Antwort findet sich eher zwischen den Zeilen. Sie will Wahlfreiheit, sie will sich nicht entscheiden müssen und sie will selbstbestimmt leben, auch wenn das bedeutet eben keine eindeutige Entscheidung zu treffen. Ihre Wahl ist die Nicht-Wahl, das gleichzeitige Nutzen zweier Alternativen. Buddy Willard, der Medizinstudent und All-American-Boy, der ihr Mann werden sollte, nannte sie deswegen neurotisch. Esther gab dies bereitwillig zu, einer der wenigen Moment im Buch, in denen ein bisschen Emotion durch ihre Fassade zu erkennen war. Als sie schließlich über den Sommer zu Hause festsitzt, verschlechtert sich ihr Zustand sehr. Sie kann nicht mehr schlafen, ihre Verweigerungshaltung, die vorher nur in Ansätzen zu erkennen war, ist auf dem Höhepunkt. Sie sucht sich keine anderen Sommerkurse, sie ruft sogar im College an und hört sich selbst sagen, dass sie keine weiteren Kurse belegen wird. Sie versucht einen Roman zu schreiben, kommt aber nicht über die ersten Zeilen hinaus. Ihre Mutter will ihr Stenographie beibringen, doch Esther weiß keinen Beruf den sie ausüben wollte bei dem man das bräuchte. Sie überdenkt alle Möglichkeiten die sie hat und verzweifelt daran dass sie scheinbar nichts kann. In ihre Gedanken mischen sich immer öfter Überlegungen wie sie sich selbst töten kann, sie versucht sich zu ertränken, kauft sich Rasierklingen, schafft den entscheidenden Schritt allerdings erst als sie Schlaftabletten nimmt und sich in einer Nische im Keller versteckt. Esther kommt schließlich durch ihre Gönnerin in eine private psychiatrische Anstalt, wo sie erstmalig von einer Frau behandelt wird. Die Behandlung durch einen männlichen Psychiater vorher, hatte ihr außer einer traumatischen Elektroschockbehandlung nicht weiterhelfen können. In der Klinik werden ihre Depressionen langsam weniger, die Glasglocke, die sie von der Außenwelt abtrennt und sie gleichzeitig zum Forschungsobjekt für andere macht, hat sich angehoben und lässt einen "Luftzug" zu ihr herein. So seltsam wie es auch klingen mag, letztendlich erreicht Esther Selbstbestimmung durch Empfängnisverhütung. So kann sie Erfahrungen machen, ohne direkt befürchten zu müssen ein Baby zu bekommen. Sie muss Buddy Willard nicht heiraten, der so bigott ist und von ihr erwartet Jungfrau zu sein, während er selbst jede Menge Erfahrungen gesammelt hat. Sie muss das Bild der Frau als unterstützendes Anhängsel eines Mannes nicht erfüllen, die zu Hause bleibt, während ihr Mann Karriere macht und sich Geliebte hält. Ihr stehen alle Wege offen. Das mehr oder weniger positive Ende wird allerdings dadurch getrübt, dass sich Esthers reales Alter Ego Sylvia Plath letztendlich doch das Leben genommen hat. Plaths Glasglocke ist ein wahres Meisterwerk! Sie versteht es mit ihre wunderschönen Sprache Bilder zu malen die eindrücklich sind und gleichzeitig sehr unaufdringlich. Man muss allerdings ebenso zwischen den Zeilen lesen können, denn vieles erschließt sich auch aus dem was sie nicht schreibt. Wer sich jemals in einer emotional ähnlichen Situation befunden hat, wird sicher vieles von Esther in sich wiedererkennen. Es ist eine wirkliche Schande, dass diese Plaths einziger Roman ist, mit ihr ist ein großes Talent verloren gegangen! Verstörend, aber sehr gut 5 von 5 PunktenIch bedauere aufrichtig, das die "Glasglocke" der einzige Roman von Sylvia Plath ist. Ansonsten würde ich mir sofort weitere zulegen. Erstmal zum InhDie ehrgeizige und talentierte Literaturstudentin Esther Greenwood hat ein vierwöchiges Volontariat bei einer New Yorker Modezeitschrift gewonnen. Die Metropole rührt sie in vielerlei Hinsicht auf: Das ihr anerzogene Pflichtgefühl passt nicht zu der ungewohnten Freiheit in der Großstadt. Sie sehnt sich nach ersten sexuellen Erfahrungen, möchte aber gleichzeitig die Erwartungen ihrer Mutter und ihres Freundes Buddy nicht enttäuschen. Bei der Rückkehr aus New York erfährt sie, dass sie nicht zu dem Schriftstellerkurs angenommen wurde, auf den sie sich gefreut hatte. Esthers innere Zerrissenheit und die Langeweile in der Kleinstadt vergrößern die Depression des Mädchens, das schließlich von ihrer Mutter an einen Psychologen verwiesen wird. Er unterzieht sie einer Elektroschocktherapie, worauf Esther verschiedene Selbstmordmethoden ausprobiert. Nach einem Suizidversuch erkennt Esther im Krankenhaus, dass sie sich immer »unter der gleichen Glasglocke« befindet, gleich, ob sie »auf dem Deck eines Schiffes oder in einem Straßencafé in Paris oder Bangkok« saß. Kurz vor der Entlassung »aus der Anstalt« lernt sie Irwin, einen Mathematikprofessor, kennen, der sie defloriert. Durch die sexuelle Erfahrung gestärkt, verkraftet sie den Freitod ihrer Freundin Joan ebenso wie die Trennung von Buddy, der ihr mit Blick auf die Zeit, die Esther in der Nervenheilanstalt verbringen musste, die Frage stellt: »Ich bin gespannt, wer dich jetzt heiratet, Esther.