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Liebesfluchten (Diogenes Taschenbuch) von Bernhard SchlinkTaschenbuch von Diogenes VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 2,49 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257232993, Erscheinungsdatum: April 2002, Auflage: 12., Aufl. |
Aus der Amazon.de-RedaktionBernhard Schlink hat eigentlich alles erreicht. Er ist Professor der Jurisprudenz in Berlin und entsprechend hoch angesehen. Der 1944 geborene Jurist -- und nur als solcher wird er im Klappentext vorgestellt -- feierte mit seinem Roman Der Vorleser einen Welterfolg. Nun liegt das zweite Werk des Autors vor: Liebesfluchten. Im Audiobook zum Erzählungsband gibt es drei der sieben Geschichten -- zum Besten gegeben von Bernhard Schlink selbst. Und sie haben eines gemeinsam: Es geht um Menschen, die plötzlich von der Vergangenheit eingeholt werden. War es im Vorleser noch die Zeit des Nationalsozialismus, ist es jetzt unter anderem auch die Stasi. Von Verrat ist da die Rede, von bitteren Anschuldigungen. Und von Tratschtanten, die nichts für sich behalten können. Bernhard Schlink erzählt mit einfachen Sätzen, ohne banal zu werden. Seine Geschichten leben durch seine klare Sprache, aber auch durch den Mut, mit dem er etwa das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Juden angeht. Es wird nur unbedeutend durch den Ort der Handlung -- New York -- entkrampft, wie etwa in der Geschichte "Die Beschneidung". Da ist die deutsche Vergangenheit wieder da: "Ich kann es nicht mehr hören: Der Nazi in mir der Deutsche in mir...". Die junge Generation, die Hitler nur aus Büchern kennt, gerät wieder unter Rechtfertigungsdruck. Schlink erhebt keine Anklage gegen irgendwen, moralisiert nicht, sondern erzählt einfach. Weitere Geschichten aus der Buchvorlage sind "Die Frau an der Tankstelle" und "Der Andere". Spieldauer: 74:53 Minuten. 4 CDs, auch erhältlich als Hörbuch auf Kassetten. --Corinna S. Heyn, Thorsten Mücke 5 Kundenrezensionen:Sensibel 5 von 5 PunktenZu: Der Andere: Ein Witwer entdeckt, dass seine verstorbene Frau einstmal ein Verhältnis mit einem anderen Mann hatte. Er lernt seinen Nebenbuhler kennen, erkennt ihn als Hochstabler und Schönredner, verachtet ihn und schmiedet Rachepläne. Schließlich aber muss er lernen, was seine Frau an dem Anderen fand, warum sie bei ihm glücklich war, obwohl sie ihren Ehemann liebte. "Der Andere" ist eine höchst sensible und spannende Geschichte. Verschenken oder selber lesen 5 von 5 PunktenDiese 7 Kurzgeschichten beschreiben atmosphärisch dicht und stimmungsvoll ganz verschiedene Aspekte der Liebe, wie z.B. Misstrauen, Eifersucht, Enttäuschung, Vater-Sohn-Liebe, Liebe zwischen sehr alten Menschen, Betrug und (wie immer bei Schlink) Schuld. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr gefühlvoll dargestellt. Das Buch lebt von der Beschreibung wie Gefühle durch nonverbale Kommunikation übermittelt werden, also vor allem durch Austausch von Blicken, bestimmten Körperhaltungen oder auch Handlungen. Jede Geschichte ist für sich abgeschlossen, beinhaltet seine eigene Lehre oder Schlussfolgerung und lässt sich flüssig und schnell lesen. Jeder wird eine Geschichte für sich in diesem Buch finden, die ihm besonders zusagt, aber trotzdem den ganzen Band wertschätzen können. Es ist ein ideales Buch zum Verschenken, auch weil es gute deutschsprachige Literatur ist und das von einem mit Preisen ausgezeichneten Autor. Ideal für den Urlaub 5 von 5 Punkten"Der Vorleser" hat mich schon fasziniert, so war ich sehr gespannt auf die Kurzgeschichten von Bernhard Schlink. Jeden Morgen habe ich im Urlaub eine Geschichte vor dem Frühstück gelesen, ideale Länge! Schlink schaffte es mit jeder Geschichte, die bei demselben Thema alle so unterschiedlich sind, mich in den Bann, mich in die Welt des Erzählers zu ziehen. Ich denke, dass sich jeder in den Problemen mit der Liebe, die in den Geschichten detailliert beschrieben werden, wiederfinden kann. Tolles Buch! Leicht geschrieben und doch tiefsinnig - lädt zum Diskutieren ein! 5 von 5 PunktenWir haben dieses Buch in dem "deutschen Litteraturcirkel" gelesen, den ich in Schweden an einer Volkshochschule halte, da mein Ziel ist, nicht nur die deutsche Sprache zu vermitteln, sondern auch die deutsche Geschichte und Mentalität begreifbar zu machen. Dazu ist dieser Erzählband sehr gut geeignet! Alle 7 Erzählungen sind ungefähr 50 Seiten lang, gerade richtig, um sie auf einen Schlag lesen zu können und nicht den Überblick zu verlieren. Die Teilnehmerinnen fanden Berndt Schlinks Sprache sehr ansprechend und die Handlung der Geschichten einfach zu verstehen. Sie nehmen meist eine unerwartete Wendung und lassen immer Fragen offen, denn sie haben alle einen tieferen Hintergrund, über den wir ausgiebig diskutieren konnten. In jeder Erzählung ist es ein Mann, der sich dem eigentlichen Anspruch den das Leben an ihn stellt, entzieht, er befindet sich auf der Flucht vor der Liebe (Titel!). Der Leser wird selber stark gefühlsmäßig beteiligt. Manche meiner Litteraturcirkel-Teilnehmerinnen entwickelten eine richtige Abneigung gegen einen Protagonisten, die sich dann plötzlich in Mitleid auflöste. Je länger wir über die Geschichten diskutierten, desto vielschichtiger wurden sie! Auf keinen Fall wird man ihnen gerecht, wenn man sie nur kurz runterliest und dann sagt "Aha! Und nun zur nächsten!". Sondern man sollte sie vielleicht zwei mal hintereinander lesen. Meisterwerk neuer deutscher Literatur 5 von 5 PunktenBerhard Schlink schafft es auch in seinem neuen Buch in seiner unnachahmlichen und gefühlvollen Art sieben tiefgründige Geschichten darzustellen. Dabei durchlaufen seine Figuren die Irrungen der Liebe und Sehnsucht in all ihrer Gänze. Grandios kleidet Schlink seine Erzählungen in wichtige Abschnitte der deutschen Vergangenheit, wie zum Beispiel das Leben im Dritten Reich oder Stasi- Vergangenheit und Mauerfall. So begegnen nicht nur die Figuren sich selbst und ihrer Vergangenheit, auch der Leser durchlebt diese nochmals und macht so einen Schritt zur eigenen Vergangenheitsbewältigung. Dieses Meisterstück der neuen deutschen Literatur kann daher nur bestens empfohlen werden. |
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Das Wochenende von Bernhard SchlinkBroschiert von DiogenesPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 4,25 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257239653, Erscheinungsdatum: Januar 2010, Auflage: 1 |