« In diesem Satz kulminiert die gesamte Spießbürgerlichkeit der amerikanischen Gesellschaft, die Esthers Leiden ausgelöst hat. Dieser Roman ist eine schonungslose Abrechnung an der amerikanischen Gesellschaft, welche keine eigenen, andersartigen Individuen zulässt. Ein Zustand, an dem sich bis heute nicht geändert hat. Und auch, wie Esther an ihrer Selstverwirklichung scheitert. Sie landet in der Anstalt und wird mehr gequält als behandelt. Beim Lesen schwankte ich zwischen Mitgefühl und Wut. Nichts für schwache Nerven, aber unbedingt lesen. Fazit: Unbedingt Lesen! 5 von 5 Punkten"Die Glasglocke" ist mein absolutes Lieblingsbuch. Ich habe es in Einem durchgelesen und war danach selbst entsetzt und deprimiert. Gut, das klingt jetzt nicht gerade positiv, aber ich will damit nur andeuten, dass die Stimmung und die Gefühle so fesselnd und anschaulich beschrieben sind und dermaßen gut rüber kommen, dass ich mich selbst hinein versetzt fühlte. Dieses Buch regt zum Nachdenken an, der Stil ist großartig, die Geschichte schockierend und atemberaubend. Ich kann "Die Glasglocke" besten Gewissens jedem empfehlen, der sich nicht nur auf der eher seichten Seite der Literatur befindet. Wie unter einer Glasglocke" 5 von 5 Punktenfühlt sich Sylvia Plaths Protagonistin Ellen Greenwood, die hin und her gerissen ist zwischen einer Karriere als Autorin und dem alten Rollenbild der Frau. Was heute ein offenes Thema ist, führt im Roman, der im Jahre 1953 spielt, die junge Frau immer tiefer in Zweifel, zu Misserfolgen und letztendlich in das schwarze Loch einer Depression. Auf einfühlsame Weise begleitet der Leser Ellen durch ihren düstere Sommer, die ihre Ängste nie frei ausspricht, sondern sich in Metaphern, Vergleiche oder Geschichten ausdrückt. Dadurch erhält die Geschichte einen besonderen Reiz, z.B. als sie ihr Leben mit irgendwann endenen Strommästen vergleicht oder sich eine neue Identität sucht, indem sie sich mit einen Künstlernamen vorstellt. Plath, deren Parallelen zu ihren eigenen Leben leicht zu erkennen sind, ihr Leben aber durch Selbstmord ein Ende setzte, schafft es zumindest fiktiv einen positiven Ausgang zu finden. |
|
|
Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Zwischen Revolution und Restauration. 1815 - 1848: BD 5 von Gert SautermeisterTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 19,94, Angebote ab EUR 12,35 ISBN: 3423043474, Erscheinungsdatum: November 1998 |
|
|
|
Tauben im Gras: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Wolfgang KoeppenTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 8,00, Angebote ab EUR 2,99 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518371010, Erscheinungsdatum: Januar 1974, Auflage: 26 |
5 Kundenrezensionen:Durchhaltungsvermögen ist gefragt 3 von 5 PunktenEin Gedankenfluss, scheinbar ohne Zusammenhang, endlose Sätze, das viele Papier, das man hätte sparen können, Deutschunterricht, Zentralabi... Komisch oder? Ja, das ist Koeppens Werk Tauben im Gras auch ein wenig. Der Text dieses Romans ist zu Hauf in fließenden Gedanken verfasst, wobei man manchmal den Gedanken bekommt "Jetzt denken sich die beiden gleich nieder". Ich kann an der Art, wie dieser Roman geschrieben ist, nichts anfangen. Sicher, diese schweifenden Gedanken (àla "wir sind alle ein wenig wie Tauben im Gras") tragen zum Gesamtbild dieses Romans bei, aber ich denke, dass man zu gunsten einer besseren Lesbarkeit diesen Stil hätte vereinfachen können. (Koeppen hatte vor, den Roman ohne Satzzeichen zu verfassen, um den Effekt noch zu verstärken, zum Glück wurde ihm das vom Verlag verboten!). Der Inhalt: Gute Sache. Das Bild der Nachkriegsgesellschaft ist (natürlich, sonst wärs ja keine obligatorische Lektüre fürs Zentralabi) ein sehr negatives. Ich finde allerdings, dass die einzelnen Charaktere gut gezeichnet sind und somit eine sehr intensive Ausstrahlung haben, die dem Werk zu gute kommt. Was mir weiter negativ auffällt ist z.B. das gleichsetzen der Charaktere mit mythischen Figuren. Dadurch soll ein Effekt erzielt werden, der mir selbst nach der Behandlung im Unterricht verborgen bleibt. Koeppen hat wohl ein wenig zu tief in die Trickkiste gegriffen, wie ich finde. Alles in allem muss man sagen, dass Koeppens Roman nicht so gut ist, wie es Reich-Ranicki beschreibt. Leider büßt der Roman durch sein kompliziertes Erscheinungsbild an seiner Qualität ein, dennoch kann man dieses Buch Freunden von Nachkriegsliteratur empfehlen. Allen Schülern, denen dieses Buch aufgezwungen wird kann man leider nicht voll und ganz beruhigen. Dieses Buch wird nur mit guten Lehrer erträglich. Atemlose Montage aus der Nachkriegszeit 4 von 5 PunktenWenn hier schon "Ulysses" als Vorbild zitiert wird (das es wohl auch war), dann seien doch auch "Manhattan Transfer" und gerade "Berlin Alexanderplatz" genannt. Gleichwohl ist "Tauben im Gras" ein Buch eigenen Rechts. In stakkatohaften Sätzen werden verschiedene Personen und Handlungen an einem Tag in München (?) am 20.2.1951 herum dargestellt. Heinrich Böll hat all die Themen ebenfalls behandelt, in Köln, schöner und weniger drastisch beschrieben. Koeppen hackt wie gesagt seine Sprache ab, das soll Tempo geben und einen inneren Monolog darstellen - doch wer denkt eigentlich nur in so bildzeitungshaft kurzen Sätzen? Vielleicht war auch Koeppens flinke Schreibe die Ursache: drei Monate reichten. Das Buch ist wie ein Film, ein Szenenwechsel folgt dem anderen. Koeppens "Tauben im Gras" lassen sich sehr wohl rasch und rauschhaft lesen (Wer es für den Deutsch-Leistungskurs lesen muss, darf sich diesen Luxus natürlich nicht erlauben). Ob übrigens ein greiser Kampfrezensent dies nun empfiehlt oder nicht - wovon ich vorher nichts wusste -, für mich hat "Tauben im Gras" vier Sterne verdient, nicht weniger, aber auch nicht mehr. "Eine Sekunde zum Atemholen, Atempause auf einem verdammten Schlachtfeld" 4 von 5 Punkten"Die Prosa des Romanciers Koeppen ist die zarteste und biegsamste, die unsere verarmte Literatur in diesem Augenblick besitzt", schreibt Hans Magnus Enzensberger. Marcel Reich-Ranicki lobt ihn gar als "Meister der deutschen Prosa". Tauben im Gras, das erste Buch einer Trilogie, erzählt die Geschichte eines einzigen Tages im Nachkriegsdeutschland. Ort der Handlung ist das von Amerikanern besetzte München. Koeppen verarbeitet verschiedene Handlungsstränge, die immer wieder ineinander übergehen. Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Religion, Reiche und Arme, Erfolgreiche und Gescheiterte, Alte und Junge begegnen sich, tauschen ein paar Worte aus und trennen sich wieder. Elegant sind Koeppens Wortspiele. Worte, mit denen ein Absatz endet, greift er spielend und wandelnd in der Einleitung des folgenden Abschnitts wieder auf. Ein Beispiel: "...Wann kam das Goldene Zeitalter, die hohe Zeit - Er war ein Hochzeiter. ...". Kurz und fragmentarisch sind seine Gedanken- und Geistesblitze. Sie symbolisieren die lückenhaften, beschädigten Gedankenwelten der Menschen, deren Werte- und Ordnungssystem zerbrochen ist und die nun versuchen aus den Scherben eine neue, heile Welt aufzubauen. Immer wieder wird der Text durch kursiv gedruckte Propaganda- und Zeitungsschlagzeilen unterbrochen: "Krieg um Öl", "Superbomber in Europa stationiert", "Fallschirmjäger nach Malta", "Vorsichtige Fühler, kein Krieg vor dem Herbst", lauten die Nachrichten, die auf das weltweite Gefahrenpotenzial und den Kalten Krieg hinweisen. Wie brüchig der Friede zwischen den Menschen ist zeigt die Schluss-Szene. Deutsche und Amerikaner fraternisieren bei Bier und Musik im Bräuhaus, doch das Misstrauen sitzt tief, eine falsche Nachricht ("Die Nigger haben ein Kind umgebracht") genügt, um die Menge aufzubringen. Steine fliegen gegen die Fensterscheiben des Negerclubs. Dann die mahnenden Worte Koeppens: "Die Steine, die Steine, die sie geworfen hatte, das klirrende Glas, die fallenden Scherben erschreckten die Menge. Die Älteren fühlten sich an etwas erinnert...Mit Scherben hatte es damals begonnen, und mit Scherben hatte es geendet". Koeppen ist ein leidenschaftlicher Verfechter von Toleranz und Völkerverständigung. Carla, die weiße Deutsche und ihr farbiger amerikanischer Freund Washington träumen von einer gemeinsamen Zukunft in einem Land, in dem keine Ressentiments herrschen: "Weiße unerwünscht, Schwarze unerwünscht ... Juden unerwünscht ... Carla und Washington würden das Lokal errichten, Washington's Inn, die Wirtschaft, in der niemand unerwünscht ist." In seiner Metaphorik begegnen wir dem Kreis, der Wiederkehr, der Rückkehr. Koeppen schildert die Ereignisse eines Tages, die Uhr dreht sich zwei Mal im Kreise und kehrt zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Der alte deutsche Dienstmann Josef, der als Soldat in der Fremde ,Reisende' tötet und von dem reisenden farbigen Odysseus getötet wird. Richard Kirsch, der amerikanische Soldat, der in das zerbombte Land der Väter zurückkehrt. Obermusikmeister Behrend, der sich im Krieg in ein tschechisches Mädchen verliebt und seine Tochter Carla, deren Mann im Krieg vermisst wird und die ein wenig Glück beim farbigen Soldaten Washington sucht. Koeppens beschreibt das Leiden der zu-kurz-Gekommenen ebenso, wie die mondäne Welt der Sieger und der Gewinner. Er greift mitten hinein in die bunte, pralle Welt der Reichen und Schönen, entlarvt aber auch deren Maskerade. Alexander, ein erfolgreicher Schauspieler, und seine Frau Messalina, eine dekadente Lebefrau, zählen zu den Gewinnern. Doch nach einer durchzechten Nacht sehen wir "Hundertsechzig Pfund Menschfleisch" auf dem Sofa liegen: "Man verwechselte Alexander mit seinem Schatten ... Er war ausgeheldet". Die Angst bestimmt die Handlungen der Akteure; Angst vor dem Schatten der Vergangenheit, Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor dem Zusammenleben. Wie Tauben im Gras flattern die Menschen "sinnlos und wertlos, frei und von den Schlingen bedroht, dem Metzger preisgegeben, aber stolz auf die eingebildete, zu nichts als Elend führende Freiheit von Gott". Nein, Wolfgang Koeppen ist kein Moralphilosoph. Seine Menschen leben und leiden. Sie sind nicht frei von Fehlern, oft nahe am Verzweifeln. Sie sind auf der Suche nach ein bisschen Glück und Geborgenheit. Gerade das macht ihre Züge so menschlich. Eine herausragende Hörspielbearbeitung 5 von 5 