5 Kundenrezensionen:leise Dramatik 5 von 5 PunktenDie story plätschert erst recht leicht daher und nimmt dann strudelartig an Tempo zu. Schließlich bringt Schlink fast alles in einem Satz auf einen Punkt. Es ist aber kein Rundumschlag sondern nur eine Geschichte, die stellvertretend sein kann, aber längst nicht alle Aspekte des Themas abdeckt, was es heißen muss, das Kind eines Terroristen zu sein. In meiner Vorstellung ... 5 von 5 Punkten... hätte aus diesem Thema auch ganz schnell ein sentimentales Rührstück werden können - die Revolution frisst ihre Kinder, der Abgesang der 68er, dieser ganze Kram. Möglicherweise ist ja auch genau das rausgekommen und ich hab's nicht gemerkt - Schlink war für mich immer eher der Vater des Privatdetektivs Selb als der Autor des Vorlesers, als Krimifan nähert man sich solcher Prosa ja gemeinhin mehr als vorsichtig. Bei allen anfänglichen Vorbehalten denke ich aber, dass Schlink mit "Das Wochenende" ein ziemlich kluges Buch gelungen ist. Die Gesamtanmutung ist ja eher die eines Kammerspiels, eines Theaterstückes ohne Regieanweisungen und Personenregister, hinzu kommt, dass Schlink sich nicht auf die alleinige Wirkung der Hauptperson, des begnadigten Ex-Terroristen fokussiert, sondern gleichsam alle an diesem Plot beteiligten Personen zu gleichen Teilen ins Bild holt. Das kann ab und an zu Verwirrung führen, manchmal geht einem der Überblick über die eine oder andere Geschichte verloren, es sorgt aber auch dafür, dass alle Facetten beleuchtet werden können, die eine (un)mittelbare Verstrickung in die Aktivitäten der RAF zur damaligen Zeit mit sich brachte, die jeden einzelnen in diesem Buch zum Getriebenen, zum Befangenen werden ließ und läßt. Sorgsam formt Schlink die Charaktere, nimmt sich viel Zeit und schreibt dabei mehr als einmal Dinge, die einem in dieser Form auch schon desöfteren durch den Kopf gegangen sind und somit auch anrühren können. Sicher gibt es auch Momente, die fragwürdig erscheinen - wenn jemand unvermittelt beim Anblick einer bestimmten Situation in Tränen ausbricht, aber selbst das kann mit der sehr persönlichen Sicht der Dinge gewogen werden und vielleicht ist ja gerade diese Szene für andere Leser wiederum eine Art Einstieg in das Buch und seine Geschichte. Kurz - ein lohnendes Stück Literatur und selbst für spannungssüchtige Vielleser eine kurzweilige, willkommene Unterbrechung. Wochenend-Idylle für Ex-Terroristen? 3 von 5 PunktenNein, idyllisch ist dieser Wochenendaufenthalt der Freunde mit dem frisch entlassenen ehemaligen RAF-Terroristen sicher nicht. Die Gegend um das Haus und das Haus selber sind idyllisch und passen irgendwie nicht so ganz in diese Welt und genauso ist es auch mit Jörg, dem Exterroristen und Bruder der Gastgeberin. Frisch begnadigt und an das "normale" Leben überhaupt nicht gewohnt, erschiem er mir eher wie ein schlechter, unwirklicher Traum. Überhaupt macht die Geschichte auf mich einen "träumerischen" Eindruck, träumerisch nicht im Sinne von traumhaft schön sondern im Sinne von unwirklich, oberflächlich. So berühren die Prsonen mich nicht wirklich, erst gegen Ende des Romans habe ich Interesse für die verschiedenen Personen entwickelt und ich wollte wissen, was aus diesen Personen jetzt wird, aus dieser früheren Gemeinschaft, die sich nach über 20 Jahren trifft und deren Leben sich so unterschiedlich entwickelt hat. Manche Personen sprachen mich mehr an, z.B. Ilse, die entdeckt, dass sie eigentlich Schriftstellerin sein will oder Margarete, die in selbstbestimmter Einsamkeit lebt, aber zufrieden damit ist und ohne Erwartungen aus diesem Wochenende geht. Insgesamt fand ich den Hintergrund des Romans interessant, aber mir waren die Dialoge bzw. Monologe zu theoretisch, blieben zu sehr an der Oberfläche, wobei ich das Ende dann durchaus versöhnlich fand und eine gute Lösung. Blasser Beitrag zum RAF-Diskurs 3 von 5 PunktenBundespräsident Köhler hat sich besonnen. Er hat den RAF-Mörder Christian Klar doch noch begnadigt und seine vorzeitige Freilassung veranlasst. Seine stark Christian-fixierte Schwester Christiane (!) holt ihn ab und als besondere Überraschung hat sie in das abgelegene Landhaus, das sie irgendwo im Osten dieser Republik mit ihrer bisexuellen Freundin Margarete bewohnt, für das bevorstehende Wochenende gleich ein paar Mitstreiter aus alten Tagen eingeladen. Ein Aktivist der aktuellen RAF-Nachfolgefraktion gesellt sich dazu, der Klar gleich zu einem neuen revolutionären Pamphlet zu überreden trachtet, und ein Überraschungsgast. Klar, Klar, der wirkliche Klar, kommt hier gar nicht vor, denn die RAF, das ist nicht nur der Stoff, mit dem blutig-reale Tragödien wie Schleyer, Buback oder Ponto inszeniert wurden, die RAF, das ist auch der Stoff, aus dem Romane sind. Klar heißt hier folglich nicht Christian, sondern Jörg. Und Susanne, Inge, Adelheid und die anderen treten auch nicht auf, zumal es weniger ehemalige RAF-Kampfgenossen sind, für die Schlink sich interessiert, als vielmehr Achtundsechziger und Kommunarden, die rechtzeitig vor der bösartigen Mutation der Bewegung den Absprung geschafft und in eine bürgerliche Existenz abgetaucht sind, während andere wie Christian alias Jörg Bomben schmissen, mit MG's um sich schossen und Leute ermordeten. In diesem Roman heißen sie Ulrich, Henner, Andreas, Ilse und Karin, sie sind Chef einer Dentallabor-Kette, Journalist, Anwalt, Lehrerin und Bischöfin. Schlink interessiert sich für den Konflikt zwischen verschiedenen Typen, die Ende der Siebziger zwar das gleiche linke Glaubensbekenntnis teilten, sich aber völlig unterschiedlich entwickelt haben. Dabei geht es Schlink nicht um Wertungen, mehr um eine Versuchsanordnung. Was sagt denn so ein Jörg heute auf die Frage, wie es sich anfühlte und ob es sich heute noch richtig anfühlt, einen Menschen für eine fixe Idee zu ermorden? Doch Jörg, den Schlink einen wenig stimmigen Drahtseilakt zwischen weinerlichem Defätismus (er ist todkrank) und kleinmütigen Resten alten Revoluzzergeistes vollziehen lässt, ist eine Kunstfigur, die einem keine Sekunde das Gefühl vermittelt: Ja, so könnte er sein, so könnte er heute denken und fühlen, der führende RAF-Terrorist. Andere Figuren überzeugen noch weniger: Ulrichs halbwüchsige Tochter Dorle, die erst Jörg, dann seinen Sohn zu verführen sucht, wirkt überzeichnet und klischeehaft, die Affäre zwischen Henner und Margarete reichlich gewollt. Das dramatische Potenzial, das Schlinks Versuchsanordnung birgt, wird dagegen weitgehend verschenkt, trotz einiger kleiner Geheimnisse aus der Vergangenheit, die nun gelüftet werden. Am meisten knirscht es noch im Landhaus-Gebälk, als sich im letzten Drittel Jörgs Sohn inkognito bei den Gästen einschleicht und nach Bekanntwerden seiner Identität dem Vater vorwirft, die RAF sei ja im Kern nicht besser als die Nazis. Doch dann nimmt sich die nymphomanische Dorle seiner an und die Luft ist auch schon wieder raus aus dem Vater-Sohn-Konflikt. Was positiv zu vermerken bleibt, sind Schlinks wunderbar schlichte Sprache und das viel spannendere Roman-im-Roman-Fragment von Ilse, die sich als Autorin versucht und an besagtem Wochenende die Geschichte des getöteten RAF-Kampfgenossen Jan neu zu schreiben beginnt. Ansonsten wird in diesem Buch Geschichte nicht gerade neu geschrieben. Die Konflikte lösen sich mit dem Ende des Wochenendes in nichts auf. Der Leser nimmt - genau wie Jörg - ein paar Gedankenanstöße aus diesem "Wochenende" mit, mehr nicht. Terroristische Aktivitäten mit ein bisschen zeitlichem Abstand betrachtet 3 von 5 PunktenEin Wochenende - von Freitag bis Sonntag - auf dem schlossähnlichen, aber verfallenem Anwesen