PunktenIn rascher Folge erschienen zwischen 1951 und 1954 Wolgang Koeppens "Trilogie des Scheiterns", die Romane "Tauben im Gras", "Das Treibhaus" und "Der Tod in Rom". Es ist wohl das Verdienst von Leonhard Koppelmann und Walter Adler, dieses sich auch in Buchform nicht leicht zu erschließende bundesrepublikanische Frühwerk über 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung als Hörspielbearbeitung vorzulegen. Doch nicht nur das, hier wurden keine Kosten oder Mühen gescheut. Eine Vielzahl prominenter (Axel Milberg, Rüdiger Vogler, Ulrich Noethen u.v.a.m.) und professioneller Sprecher, gepaart mit musikalischen Kompositionen und Arrangements von Günter Lenz machen dieses Hörbuch mit seinen 6 CDs zu etwas Außergewöhnlichem. Die Koproduktion mit hr, SWR und WDR aus dem Jahre 2009 hat ein solches Werk von ca. 425 Minuten wohl überhaupt erst möglich gemacht. Koeppens Trilogie wirft ein ernüchterndes Bild auf das Deutschland der 50er Jahre. Die alten Herren des Drittens Reichs spielen im ersten Teil Demokratie. Der zweite Teil zeigt die Oppositionsarbeit eines SPD-Abgeordneten im Bundestag der Adenauer-Ära gegen die Restauration alter Verhältnisse. Selten wurde der herrschende politische Schacher m. E. belletristisch so prägnant dargestellt. Der dritte Teil zeigt, wie die alte NS-Zeit noch Jahre nach Ende des Schreckensregimes bis in die tiefsten Ebenen einer Familie eingreift. Alles in allem sind dies bedrückende Zeitbilder, die den Leser / Hörer ratlos und bedrückt zurücklassen, denn Koeppen erstickt die Hoffnung auf einen politischen Neuanfang der jungen Republik mit seinem Werk, schreibt sie ins Reich der Illusion. Fazit: Eine überaus gelungene Hörspieladaption eines der - neben Heinrich Böll, Siegfried Lenz und Günter Grass - wichtigsten politischen Nachkriegsautoren Deutschlands. Koeppen beschreibt, wie die Zeit, die Menschen zu einem Kollektiv bindet und sie dennoch vereinsamen lässt 5 von 5 PunktenDer 1951 erschienene Roman "Tauben im Gras" von Wolfgang Koeppen ist ziemlich kompliziert und vielseitig in seinem Erzählstil. Ich musste mich zwingen ihn für meinen Deutsch LK zu lesen, muss aber sagen, dass der Roman sehr viel zum Nachdenken bietet. Durch die Montagetechnik und die Polyphonie erhält der Leser Einblick in unterschiedlichste Personen (insgesamt über 30 Stück). Alle Personen verbindet ein Schicksal: Sie kommen mit der Zeit nicht zurecht. Sie alle sind durchflutet von Angst und Perspektivlosigkeit/Gleichgültigkeit und finden keinen Halt. So irren sie im Roman durch die- von Koeppen allegorisch gewählte- Stadt München, quasi ohne "Sinn und Verstand". Die Personen kreuzen sich, aber nehmen doch nie aktiv am Leben des anderen teil. Koeppen vergleicht die Menschen in seinem Roman mit Tauben im Gras und verdeutlicht damit den Zufall der menschlichen Existenz, das "blinde Zusammentreffen" und eben das Kollektivschicksal was die Menschen belastet. Er verbindet Absätze durch Radiostimmen, die aus einem Kofferradio eines Amerikaners kommen, mit Schlagzeilen etc.- diese Übergänge wirken wie ein Echo, was zu einer anderen Person überführt und deren trostlose Sichtweise der Dinge. |
|
|
»Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude«: Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde Autobiografie von Arye Sharuz ShalicarTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 14,90 ISBN: 3423247975, Erscheinungsdatum: Oktober 2010 |
|
|
|
Erec: Text und Kommentar (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch) von Hartmann von AueTaschenbuch von Deutscher Klassiker VerlagPreis bei Amazon: EUR 16,00, Angebote ab EUR 14,99 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3618680201, Erscheinungsdatum: August 2007, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:Abenteuer eines mal eher unbekannten Artusritters 5 von 5 PunktenIch muß ehrlich gestehen, dass ich mir das Buch nur für die Uni gekauft habe. Ein Hang zum Mittelalter und zu Rittersagen war zwar da, doch Erec gehört nun nicht gerade zu den Artusrittern, die jeder sofort kennt, wie Lanzelot oder auch Iwein und doch geht es hier um einen interessanten Ritter, sowohl für Laien, als auch für Germanisten. Ich beginne mal mit den Laien. Diese haben hier eine Sage über einen sehr jungen Ritter und seine wunderschöne Frau (Enite), die sich beide noch im Leben beweisen müssen. Diesmal ist es kein Ritter, der seine Frau zu Hause lässt und alleine auf Abenteuer auszieht, sondern einer, der seine Frau mitnimmt und sich doch auch mal von ihr helfen lässt. Für Laien ist es auch sehr schön, dass die Übersetzung doch sehr nahe am Mittelhochdeutschen ist und von daher kann man so auch einen Einblick in die Sprache und Schriftkultur des Mittelalters bekommen. Für Germanisten wird es spannend, da Erec der einzige Artusroman ist, der sehr schön den doppelten Kursus aufzeigt. Erec geht den Weg zweimal und schafft es so immer weiter zu reifen, bis er letztendlich als guter König nach Karnant zurückkehren kann. Dies hat man in der Form und Klarkeit in keinem anderen Artusroman. Hartmann von Aue hat damit ein wahrlich großes Werk geschaffen und es wird in diesem Buch ausreichend gewürdigt. Die Behutsame Anpassung der Übersetzung fällt nicht arg ins Gewicht und selbst die Übersetzung ist daher sehr dicht am Original geblieben. Dieses Buch wird die Massen auch noch in Jahren, wenn nicht sogar Jahrhunderten zu fesseln wissen und sollte daher in keinem Bücherregal fehlen. Ein Ritter, wie er im Buche steht 5 von 5 PunktenMit Erec hielt der Artusroman Einzug in Deutschland. Hartmann von Aue, der das Werk um 1180 verfasste, war selbst kein Ritter; womöglich beflügelte gerade das seine dichterische Fantasie. Die Übertragung des französischen Epos Erec et Enide von Chrétien de Troyes ist jedenfalls frei genug angelegt, um als eigenständiges Werk gelten zu können. Das Buch erzählt - im mittelhochdeutschen Original in Paarreimen - von der großen Liebe und den heldenhaften Kämpfen des jungen Ritters Erec. Nachdem er Braut und Ehre schnell erworben hat, verfällt er so sehr der Minne, dass man ihm seine angebliche Tapferkeit nicht mehr abnimmt und er auf einer großen Abenteuerreise beweisen muss, dass er immer noch ein ganzer Mann ist. Hartmanns Epos handelt von der prekären Balance zwischen Ehre und Liebe innerhalb des höfischen Ethos und illustriert beide Werte in einer Reihe dramatischer Episoden. Es spielt in einer oft märchenhaften Szenerie und ist von markanten Figuren bevölkert - übermenschliche Kraft und überirdische Schönheit sind keine Seltenheit. Über das Leben im Mittelalter erfährt man im Erec kaum etwas, über den Mythos vom edlen Ritter dafür umso mehr. Große Literaur, große Unterhaltung 4 von 5 PunktenErec ist sehr unterhaltsam, wenn man auf Ritterkämpfe steht. Im Übrigen ist es der älteste Artusroman deutscher Sprache, daher auf jeden Fall bedeutende Literatur. Der Grund, warum dieses Buch von mir nicht 5 sondern nur 4 Sterne bekommen hat, liegt in den hohen Anforderungen an den heutigen Leser. Er muss sich in eine aus heutiger Sicht völlig fremde Denkweise, was Ehre und besonders die Rolle der Frau betrifft, hineinversetzen. Es ist folglich nicht zu empfehlen diesen Text z.B. aus feministischer Sicht zu lesen. Ähnlich verhält es sich mit den sehr detaillierten Beschreibungen von Roben und Sätteln etc., die aus heutiger Sicht merkwürdig und ermüdend wirken können. Der Entertainment-Faktor lässt jedoch über diese kleinen Makel hinwegsehen. Guter Zustand 3 von 5 PunktenDie persönlichen Anmerkungen im Buch verleihen diesem auch einen gewissen Charme, ansonsten ist es in gutem Zustand. Spannender Artusroman auch für Laien 5 von 5 PunktenHartmann von Aue schuf mit dem Erec" den ersten deutschen Artusroman nach französischem Vorbild und beschäftigt bis heute die Germanisten. Aber obwohl ich die Geschichte um Erec und Enite tatsächlich nur aufgrund des Besuchs eines entsprechenden Seminars gelesen habe, möchte ich mich dem Buch in dieser Rezension mal von der nicht-wissenschaftlichen Seite nähern: Dem mittelhochdeutschen Text wird in dieser Ausgabe eine neuhochdeutsche Übersetzung gegenübergestellt, sodass auch Laien - zu denen ich mich durchaus auch noch zählen darf - den Roman mühelos lesen können. Überrascht war ich zudem, dass sich die Übersetzung nicht etwa völlig fremd liest, sondern dass das Buch durchaus zu fesseln weiß. Nach der Vorstellung des jungen Erec führt Hartmann von Aue durch eine Reihe von Abenteuer, die durchaus bis heute spannend zu lesen sind. Bisweilen drängte sich mir der Gedanke auf, dass der Erec" nicht weit von heutigen Fantasy-Romanen entfernt ist. Der besondere Reiz aber liegt eben in der Tatsache, dass es sich hier um ein Original" handelt, was das Lesen für mich nur noch spannender gemacht hat. Jedenfalls habe ich über die Lektüre erst mein Interesse gefunden, mich eingehender mit dem Buch und dem Mittelalter zu beschäftigen. Hierzu empfehle ich Höfische Kultur" von Joachim Bumke - wohl das Standartwerk auf dem Gebiet und ebenfalls alles andere als spröde Universitätsprosa. Fazit: Bis heute bietet der Erec" Hartmanns von Aue gute Unterhaltung und lässt sich leicht und angenehm lesen. Vorwissen wird meiner Meinung nach nicht benötigt, um der Geschichte zu folgen. Für ein tieferes Verständnis für das Mittelalter und die damaligen Gepflogenheiten empfiehlt sich allerdings schon weiterführende Literatur. |
|
|
Präsenz (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) von Hans Ulrich GumbrechtTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 11,00 ISBN: 351829542X, Erscheinungsdatum: April 2011, Auflage: Originalausgabe |
|
|
|