der Schwester eines ehemaligen Terroristen und vierfachen Mörders Jörg, der nach über 20 Jahren Haft vom Bundespräsidenten begnadigt wird. Sie lädt Freunde und alte Weggefährten ein, aber auch ungeladene Gäste gesellen sich zur Runde dazu. Die alten Verbindungen sollen für Jörg nutzbar gemacht werden, ohne die alten Zeiten nochmals aufleben lassen zu müssen. Und tatsächlich haben sich die meisten der Anwesenden bereits schon lange in ihrem unrevolutionären Leben z. B. als Journalist oder Rechtsanwalt eingerichtet. Doch auch Jörg ist nicht stehen geblieben, hatte aber in Haft nicht dermaßen Entfaltungsmöglichkeiten. Ganz nebenbei werden in diesen drei Tagen durchaus auch alte und neue emotionale und körperliche Bande geknüpft. Als unerwartet der, den meisten unbekannte Sohn von Jörg auftaucht und seine Anklagepunkte gegen seinen Vater vorbringt, stellt sich berechtigt die Frage, welche wichtigen Aspekte des Lebens für die 'große Sache' völlig vernachlässigt wurden und ob sich die Opfer tatsächlich gelohnt haben. Ja, das Buch wirft die Frage auf: Was hat das Ganze gebracht? Gibt es Reue? Geht der Kampf gar weiter? Mein drittes Buch von Bernhard Schlink, nach "Selbs Justiz" und "Der Vorleser" und so ganz anders als die anderen. Nun ja, mäßig spannend, sicherlich nicht komisch und irgendwie etwas zäh. Kann man schon mal lesen, vielleicht auch gerade dann, wenn man die RAF-Zeit noch bewusst miterlebt hat. Es gibt durchaus Anlehnungen an reale historische Bezüge und auch der 11.09.01 spielt eine Rolle. Vielleicht ein bisschen viel Verquickungen. Eine der teilnehmenden Frauen schreibt über ihrer verstorbenen Mann, der Selbstmord begangen hat; aber sie spinnt eine ganz andere fiktive Geschichte weiter, revolutionär und wild. Aha. |
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Die Heimkehr von Bernhard SchlinkTaschenbuch von DiogenesPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 3,13 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257237227, Erscheinungsdatum: Juni 2008, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionWann Peter Debauer begann, sich über den Wunsch seiner Großeltern hinweg zu setzen, weiß er gar nicht mehr genau. Vielleicht war es in jenem Sommer, als die junge Lucia ihn in die Waschküche lockt, um ihm ihr Geschlecht zu zeigen und ihn damit erwachsener werden ließ. Vielleicht war es aber auch nur aus Langeweile, während einer öden Schulstunde. So oder so hat er sich Jahre lang an das Verbot gehalten, die Rückseite der Blätter nicht zu lesen, die ihm Oma und Opa während der Ferien bei ihnen in der Schweiz zum Schreiben und Malen überlassen hatten. Dort fanden sich die Druckfahnen der Heftchenreihe ?Romane zur Freude und zur guten Unterhaltung?, die die alten Leute nach allerlei Irrungen und Wirrungen ihres harten und entbehrungsreichen Lebens im Alter redigierten. So oder so: Irgendwann dreht Peter die Blätter um. Er liest die Geschichte der Rückkehr eines Soldaten aus Sibirien, die ihn seltsam berührt. Er liest, wie der Mann plötzlich vor der heimischen Haustür steht, wo ihn seine Frau mit einem fremden Kind und einem fremden Mann an ihrer Seite entgegen tritt. Doch dann bricht die Erzählung ab, weil Peter die restlichen Seiten schon weggeworfen hat. Erst Jahre später fällt sie ihm wieder ein, macht sich der Ich-Erzähler auf die Suche nach dem Autor des Romans, um dessen Ende zu erfahren. Eine Reise in die Geschichte -- auch die eigene Vergangenheit -- beginnt... Seit seinem Überraschungs-Bestseller Der Vorleser ist der gelernte Jurist und Berliner Autor Bernhard Schlink der Spezialist für verschüttete Biographien, die sich nicht zuletzt, in einer Art Roman im Roman, immer erst in der Lektüre seiner Figuren entwickeln und entschlüsseln lassen. In Die Heimkehr ist das nicht anders. Und auch viel von Schlinks juristischem Fachwissen ist -- neben seiner Vorliebe für historische Stoffe -- wieder einmal in das Buch eingeflossen. Gerade diese Ansammlung eingestreuter, teils grotesker Rechtsfälle macht Die Heimkehr besonders lesenswert. Darüber hinaus ist Schlink wieder einmal gelungen, mit Hilfe einer geradlinigen Sprache und eines von Melancholie durchzogenen Stils zu fesseln. --Stefan Kellerer 5 Kundenrezensionen:schlink ist immer gut 3 von 5 PunktenDie Bücher von B. Schlink lese ich immer gerne, was in erster Linie an der schlichten und doch ergreifenden Sprache liegt. Bei "Die Heimkehr" habe ich mich dennoch etwas gequält. Sie zieht sich! was will der Mann eigentlich sagen? 2 von 5 PunktenSchwülstige Pseudo-Philosphie, unrealistische Sachverhalte und Verhaltensweisen der Handelnden. Ein psychisch offenbar nicht ganz gesunder Hauptdarsteller, der sich ohne nachvollziehbaren Grund in eine eigentlich belanglose Geschichte verbeißt. Vielleicht bin ich ja nur zu oberflächlich. Ich habe es jedenfalls nach der Hälfte nicht mehr ertragen und das Buch ins Regal zurückgestellt, kann also nicht beurteilen, ob am Ende nicht doch noch Substanz kommt. Meisterwerk des Geschichtenerzählens 5 von 5 PunktenKein Buch dieses Autor hat mich bisher enttäuscht und so bietet auch die Heimkehr eine spannende abwechslungsreiche Geschichte, die raffiniert und auf hohem Nivau erzählt wird. Nicht alle Entscheidungen des Protagonisten sind für mich transparent, aber gerade das macht die Geschichtee so menschlich. "Die Heimkehr" ist ein Buch, welches weit über die Heimkehr von Soldaten im Krieg hinausgeht, sondern insbesondere auch für moderne zwischenmenschliche Beziehungen interessante Aufschlüsse erlaubt. Meine 100%tige Empfehlung für alle Literaturfreunde, die oberflächliche Bücher doof finden und trotzdem Realitäten anerkennen. zu konstruiert ist diese umgedrehte Odysseus Geschichte 3 von 5 Punktenin der ein Sohn - der Icherzähler - zunächst, ohne es zu wissen, später sehr bewusst und voller Wut auf der der Suche nach dem totgeglaubten und totgesagten Vater ist. Finden wird er schließlich jemand ganz anderen. Ausgelöst wird alles durch die Lektüre eines Heftchen-Romans, in der ein Kriegsheimkehrer die Treppe seines Hauses hinaufgeht und oben an der Tür erfahren muss, dass seine Frau inzwischen einen anderen Mann hat. Das Ende des Romans fehlt und so macht sich Peter Debauer auf die Suche danach, entdeckt das Treppenhaus, erlebt die Romanszene selbst - einmal von der Tür, einmal von der Treppe aus. Während man die 375 Seiten liest, fliegt die Nachkriegsgeschichte Deutschlands bis in die Gegenwart vorbei. Aber richtig packen will einen der Roman nicht. Das liegt nicht nur an manchen stilistischen Häßlichkeiten (ich will etwas "kriegen"), sondern auch daran, dass die Charaktere wie am Reißbrett zusammengefügt sind: Wenn ihnen etwas klar wird, dann denken Sie das brav für den Leser und verhalten sich anschließend auch entsprechend. Im wirklichen Leben ist das alles doch ein klein wenig komplizierter und vielschichtiger. Und in einem guten Roman sollte eigentlich der Leser denken - oh diese Figur scheint jetzt etwas kapiert zu haben, da bewegt sich etwas, ohne dass es einem der Autor vorbuchstabiert. Anspruchsvolles Thema nicht bewältigt 2 von 5 PunktenSchlinks >Heimkehr< ist wie alle seine Bücher stilistisch exzellent und baut Spannung auf. Bezugspersonen des Ich-Erzählers Peter Debauer gibt es viele - vielleicht zu viele. Sie haben zwar alle eine Bedeutung für Peter, aber untereinander fehlt praktisch jede Beziehung. Peters Mutter lernt zwar Barbara, seine Auserwählte, kennen, registriert aber nur, dass es für ihn wohl an der Zeit ist, sich zu binden. Ob er indessen wirklich bindungsfähig ist, darf bezweifelt werden. Am Ende des Buches stellt er fest, dass seine Mutter nichts von ihm erwartet und an Kontakten mit ihm nicht interessiert ist. Die einzige Person, die für ihn wichtig geblieben ist, ist der für die Geschichte ziemlich unwichtige Max, Sohn einer Ex. Aber ist Max ihm wirklich wichtig geworden, wenn er feststellt >Gerne würde ich von ihm mehr wollen, als ich will. Ich muß es noch lernen.