Die Elixiere des Teufels: Werke 1814-1816 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch) von E. T. A. HoffmannTaschenbuch von Deutscher Klassiker VerlagPreis bei Amazon: EUR 15,00, Angebote ab EUR 8,85 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3618680171, Erscheinungsdatum: Februar 2007, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:Teuflische Versuchung 5 von 5 PunktenDer Roman Die Elixiere des Teufels begründete E. T. A. Hoffmanns zweifelhaften Ruf als ?Gespenster-Hoffmann?. Tatsächlich handelt es sich um einen Schauerroman mit allen Attributen guter Gruselunterhaltung. Es ist die Lebensbeichte des Mönchs Medardus, der von einem geheimnisvollen Teufelselixier kostet und das Kloster verlässt, um zu sündigen. Erst nach Morden und fleischlichen Freveltaten enthüllen sich ihm die geheimnisvollen und skandalösen Zusammenhänge seiner Herkunft: Er entstammt einem Geschlecht, auf dem ein alter Fluch liegt. Hoffmann versteht es wunderbar, eine unheimliche Atmosphäre heraufzubeschwören, und schreibt mitunter auch grotesk komisch. Die Leselust wird höchstens dadurch gebremst, dass den komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen nicht immer leicht zu folgen ist. Dass der Roman sehr viel mehr zu bieten hat als romantisches Gruseln, erkannte man in Deutschland erst im 20. Jahrhundert. Die Gefährdung des Menschen durch Identitätsauflösung, die Macht des Unbewussten, die Frage nach der Willensfreiheit ? all diese heute noch höchst aktuellen Themen werden im Roman behandelt. |
|
|
Überlebnis (suhrkamp taschenbuch) von Ulla BerkéwiczTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,50 ![]() 3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518462067, Erscheinungsdatum: November 2010, Auflage: 1 |
4 Kundenrezensionen:Ein peinliches Buch 1 von 5 PunktenDiese absolut sperrige, phantasielose und in künstlicher Sprache geschriebene Ansammlung von Klischees jedweder Art machen mich sprachlos. Dieses Machwerk hat kein gutsortierter Bücherschrank dieser Welt verdient. Vergessen ist verlieren, ist Verlorensein 4 von 5 PunktenUlla Berkéwicz, Chefin des Suhrkamp-Verlages, hat schon einige Bücher über das Sterben geschrieben. In dem jetzt vorliegenden Text jedoch geht es um den Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, dessen Todeskampf aus Sicht der überlebenden Ehefrau geschildert wird. Die Autorin spannt den Bogen von ihrem ersten Toten zum Heute. Alexander nannte sie ihn damals und er war ein Igel in der Hand eines kleinen Mädchens. Es gab danach alte Frauen und junge Männer, deren Sterben sie begleitete. Die früheren Toten mit ihren Geschichten lenken ab vom Schmerz, von heißen Pfingsttagen und einem Herbststurm im Jahr 2002. Die kursiv gesetzten Zwischentöne über religiöse Bräuche und Lehren und immer wieder die griechische Tragödie stellen das Sterben dieses Mannes ins Rampenlicht. Die Autorin sieht die Blitzlichtgewitter aus den Büschen, Ferngläser hinter den Nachbarfenstern, sie kann nichts dagegen tun. Jedes Flüstern noch auf dem letzten Rang hörbar wie im antiken Theater. Das Krankenhaus wird als unmenschlichster aller Orte dargestellt, beherrscht von Maschinen, die Menschen sich ausdachten, um nicht selbst teilhaben zu müssen am Sterben, und von Menschen, die selbst zu Maschinen geworden sind, herzlos und brutal. Und auf dem Fensterbrett die Kladde, in die die Ärzte und die Pfleger schreiben, was sie dem Kranken spritzen, was der schluckt, seine Befunde und Befindlichkeiten. Sonst nichts von ihm hier, keine Spur, die nicht mit einem leichten Wisch zu löschen wäre. Der Mittag rauscht, die Apparate rattern, das Röcheln nebenan wird mir vertraut. Die Autorin leidet bitterlich und reagiert verbittert auf alle, die nicht leiden, nicht mitleiden an der vorweggenommenen Trauer. Ulla Berkéwicz stellt ihr psychisches Herzweh dem physischen des Mannes gegenüber. Wie das Theater ist die Krankheit eine Krise, die mit Tod, mit Wahnsinn oder Heilung endet. Wie ein Theatertext liest sich das Buch über lange Strecken, schafft sich einen eigenen Rhythmus der Worte, der Silben gar, bricht wieder aus und demonstriert bis in die Wahl der Buchstabenfolgen die Zerrissenheit der Erzählerin. Lyrische Prosa, seitenweise wie ein Gedicht, in seiner besten Form, der verdichteten Sprache. Es ist ein Buch in hoher sprachlicher Qualität, etwas bildungslastig und in seinem persönlichen Schmerz manchmal sehr ungerecht. Die Geschichten der jüdischen Großmutter von Belavodje, dem anderen Land, von Fania, die Süßigkeiten schachtelweise aß, von Alik und seiner Zeitfabrik, lassen diesen Text zu mehr werden als einer Schicksalsbeschreibung. Die Angst, die mich treibt, ist die, zu vergessen., wiederholt die Erzählerin in abgewandelter Form. Der Mann, den die Titelseiten zeigten und zeigen, hat in diesem Buch kein Gesicht, keine Geschichte außer der einer tiefen Liebe, außer der der Angst. Es ist kein Buch über den Mann, kein Buch über die Frau. Erzählt wird die Geschichte der schmerzhaftesten Trennung überhaupt, und davon, dass alle vorherigen Erlebnisse, Tode von Igeln oder lieben Freunden, uns nicht vorbereiten können auf den nächsten Schmerz. Ein literarisches und persönliches Zeugnis von großer spiritueller Tiefe 5 von 5 PunktenUlla Berkewicz hat ein Buch geschrieben über Siegfried Unseld, jenen genialen Suhrkamp-Verleger, mit dem sie lange Jahre verheiratet war. Es ist keine Biographie; es ist ein schmaler Band über das Sterben. Ein Buch über die Frage, was das Sterben bedeutet, wie Menschen damit umgehen