< Glaubt er tatsächlich, dass er das kann? Dieser bindungsunfähige Peter Debauer? So ist die im Titel versprochene Heimkehr letztlich bestenfalls eine Rückkehr zu sich selbst, einer Person, die als Heimat die >Sehnsucht nach einem Bild< kennt, >das ich mir von meinem Vater gemacht und an das ich mein Herz gehängt habe.< Keine wirkliche Heimkehr also dorthin, wo er Geborgenheit empfinden könnte. Das ist zwar für den Leser, der sich durch den Titel des Buches zu einer solchen Hoffnung verleiten ließ, enttäuschend. Aber eigentlich musste der Leser darauf vorbereitet sein. Denn die literarischen Vorbilder, die der Autor in der ersten Hälfte des Buches ausführlich genug erörtert - vor allem Odysseus und der nach der Erzählung >Karl und Anna< von Leonhard Frank gebildete Karl des geheimnisvollen Heftchen-Romans, aus dem sich die Geschichte entwickelt -, diese literarischen Vorbilder kehren zwar zurück, finden aber dort, woher sie aufgebrochen sind, nicht mehr das Heim, die Heimat vor, die sie verlassen haben. Das ist die Geschichte, das äußere Geschehen. Eingewoben ist quasi als >Buch im Buch< die rechtsphilosophische Betrachtung über die Möglichkeit, Völkerrechtsverbrechen durch veränderte Perspektive moralisch reinzuwaschen. Den Ich-Erzähler empört das, doch gelingt es ihm nicht, diese Theorie intellektuell zu widerlegen. So korrespondiert Peters Ratlosigkeit der Erfolglosigkeit seines in der Geschichte sichtbar werdenden Bemühens, persönliche Bindungen aufzubauen. Wieder hat Schlink ein Thema gewählt, das zur sprichwörtlich gewordenen unbewältigten Vergangenheit gehört. Wieder gewinnt der Leser den Eindruck, dass der Autor glaubt, die Nachgeborenen könnten die NS-Vergangenheit der Väter-Generation einfach nicht bewältigen. Im >Vorleser< packte er das Thema von Standpunkt des Juristen (der er ja im Zivilberuf selbst ist) an; da überzeugte er. In der >Heimkehr< wagt er sich von philosophischer und psychologischer Warte an das Problem, doch dafür hat er offenbar kein ausreichendes Rüstzeug, obwohl es durchaus möglich ist, de Baur's glitschige rechtsphilosophische Theorie zu widerlegen. Der gewaltige intellektuelle Aufwand dieses Buches hat sich nicht gelohnt. |
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Sommerlügen von Bernhard SchlinkGebundene Ausgabe von DiogenesPreis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 14,20 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257067534, Erscheinungsdatum: August 2010 |
Eine Kundenrezension:mit Sommerlügen aufräumen 5 von 5 PunktenDer Autor kann so schreiben, als hätte er alles was er beschreibt auch selbst erlebt. In "Nachsaison" erleben der deutsche Orchestermusiker Richard und die reiche amerikanische Susan in Amerika eine herrliche Liebe im Regen der "Nachsaison". Diese Liebe hält nur wenige Tage am Ferienort. Sie ist intensiv und beide planen für ihre gemeinsame Zukunft so viel, aber bei ihrer Verabschiedung wissen beide bereits, dass es nur eine Sommerlüge war. Die Geschichte lässt es offen, aber ich vermute, beide sahen sich nie wieder. In "Der letzte Sommer" hoffe ich sehr für den Autor, dass er möglichst wenig autobiografisches in seine Geschichte geschrieben hat. Ein Mann im Rentenalter, der sein Leben lang Bücher schrieb und auch an der Universität lehrte, hat Krebs. Einen Sommer lang wollte er mit seiner Frau, den Kindern und Enkeln verleben und dann wollte er sich langsam mithilfe eines tödlichen Coctails davon machen. Seine Frau kam oft in den zurückliegenden Ehejahrzehnten zu kurz, auch bei der Entscheidung, dass und vor allem wann ein Todescoctail zum Einsatz kommt, lässt er sich von seiner Frau nicht in die Karten schauen. Aber sie findet den Coctail. Sie macht ihm klar, dass es so für sie nicht weitergehen kann. Sie und auch alle anderen Familienangehörigen verlassen das Sommerhaus. Der krebskranke alte Mann bleibt allein zurück. Wird er fähig sein noch an sich zu arbeiten? Durch die Tiefe und Intensität der Texte bin ich positiv überrascht. Diese sieben Geschichten sind keineswegs leichte Sommergeschichten, wie man beim Betrachten des Covers leicht denken könnte. Der Bielefelder Bernhard Schlink deckt Lügen auf und denkt dabei über das Leben nach. Er versteht es sehr gut den Leser nicht wieder loszulassen und er macht ihm klar, um Lügen aufzudecken ist es nie zu spät. |
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Selbs Justiz von Bernhard Schlink, Walter PoppTaschenbuch von Diogenes VerlagPreis bei Amazon: EUR 10,90, Angebote ab EUR 0,40 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257215436, Erscheinungsdatum: 1987, Auflage: 27., Aufl. |
Amazon.de-HörbuchrezensionAcht Stunden nichts als die Stimme eines Ich-Erzählers. Acht Stunden Hans Korte. Hält man das aus? Man hält es sehr gut aus. Das sanft raue Organ entspricht genau der Figur des Privatdetektivs Gerhard Selb. Der Sprecher ist Jahrgang 1929 und damit nur unwesentlich älter als der Held, der im Roman 68 Jahre zählt. Kortes Stimme stellt mühelos einen älteren, noch sehr vitalen Mann vor uns hin, dem man auch die geschilderten Liebesverwicklungen ohne weiteres abnimmt. Beeindruckend, wie Korte Ironien gelingen: mit einem unterlegten Lachen, so kunstvoll kunstlos, dass es eine Freude ist. Auch die Charakterisierungen von rund einem Dutzend Nebenfiguren bewältigt der bekannte Fernsehschauspieler bravourös mittels winziger Nuancierungen, Schlinks dialogstarke Prosa wird zum Hör-Erlebnis. Der Krimi zeigt die Welt der Bundesrepublik südlich des Mains in den satten Jahren vor 1989. Die einst jungen, ehrgeizigen Nazis, die in den 40er Jahren Verbrechen begangen und später mitgeholfen haben, Deutschmark-Land aufzubauen, stehen damals am Ende ihres Berufslebens und fürchten die Leichen im Keller. Von der Entdeckung solcher Leichen handelt der Roman, lehrreich, detailgenau und, was den Alltag an Rhein und Neckar angeht, sarkastisch und humorvoll. Ungekürzte Lesung des Romans, Gesamtspieldauer 487 Minuten, 7 CD, sehr knapp gehaltenes Booklet. --Michael Winteroll 5 Kundenrezensionen:Eins ist keins 4 von 5 PunktenViele Merkmale aus anderen Werken von Bernhard Schlink