und wie sie aus dem Tod ein "Überlebnis" machen. Schon einmal hat Ulla Berkewicz über den Tod geschrieben, vor 25 Jahren in ihrem Debütroman "Josef stirbt". Doch dieses Mal, vier Jahre nach dem Tod von Siegfried Unseld, ist es etwas anders. Da schreibt nicht eine noch relativ unbekannte Autorin. Da schreibt die Witwe und umstrittene Nachfolgerin eines der erfolgreichsten und schillerndsten Verleger des Landes und daraus wird, ob sie es beabsichtigt hat oder nicht, eine literaturpolitische Inszenierung. In einem Interview hat sich Ulla Berkewicz überrascht darüber geäußert, das alle Kritiker in dem ausschließlich "der Mann" genannten Menschen, der da an Pfingsten schwerkrank ins Krankenhaus kommt und im Herbst zu Hause stirbt, immer und sofort ihren Mann Siegfried Unseld identifizieren wollen. Sei es wie es ist. Vielleicht lenkt eine direkte Identifikation auch ab von der literarischen und, ja, ich wage es so zu nennen, spirituellen Dimension des Buches. Immer wieder reflektiert Ulla Berkewicz ihre Erfahrungen in ihrem "Kindheitshaus", erinnert sich ausführlich an die Gedanken über Leben, Sterben und Weiterleben ihrer jüdischen Großmutter. Während sie in nüchternen Worten, in denen aber immer wieder die große Liebe zu dem Mann" durchscheint, ihre Beziehung zu ihm beschreibt während der verschiedenen Phasen seiner Krankheit und seines Sterbens, kommt sie immer wieder auf die Spiritualität ihrer Großmutter Alika zurück. Sie gibt ihr Kraft, wohl auch während sie das Buch, vier Jahre nach dem Tod des eigenen Mannes, schreibt, Kraft und Orientierung. Ulla Berkewicz ist vielleicht auch deswegen in der Verlagswelt als Nachfolgerin von Unseld so umstritten gewesen, weil sie mit ihren Gedanken und Gott und die Welt, mit ihrer Sicht der Religion nicht in das rationale Welt- und Verlagsbild von Suhrkamp" zu passen scheint. Doch sie hat sich durchgesetzt; es war ihre Idee, den Verlag der Weltreligionen zu gründen, von dem man schon nach kurzer Zeit sagen kann, dass er die intellektuelle Welt mit zahlreichen wegweisenden Büchern fordert und bereichert. Ihr vorliegendes Buch ist in einer dichten poetischen und sehr spirituellen Sprache geschrieben. Es hat mich sehr berührt und mir wichtige Gedanken über den Tod und das Sterben geschenkt. Wie sie schreibt, das sollen einige Zeilen zeigen, in denen sie schildert wie sie sich fühlt, als "der Mann" eben gestorben ist: "Und jetzt kommt das reine Hernach: Nichts hat mehr Angst, nichts weiß noch, nichts erinnert, nichts atmet, nichts bewegt sich, nichts erzählt. Gewickelt um den, der nicht mehr krank war, weil er tot war und verwachsen mit ihm, vertraut. In seiner Spur, auf seiner freien Bahn, war mir das Bällchen, mein Bällchen aus der Hand gerutscht, war fortgerollt, ich musste nach. Zurück. Und hier beginnt die Erzählung wieder und wieder: Ich fand uns wieder, ich fand uns vor. Sind wir jetzt freie Menschen oder keine mehr? Totwerden ist Kaltwerden, es dauert länger, als man denkt,. Bettleibchen, Sturmgardine, Sterbeleute, wunde Knie, blonde Zöpfe. Er sah mich groß und offen an, es war schon hell, es war schon morgen. Die Gläser hatten aufgehört zu klirren. Die Hand tat weh, die Swatch fing wieder zu ticken an. Augen, von denen niemand weiß, was sie noch sehen, werden zugedrückt, man hält dem Blick nicht stand, entsetzt sich, die Ewigkeit schaut einen an." Dieses Buch lesend, vor allen Dingen die Reflexionen der jüdischen Großmutter, bekam ich einen Vorschein dessen, was Ewigkeit in den Traditionen der großen Religionen bedeuten könnte. Ein wunderbares Buch, das man wohl tatsächlich besser liest, ohne dauernd daran zu denken, hier werde das Sterben Siegfried Unselds beschrieben. Man geht dann an der spirituellen Tiefe des Buches vorbei. Eine sperrige, aber nicht uninteressante Lektüre 3 von 5 PunktenIn "Überlebnis" beschreibt die Autorin auf sehr persönliche Weise das Sterben "des Mannes", in dem man unschwer Siegfried Unseld erkennt. Manche Stellen in diesem dünnen Buch haben mich sehr berührt und beeindruckt. Was mir nicht gefallen hat, war die sperrige Erzählweise und die sehr "literarische" Sprache. Auch gleiten vor allem die Krankenhausszenen für mein Empfinden mehr als einmal ins Klischee ab (der "faschistische" Pfleger, die Krankenschwestern). |
|
|
Einfach so: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Lily Brett, Anne LöschTaschenbuch von Suhrkamp VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,50, Angebote ab EUR 0,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3518399691, Erscheinungsdatum: Mai 2003, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:charmant 4 von 5 Punkten"Einfach so" ist ein Roman, der seinen Leser auf vielfältige Weise in seinen Sog zieht. Die faszinierenden Stadt New York, die Familiengeschichte der Protagonistin, auch und gerade ihr Alltagsleben, ihre kleinen Beobachtungen und Macken (Toll ist die Friehofsliebe!) machen einen großen Teil des Charmes dieses Textes aus. Der Roman liest sich leicht und sehr interessant. Aber es fehlt ihm das letzte Tüpfelchen, der