finden sich in diesem Buch wieder: Da sind zum einen die präzisen Charakterisierungen anderer Menschen, die gefühlte Wahrnehmung von Unausgesprochenem etwa durch Beschreibung von Gestik oder Mimik, da ist aber auch die Auseinandersetzung mit großen Themenkomplexen wie Schuld oder Nationalsozialismus. Trotzdem bleibt das Buch ein einfacher Krimi mit Lokalkolorit, der in erster Linie unterhalten soll und keine besondere Hintergründigkeit besitzt, wie z.B. "Der Vorleser". Die Sprache ist gelungen. Das Lesen macht Spaß. Ich habe mir nach der Lektüre dieses Bandes auch die anderen beiden Bänder der Trilogie gekauft und finde es eigentlich schade, dass Schlink keine Selb Pentalogie verfasst hat. komplex, raffiniert und spannend 4 von 5 PunktenWalter Popp und Bernhard Schlink schufen mit dem eigenbrötlerischen und schrulligen Privatdetektiv Gerhard Selb eine Figur, die durchaus das Zeug dazu hat, Marlowe und Maigret, den beiden Größten dieses literarischen Genres Paroli zu bieten. Originell und spannend aufgebaute Plots, ausgefeilte und ausgereifte Figuren, verpackt in unangestrengt zu lesende Literatur, gewürzt mit einer wohl dosierten Prise frischem Humor und dazu einen Protagonisten, der so gar nicht in irgendwelche Klischees passen will: der mit allerlei Macken ausgestattete kauzige Privatdetektiv Gerhard Selb nebst Kater, die man beide einfach ins Herz schließen muss! Schlinks Sprache ist präzise und packend, reich an gut sitzenden Pointen, voller versteckter Ironie und zum guten Teil auch bitter böse und sarkastisch. Diese drei gesellschaftskritischen Kriminalgeschichten sind durch die Bank komplex aufgebaut, nicht immer ganz logisch und in der einen oder anderen Szene hat man schon ein bisserl geistige Arbeit zu verrichten, sollte man zwischen den Zeilen lesen können, um nicht den berühmten roten Faden zu verlieren! Der raffiniert angelegte Spannungsbogen entschädigt aber immer wieder für diese kleinen Lesestaus und treibt einen immer und immer wieder weiter. Selbs Justiz 4 von 5 PunktenGerhard Selb ist Privatdetektiv und hat scheinbar seine besten Jahre hinter sich. Er bekommt Aufträge, wie sie jeder Privatdetektiv bekommt, Observationen, Nachforschungen für Versicherungen etc., bis eines Tages sein alter Freund Korten auf der Bildfläche auftaucht. Korten ist Generaldirektor eines großen Chemie-Werkes und bittet Selb Nachforschungen anzustellen, weil in seinem Unternehmen ein dubiöser Saboteur sein Unwesen treibt. Selb beginnt mit den Nachforschungen und gerät tiefer in eine Welt voller Koruption und Skrupellosigkeit. Er steht vor einem Weg, der wohlmöglich mehr mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun hat, als ein Freund, der ihm einen Auftrag erteilt hat! Bernhard Schlinks Auftakt der kriminalistischen Romane ist ein Erfolg. Er beschreibt detailgetreu und mit einer gewissen Komik, wodurch die Protagonisten einem nicht mehr wie bloße Buchstaben vorkommen, sondern wahrhaftig vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen. Auch wie Der Vorleser (Diogenes Taschenbuch, 22953) befasst sich dieses Buch mit der Schattenseite der deutschen Geschichte und bringt einen mehr zum Nachdenken, als man es SELBst vielleicht für möglich hält. Krimis sind nicht sein Ding... 2 von 5 PunktenMit Leidenschaft lese ich Schlinks Lyriker, Belletristik in Form von Krimis sollte er meiner Meinung nach den Könnern dieses Genres überlassen... Mir fehlte Spannung, Analytik und vor allem seine Stärke: die bildhafte Art seine Figuren zu beschreiben. Der Hans Filbinger der Belletristik 3 von 5 Punkten"Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein." - Es ist dies der Leitsatz, der Hans Filbinger zum Symbol für die Uneinsichtigkeit ehemaliger NS-Funktionäre degradierte, die in ihrem Dienst für das verbrecherische Regime lediglich ihre berufliche und vaterländische Pflichterfüllung sehen wollten. Seine Vergangenheit als Marinestabsrichter der Wehrmacht, der an insgesamt drei Todesurteilen Verantwortung getragen hatte, war für den kürzlich verstorbenen Politiker 1978 zum Auslöser seines Rücktritts als Ministerpräsident Baden-Württembergs geworden. Nie jedoch hatte er sein ideologisch verqueres Selbstbild revidiert. Eben jenes "pathologisch gute Gewissen" ist es, das die fatale Schlusssequenz in Bernhard Schlinks zusammen mit Walter Popp verfassten Kriminalroman "Selbs Justiz" bestimmt: die Konfrontation zwischen Täter und Ermittler, die in ihrer Konzeption und Intensität so stark an Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" erinnert. Alles beginnt harmlos mit einem kleinen Fall: Ferdinand Korten, Generaldirektor der Rheinischen Chemiewerke (RCW), engagiert seinen Schwager, einstigen Schulfreund und jetzigen Privatdetektiv Gerhard Selb, die Identität des Hackers zu ermitteln, der in das betriebseigene Computersystem eingedrungen ist und so unsinnige Eingriffe - etwa eine Bestellung von 100.000 indischen Rhesusäffchen aufzugeben oder alle mit einer 13 beginnenden Kontonummern zu löschen - vorgenommen hat. Der Fall ist schnell gelöst. Peter Mischkey, Mitarbeiter einer städtischen Behörde, rasch als Täter bestimmt. Doch erweist sich dieses kleine Fällchen zu Beginn des Romans lediglich als Spitze des Eisbergs, als Präludium der Geschichte hinter der Geschichte hinter der Geschichte...Denn als Selb aus dem Griechenlandurlaub zurückkehrt, ist Mischkey tot. Der Detektiv, der nicht an einen gewöhnlichen Autounfall glaubt, ermittelt weiter, entdeckt die Mordwaffe, analysiert den Tathergang, identifiziert den Täter - und kann nichts davon beweisen. In Amerika dann beginnt die zweite Reprise des Falls Mischkey - und der eigentliche Stoff des Romans. Jetzt verifiziert sich das erhobene Prädikat vom "Kriminalroman mit historischem Anspruch", wofür man sich allerdings erst durch mühsame 153 Seiten einer faden - mit Ausnahme weniger intelligenter, melancholisch-humorvoller Szenen -, geradezu gewöhnlichen Detektivgeschichte beißen musste, bis sich das letzte Drittel des Romans endlich als echter "Schlink" erweist, indem es sich der Reflexion über die nationalsozialistische Vergangenheit explizit widmet. Peter Mischkey hatte während seiner letzten Lebensjahre im Privaten ganze Ordner angelegt, die gefüllt sind an Dokumenten über die Tätigkeit jüdischer Zwangsarbeiter bei den RCW unter Administration des NS-Regimes. Einer der zwangsbeschäftigten Wissenschaftler war der Chemiker Weinstein gewesen, der in einem Sabotageprozess gegen hochrangige Mitarbeiter des Unternehmens die Angeklagten durch seine Aussage stark belastete und deren Verurteilung wegen eines Kapitalverbrechens bedingte. Der Ermittlungsleiter, der auf Seiten der Staatsanwaltschaft die Todesstrafe vehement forderte: Gerhard Selb, nunmehr Privatdetektiv. Die eigene Vergangenheit als überzeugter Nationalsozialist, Parteimitglied, NS-Staatsanwalt, der an Todesurteilen mitwirkte, die Selb mit der Maskerade der Verdrängung lange Zeit bedeckt hatte, erfordert nun ihre Aufarbeitung. Der 68-Jährige setzt sich endlich mit seiner Schuld kritisch auseinander - sein Schwager nicht: Den Grundstein seiner erfolgreichen Karriere, der ihn bis auf den Chefsessel des großen deutschen Chemieunternehmens katapultieren ließ, legte Ferdinand Korten bereits im Jahr 1944. Indem er den schutz- und rechtlosen Zwangsarbeiter Weinstein mittels der Abschreckungsmethode der SS zu einer gänzlich fingierten Falschaussage vor Gericht forcierte, entledigte der aufstrebende wissenschaftliche Assistent sich juristisch zweier höherrangiger Mitarbeiter, um sich alleine im Ruhme des gemeinsamen Forschungsprojektes zu sonnen. "Warum? Alles für die Karriere?" - Ein perfides Spiel um Macht und Ansehen ist es, das Selbs Justiz" in seinem letzten Abschnitt beschreibt. Ein Spiel, in dem sich findige Ökonomen die Befehls- und Rechtsstruktur des Dritten Reiches zunutze machen, um die Fundamente der eigenen narzisstischen Machtambitionen zu legen. Die Wissenschaftler mussten sterben, weil ihr Tod Kortens Ruhmstreben katalysierte. Mischkey musste sterben, weil er über Kortens unrühmliche Vergangenheit Kenntnis erlangt hatte. Und der Täter selbst bekleidet weiterhin die Chefetage eines international renommierten Unternehmens, zählt zur Wirtschaftselite der Bundesrepublik Deutschland, wird zum Karriereidol der Nachkriegsordnung. Die völlige Aufklärung hat es nie gegeben, auch wenn die Entnazifizierung durch die Alliierten, die Nürnberger Nachfolgeprozesse und vornehmlich die Protestbewegung der 68er diese immer wieder postulierten. Maßgeblich der personelle Mangel im öffentlichen Dienst, der durch anfängliche Bestrafungs- und Entlassungswellen erzeugt wurde und1949 zum Straffreiheitsgesetz führte, ermöglichte es nationalsozialistisch "Belasteten" wie Ferdinand Korten (fiktiv) oder Hans Filbinger ungesühnt auch in der demokratischen Nachkriegsgesellschaft forthin hohe Staats- und Wirtschaftsämter zu bekleiden. Es ist diese moralische Diskrepanz zwischen Schuld und Uneinsichtigkeit in das eigene Vergehen, die einen Ministerpräsidenten Filbinger zu Fall brachte, die die finale Konfrontation zwischen Täter Korten und Ermittler Selb fatal enden lässt. P.S: Gerhard Selb nimmt ganz nebenbei Vorbildfunktion für die Lösung des weithin als "Altenproblem" beklagten demographischen Wandels der Bundesrepublik ein: Trotz seiner rheumageplagten 68 Lebensjahre zeigt sich der Privatdetektiv weit vom Rentnerstatus entfernt, profiliert sich gar als James-Bond-Replik, wenn er etwa zwei blutjungen Wachmännern samt blutleckenden Schäferhunden im Laufduell entflieht und sich mit einem waghalsigen Sprung in den eiskalten Rhein heroisch rettet, oder sich als feuriger Charmeur präsentiert, der ein 20 Jahre jüngeres Ding einfach mal so im Café aufreißt und noch am selben Abend in ihrem Apartment flachlegt. Bei solchen Repräsentanten der deutschen Potenz verwundert das Versprechen des berüchtigten deutschen Arbeitsministers kaum: "Die Rente ist sicher." (Norbert Blüm) |
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Selbs Betrug von Bernhard SchlinkTaschenbuch von Diogenes VerlagPreis bei Amazon: EUR 10,90, Angebote ab EUR 0,75 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 325722706X, Erscheinungsdatum: Februar 2000, Auflage: 24., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Kein Betrug 4 von 5 PunktenDies ist der zweite Band der Selbs Trilogie und wer den ersten Band gelesen hat, der kennt bereits Privatdetektiv Selb mit seinen Marotten und seiner Vergangenheit und der kennt auch den Ort der Handlung nämlich die Gegend um Mannheim und Heidelberg mit seinen typischen Lokalen, Parks und Plätzen. Dieser Band wurde zu Recht, wie ich meine, mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Die Geschichte ist spannend, sie kommt ohne spektakuläre Grausamkeiten oder Dramatik aus, lässt sich flott lesen, zwingt aber wegen der etwas verwickelten Handlung zur Aufmerksamkeit. Ein wirklich kurzweiliges Lesevergnügen. Spannend bis zur letzten Seite! 5 von 5 PunktenEin besorgter Vater vermißt seine Tochter und bittet Privatdetktiv Selb die Ermittlungen aufzunehmen. Doch bei seinen Recherchen stößt er auf unerwartete Ergebnisse. In einem Netz von Intrigen, Lügen und Vertuschungen gerät er zwischen die Fronten von BKA, Terroristen und einem geheimen Vermächtnis der Deutschen Wehrmacht. Ein Buch spannend bis zur letzten Seite. intensiv und spannend - ein würdige Fortsetzung 4 von 5 PunktenWalter Popp und Bernhard Schlink schufen mit dem eigenbrötlerischen und schrulligen Privatdetektiv Gerhard Selb eine Figur, die durchaus das Zeug dazu hat, Marlowe und Maigret, den beiden Größten dieses literarischen Genres Paroli zu bieten. Originell und spannend aufgebaute Plots, ausgefeilte und ausgereifte Figuren, verpackt in unangestrengt zu lesende Literatur, gewürzt mit einer wohl dosierten Prise frischem Humor und dazu einen Protagonisten, der so gar nicht in irgendwelche Klischees passen will: der mit allerlei Macken ausgestattete kauzige Privatdetektiv Gerhard Selb nebst Kater, die man beide einfach ins Herz schließen muss! Schlinks Sprache ist präzise und packend, reich an gut sitzenden Pointen, voller versteckter Ironie und zum guten Teil auch bitter böse und sarkastisch. Diese drei gesellschaftskritischen Kriminalgeschichten sind durch die Bank komplex aufgebaut, nicht immer ganz logisch und in der einen oder anderen Szene hat man schon ein bisserl geistige Arbeit zu verrichten, sollte man zwischen den Zeilen lesen können, um nicht den berühmten roten Faden zu verlieren! Der raffiniert angelegte Spannungsbogen entschädigt aber immer wieder für diese kleinen Lesestaus und treibt einen immer und immer wieder weiter. Alter Mann was nun 3 von 5 PunktenEin tadellos geschriebener Krimi (eigentlich 3,5 Sterne). Schlinks geschliffene Sprache gehört sicher zu den angenehmsten Stimmen zumindest der deutschen Krimi-Literatur. Der Plot war spannend, aber mal wieder beschäftigte Schlink sich mit einem der "deutschen" Themen, hier also dem deutschen Herbst. Ob es auch mal eine Nummer kleiner ginge? Na, warum auch. Einziges Manko war die etwas unangenehme Romanze zwischen dem 70jährigen Protagonisten und der hübschen Mittzwanzigerin. Man fragt sich, wie das die alten Männer im Roman immer anstellen. Es fing so gut an 3 von 5 PunktenIch habe geschwankt zwischen 3 und 4 Sternen. Aber Krimipreis hin oder her. Ich habe mich für 3 Sterne entschieden. Der Klappentext versprach mehr als das Buch halten konnte. Das Buch fing sehr gut an. Durch die Ermittlungen von Gerhard Selb und seine Suche nach Leonore Salger wurde die Spannung immer weiter aufgebaut. Schritt für Schritt wurde ich von der Geschichte mitgenommen. Doch dann wurde die Geschichte immer flacher. Die Spannung war raus. Die Kapitel folgten ohne neue Erkenntnisse und manchmal ohne Zusammenhang. Besonders die Szene in der sich alles aufklärt ist unspannend und ohne viel Geschick geschrieben. Das Ende auch nicht mehr sehr überraschend und eine sehr konstruierte Geschichte. Besonders schade finde ich, daß man über Gerhard Selb wenig erfährt. Was treibt ihn an? Was denkt er? Und auch seine Vergangenheit wird nur angedeutet. Schade. Ich hatte mehr erwartet. |