entscheidende Coup de foudre, ein Knall oder irgend etwas in der Art. Jedenfalls hat es mir gefehlt ... liebenswert neurotisch 5 von 5 PunktenIch habe von Lily Brett zuerst das Buch Zu sehen gelesen, und nun dieses. Zuerst war ich ein wenig enttäuscht, daß dieses in der dritten Person geschrieben ist. War ich doch von Zu sehen das uneingeschränkt Autobiographische und entwaffnend Ehrliche der Autorin als Ich-Erzählerin gewöhnt. Ziemlich schnell wird jedoch klar, daß es sich bei Esther Zepler in Einfach so um Lily Bretts Alter Ego handelt. Auch dieses Buch besticht durch Ehrlichkeit und Offenheit. Man gewinnt die vollkommen neurotische Esther Zepler sehr schnell lieb. Es passiert nicht viel im Buch. Große Teile nimmt die Beziehung zu ihrem Vater ein. Da geht es um New York, um Kaffee trinken, um ganz normales Familienleben, um ihre schwangere Freundin, die dauernd und sehr detailliert über Sex redet, um die Liebe zu ihrem Ehemann. Alles nicht spektakulär, aber diese Normalität ist witzig und mit einem sehr genauen Blick für Komik in alltäglichen Situationen geschrieben. Gespräche werden wiedergegeben, die die Kommunikationsmuster normaler Familien auf sehr erheiternde Weise entlarven. Den Stil könnte man als kurz und knackig bezeichnen. Lily Brett schreibt kurze Sätze, sie kommt schnell auf den Punkt, sie spitzt zu. Wer Actionromane mag, ist hier falsch, wer nach der Komik im Alltäglichen sucht, wird dieses Buch und seine Protagonistin lieben. ...einfach lebensnah 5 von 5 Punktenein großartiges buch von einer frau sensibel erzählt. es gibt kaum handlung, nur diologe, erinnerungen, alltägliche erlebnisse... dennoch fühlt man mit der heldin esther einer jüdisch australischen journalistin, die in new york lebt. es baut sich trotz alltäglicher szenen ein ungeheuer mitreissender erzählsog auf. die themen kreisen um tod, psychoanalyse, lebensbewältigung, kunst, judentum, aufarbeitung des holocaust,... keine leichten themen - trotzdem steckt sehr viel humor in dem buch, vor allem in den szenen mit dem großartigen, skurillen vater edek. man kann sich ein wunderbares bild vom leben in new york machen - für mich ein "sex and the city" für anspruchsvolle gemüter. es gibt keine langweilige zeile, das buch ist von anfang bis ende ein durchkomponiertes, kleines kunstwerk! absolut empfehlenswert!! Schön 4 von 5 PunktenEin schönes Buch. Ich glaube, dass vor allem Frauen die Romane von Lily Brett lesen. Schließlich schreibt sie fast ausschließlich über neurotische Großstadtfrauen, die sich mit ihren alternden Eltern, ihren Ehemännern und erwachsen werdenden Kindern auseinander setzen. Das ist erfrischend. Zuweilen erreicht die Autorin den Woody-Allen-Humor. In diesem Roman geht es um eine jüdische Frau mittleren Alters, die mit ihrem Mann, einem Künstler, und ihren Kindern in New York lebt. Ihre Eltern haben Auschwitz überlebt. Sie muss mit den Folgen der Shoa leben. Was bedeutet das für die zweite, die dritte Generation der Überlebenden? Lily Brett gibt sehr anschauliche und einfühlsame Antworten. Nur leider wiederholt sie sich in ihren Büchern. Ich habe jetzt mehrere gelesen: "Zu viele Männer", "Einfach so" und "Zu sehen". Stets geht es in diesen Bänden um jüdische Großstadtfrauen mittleren Alters, die immer die selben Probleme haben. Immer das gleiche Setting, die gleichen Fragen. Es ist eine große schriftstellerische Leistung, sich dieses Themas anzunehmen. Aber es wäre toll, wenn Lily Brett sich auch mal anderen Fragen und anderen Milieus annehmen könnte. ein buch von lily brett reicht, um alle anderen zu kennen 3 von 5 PunktenIch habe drei Bücher von ihr gelesen (einfach so, zu viele Männer...) und in jedem kommen die gleichen Geschichten vor, selbst die Eltern der unterschiedlich benannten Heldinnen heißen gleich (Edek und Rooshka), identische Geburts- und Kindheitsgeschichten, selbst die Adressen der Cafes in NY sind stets die gleichen, vom Schicksal der Eltern und Verwandten ganz zu schweigen. Mich stören ihre Vorurteile gegen Polen und Deutsche, welche sie unverblümt immer wieder deutlich macht. Man kann vieles verstehen, wenn man die Vergangenheit der Eltern kennt, aber es gibt ein HEUTE und wir sollte etwas toleranter und verständiger sein und nicht einfach ganze Völker abstrafen. Sie schreibt gute Geschichten und witzige, manchmal sehr ins Detail gehende, bis an die Grenze der Geschmacklosigkeit reichende Fäkalanalysen; trotzdem reicht es , ein Buch von Lily Brett zu kennen, denn dann kennt man alle. Wenn man alle ihre Bücher lesen würde, könnte man sich einen Termin bei Analytiker besorgen, so wie stets alle ihre Heldinnen... |
|
...
Impressum
• Kontakt
• Startseite
• Produktkategorien
• Geschenkgutscheine
•
Auf diesen Link bitte nicht klicken A-Z Buch Gebrauchte Bücher Bücher suchen Tantra
Auf diesen Link bitte nicht klicken A-Z Buch Gebrauchte Bücher Bücher suchen Tantra
Gewisse Inhalte, die auf dieser Website erscheinen, stammen von AMAZON EU SARL.
Diese Inhalte werden so, wie sie sind zur Verfügung gestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.