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Der Vorleser von Bernhard SchlinkTaschenbuch von Diogenes VerlagPreis bei Amazon: EUR 8,90, Angebote ab EUR 0,73 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257229534, Erscheinungsdatum: Juni 1999, Auflage: 6 |
5 Kundenrezensionen:Der Vorleser 4 von 5 PunktenWir haben das Buch erst vor kurzem in der Schule als Lektüre gelesen und am Anfang dachte ich mir, das Buch wäre total langweilig. Aber falsch gedacht. Denn im Laufe des Buches kommen immer wieder neue Geheimnisse ans Licht und das macht das Buch im großen und ganzen spannend und man möchte wissen wie es weitergeht. Das Buch ist auf jedenfall weiterzuempfehlen. sensibel 5 von 5 PunktenDavon abgesehen, das dieser Roman sehr spannend ist, behandelt er auf sensibelste Art und Weise psychologische, pädagogische und soziologische Themen. "Darf man jemanden zu seinem Glück zwingen?" "Schuld und Schuldzuweisung" Judenverfolgung" "Justiz" Sexualität" u.a.m. Spannend, individuell und doch zentral 5 von 5 PunktenIch finde das Buch ist sehr spannend geschrieben, deshalb konnte ich es selbst beim zweiten Mal lesen gar nicht weglegen. Mir hat die persönliche Geschichte gut gefallen, da sie die Individualität eines jeden Schicksals aufzeigt und doch ein großes Thema anspricht. Dieses Buch bildet meiner Meinung nach eine Brücke zwischen Theorie über die NS-Verbrecher-Monster und der damaligen Realität, ohne diese zu verharmlosen. Zusätzlich bietet das Buch keine Paradeantwort, wie mit den Kriegsverbrechern umgegangen werden soll, sondern vermittelt ehr gefühlsmäßig die damalige Situation und regt somit zum Nachdenken an. Der Vorleser 5 von 5 PunktenHat alles Super funktioniert. Das Buch ist im Zustand akzeptabel, so wie es der Verkäufer beschrieben hat. Aber was das beste ist... das Buch ist Super. Viele Grüße Rita Schwarze Lies mir eine Geschichte vor 5 von 5 PunktenIn Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser" spielen viele Themen eine große Rolle. So ist nicht nur Begriff der Schuld ein zentrales Problem, mit dem sich der Hauptcharakter Michael Berg auseinandersetzen muss, sondern auch die Verantwortung gegenüber verschiedenen Personen. Michael Berg ist ein Jugendlicher, welcher zu Beginn des Romans noch unerfahren und jung ist. Er trifft auf Hanna Schmitz, eine Frau, bei der er langsam lernt selbstständiger zu werden und durch sie viele Seiten des Lebens kennen lernt, welche ihm bisher verschlossen geblieben waren. "Warum? Warum wird uns, was schön war, im Rückblick dadurch brüchig, dass es häßliche Wahrheiten verbarg?" (Auszug aus dem Roman) |
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Die gordische Schleife von Bernhard SchlinkTaschenbuch von Diogenes VerlagPreis bei Amazon: EUR 8,90, Angebote ab EUR 0,46 ![]() 3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257216688, Erscheinungsdatum: Mai 2000, Auflage: 17., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Schlink " gemächlich " 3 von 5 PunktenSeine Sicht, wie der Autor die Welt wahrnimmt und seine Art und Gabe dies zu beschreiben ist wundervoll. Hinter prophanem Geschehen den Leser immer wieder in tiefere Fragen des Lebens zu tauchen ohne ihn dort ertrinken zu lassen empfinde ich als Bereicherung und Genuss. Ob des etwas zähen Tempos heute nur 3 Sterne Besser als die bisherige Durchschnittswertung 4 von 5 PunktenMir hat das Buch sehr gut gefallen - einerseits, weil es ohne sprachlichen Firlefanz auskommt und auf den Punkt geschrieben ist, zweitens weil mich die Entwicklung des Protagonisten Georg Polger in den Bann gezogen hat. Sicher weist der Plot die eine oder andere Unstimmigkeit auf, hat Kommissar Zufall zuviele Auftritte. Aber die Geschichte des gedemütigten Mannes, der zwanghaft die einst geliebte Frau und mit ihr Antworten darauf sucht, wie man ihm so spielend einfach das ganze Leben rauben konnte, hat mich gefesselt. Stück für Stück befreit sich Polger aus der Opferrolle, agiert anstatt zu reagieren. Wenn das überhaupt geht (wie er sich selbst fragt)... Wenn's nach mir geht, lest Ihr das Buch. Männerlektüre 3 von 5 PunktenBernhard Schlink ist ja nicht jedermanns Sache, doch die Romane des aktiv als Professor für Rechtswissenschaften tätigen Autors erhalten fast immer eine Auszeichnung wie "Die gordische Schleife" den Friedrich-Glauser-Preis 1989. Inhaltlich handelt es sich hierbei um nüchterne Männerlektür mit einer abwegigen Logik, die wohl kein Frauenhirn nachvollziehen kann oder mag. Besonders im dritten in Amerika spielenden Teil wird es zu absurd und treten inhaltliche Fehler oder Löcher auf, die man/frau so nicht einfach hinnehmen kann - wie kann z.B. ein steckbrieflich gesuchter Tourist unerkannt einen amerikanischen Inlandflug machen? Das Thema wirkt in den heutigen Zeiten angestaubt, wird aber 1988 in den letzten Zügen des Kalten Krieges hochbrisant gewesen sein. Nicht spannend jedoch ereignisreich ist der Erzählstil und auf jeden Fall gut geschrieben. Sprache und Satzbau sind flüssig, leicht zu lesen. Man fühlt, schmeckt und riecht zunächst den Frühling in der Provence, den Sommer, das laute und dreckigen New York und die frische, warme Brise vom Pazifik in San Francisco herüberwehen. Im bereits erwähnten dritten Teil wird leider nicht nur der Inhalt fleckig, sondern auch die schöne Sprache oberflächlicher, phrasenhafter, so dass man fast meinen könnte, Schlink sei der Atem ausgegangen oder die Zeit davon gerannt. Aber viel blieb ihm ja auch nicht bis zum Fall des Eisernen Vorhanges! "Ohne Funken" 2 von 5 PunktenDer Funke ist bei mir nicht übergesprungen. Auf dem Klappentext wird ein Strudel von Ereignissen angekündigt, davon kann aber nicht die Rede sein. Der Hauptakteur Georg Polger schlägt sich in Südfrankreich als freier Übersetzer durchs Leben und auch durch die Handlung. Dann wird er in die Sache mit den Konstruktionsplänen für Kampfhubschrauber verwickelt. Als er selbst zu ermitteln beginnt, kommt er seinem Ziel meist nur durch Geduld und das Eintreten von Zufällen näher. Und es ist eigentlich ungaubhaft, dass Herr Polger von seinen Gegenspielern (CIA, KGB, Rüstungsindustrie) ernst genommen wird. Kurz und gut 4 von 5 PunktenMir hat das Buch gut gefallen. Man wird erst nach Südfrankreich und dann in die USA entführt. Gut die Story ist nicht gerade realistisch, aber es macht Spass, das Buch zu lesen. Zum Ende hin wird es richtig spannend, der Schluß ist sowieso klasse. Die gordische Schleife ist zwar nicht so sensationell wie die Selb-Krimis, aber trotzdem eine nette Lektüre. |
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Selbs Mord von Bernhard SchlinkTaschenbuch von DiogenesPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 2,10 ![]() 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3257233604, Erscheinungsdatum: April 2003, Auflage: 5., Aufl. |
5 Kundenrezensionen:Dritter und letzter Fall 4 von 5 PunktenTrotz vieler Negativrezensionen habe ich mir auch den dritten und letzten Band der Selb-Triologie besorgt, gelesen und keinesfalls bereut. Privatdetektiv Selb, seine Freundin und Freunde sind ist so authentisch und gut charakterisiert, dass sie einem vertraut sind. Er, als der Held der Handlung hat aufgrund seines Alters, seiner Marotten und weil er zu Beginn des Buches selber hereingelegt wird etwas Komisches und Sympathisches, so wie es viele Antihelden haben. Er ist eben ein sehr erfahrener, letztlich souveräner und zugleich sehr menschlicher Privatdetektiv. Die Story fand ich spannend, glaubwürdig, gut erzählt. Das Buch ist nicht zu lang. Die Sprache ist, wie immer bei Bernhard Schlink, außerhalb jeder Kritik. kann nicht an die beiden ersten Fälle anknüpfen 3 von 5 PunktenWalter Popp und Bernhard Schlink schufen mit dem eigenbrötlerischen und schrulligen Privatdetektiv Gerhard Selb eine Figur, die durchaus das Zeug dazu hat, Marlowe und Maigret, den beiden Größten dieses literarischen Genres Paroli zu bieten. Originell und spannend aufgebaute Plots, ausgefeilte und ausgereifte Figuren, verpackt in unangestrengt zu lesende Literatur, gewürzt mit einer wohl dosierten Prise frischem Humor und dazu einen Protagonisten, der so gar nicht in irgendwelche Klischees passen will: der mit allerlei Macken ausgestattete kauzige Privatdetektiv Gerhard Selb nebst Kater, die man beide einfach ins Herz schließen muss! Schlinks Sprache ist präzise und packend, reich an gut sitzenden Pointen, voller versteckter Ironie und zum guten Teil auch bitter böse und sarkastisch. Diese drei gesellschaftskritischen Kriminalgeschichten sind durch die Bank komplex aufgebaut, nicht immer ganz logisch und in der einen oder anderen Szene hat man schon ein bisserl geistige Arbeit zu verrichten, sollte man zwischen den Zeilen lesen können, um nicht den berühmten roten Faden zu verlieren! Der raffiniert angelegte Spannungsbogen entschädigt aber immer wieder für diese kleinen Lesestaus und treibt einen immer und immer wieder weiter. Sicherlich einer der besten deutschen Krimis 5 von 5 PunktenSo klug und unterhaltsam zugleich ist ein Krimi nur selten. Vermutlich ist Krimi sogar das falsch Wort, es ist eher ein Roman mit gesellschaftsanalytischem Anspruch. Sehr zu empfehlen, ebenso wie übrigens die anderen beiden Bände. Schade nur, daß Schlink die Reihe nicht fortsetzen mag. Alle guten Dinge sind drei 5 von 5 PunktenIn einem Alter, in dem sich die meisten Menschen schon zur Ruhe gesetzt haben, muss Selb, trotz gesundheitlicher Beschwerden, weiter arbeiten. Seine Rente ist mager, allerdings bietet man ihm selten lukrative Jobs an - wer will schon einen 70-jährigen Body-Guard. Da kommt ihm der Auftrag des Privatbankiers Welker, einen während des Dritten Reiches verschollenen stillen Teilhaber jüdischer Herkunft zu finden, gerade recht. Doch was als geruhsames Schnüffeln in alten Archiven anfängt, kippt schnell in einen brisanten Krimi. Der alte Archivar des Bankhauses wird ermordet und Welkers Geschäftsführer Samarin entpuppt sich als Mitglied der Russen-Mafia. Es ist ein Buch über das damit Abfinden, dass man Altert, dass man abgeschoben wird und zum Alten Eisen gehört. Und über den Umgang eines kämpferischen Alten, der sich diesem Zwang nicht beugen will, trotz seiner körperlichen Beschwerden. Es ist auch wieder ein politisches Buch: Geldwäsche, Enteignung von Juden im Dritten Reich, Russenmafia, der Zusammenbruch der ehemaligen DDR. All dies sind Themen, die Schlink gekonnt anreisst, in seine Story einbaut und es dann dem Leser überläßt, die Gedanken weiter bis zum Ende zu spinnen. In seinem gewohnten Schreibstil läßt uns Schlink am Lebensabend von Selb teilhaben. Ein ungewöhnlicher Krimi, der in keiner Sammlung fehlen darf. Selbs Überschätzung 1 von 5 PunktenDer alternde Privatdetektiv Gerhard Selb erholt sich gerade von Herzbeschwerden, als ihn der Inhaber der alteingesessenen Schwetzinger Privatbank "Welker und Weller" damit beauftragt, eventuelle Nachfahren eines verschollenen jüdischen Teilhabers der Familie zu finden. Während seiner Ermittlungen wird der ehemalige Archivar der Bank Adolf Schuler ermordet, und außerdem trifft Selb überall auf zwielichtige Gestalten: Welkers Faktotum Gregor Samarin etwa, dessen Rolle in der Bank ihm Rätsel aufgibt; der verdruckste ehemalige Stasi-Mitarbeiter Karl-Heinz Ulbrich, der behauptet, Selbs unehelicher Sohn zu sein; die aufgeweckte Leiterin der Sorbischen Genossenschaftsbank in Cottbus, der allerlei Ungereimtheiten aufgefallen sind -- und natürlich die unvermeidlichen ostdeutschen Schlägertrupps... Auch der Bankchef Welker scheint so manches zu verbergen (warum z.B. fand man niemals die Leiche seiner vermissten Frau, die bei einer Bergtour verunglückt war?), die Geschichte seiner Privatbank weist natürlich auch einige Ungereimtheiten auf, und wieder mal wird Selb an seine eigene Vergangenheit als zackiger junger Nazi-Staatsanwalt erinnert. Ein Happy End gibt es nur bedingt; nicht alle Guten werden belohnt, nicht alle Bösen bestraft -- und Selb erleidet einen Herzinfarkt. Tatsächlich, das melancholische Romanende ist reizvoll. Leider kommt es 264 Seiten zu spät. In die ohnehin schon ziemlich inhaltsschwangere Krimihandlung packt Schlink noch jede Menge Heiße Eisen hinein: Es geht um Geldwäsche und dunkle Geschäfte großen Stils im Zuge der deutschen Wiedervereinigung, selbstverständlich kommt auch die Russenmafia ins Spiel, und die deutsche Nazi-Vergangenheit muss auch ein wenig aufgearbeitet werden: Entschädigungszahlungen an die Nachkommen jüdischer Opfer, Zwangsarbeiter... Schlink geizt nicht mit brisanten Themen. Dummerweise vergisst er vor lauter Sendungsbewusstsein, dass er eigentlich einen Krimi schreiben wollte. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist kläglich: Ein solches Konglomerat gewichtiger Fragen in eine ohnehin schon überfrachtete Handlung hineinzuzwängen -- das musste schiefgehen, auch wenn so mancher Kritiker, von soviel Anspruch geblendet, in Ehrfurcht erstarrte. Der Tropfen, der dem Fass dann allerdings die Krone aufsetzt, ist der Einsatz einer normalerweise mit Skatspielen etc. beschäftigten Pensionärtruppe als Fake-Überfallkommando; die Szene könnte als kleine Slapstick-Einlage durchaus witzig sein, wenn in ihrer Schilderung nur ein klein wenig Ironie durchblitzen würde. Aber es stimmt schon: Wenn die ganze Chose mal am Rutschen ist, dann reißt sie gleich alles mit in den Abgrund. Schade -- der erste Selb-Krimi, "Selbs Justiz", war ein erfreulicher Vertreter des Genres "Anspruchsvoller Krimi mit stimmigem Lokalkolorit"; der nächste Band, "Selbs Betrug", konnte immerhin noch als leidliches Mittelmaß durchgehen. Aber "Selbs Mord" -- nunja. Das Lokalkolorit des Großraums Heidelberg-Mannheim hat Schlink auch diesmal gut eingefangen. Schade, dass er sich damit nicht begnügt hat. |
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Der Andere von Bernhard SchlinkBroschiert von GallimardPreis bei Amazon: EUR 11,30, Angebote ab EUR 5,50 ISBN: 207030972X, Erscheinungsdatum: 2009 |
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